Grüne im Gemeinderat Jesteburg:
Auf Karl-Heinz Glaeser folgt Marcus Richter
- Karl-Heinz Glaeser (Grüne) gibt sein Mandat im Gemeinderat vorzeitig zurück.
- Foto: Grüne
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Ein Jesteburger Grünen-Grünen-Urgestein wird bei der Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch, 18. Februar, nach 20 Jahren sein Mandat freiwillig zurückgeben. Statt seiner wird in Zukunft Dr. Marcus Richter grüne Politik im Gemeinderat vertreten. Im Samtgemeinderat bleibt Glaeser den Jesteburgern aber erhalten.
Glaeser sitzt seit 20 Jahren im Gemeinderat, war fünf Jahre Erster Stellvertretender Bürgermeister, ist seit 15 Jahren - und bleibt - im Samtgemeinderat für die Jesteburger vertreten. Warum jetzt der Wechsel im Gemeinderat? Das Alter sei der Grund, sagt Glaeser. Und er wolle angesichts der Kommunalwahl im September kompetenten Nachrückern den Weg freimachen. "Es fällt mir nicht leicht", erklärt Glaeser seine Entscheidung. "Mein zweiundachtziger Körper tickt aber nunmal ganzheitlich anders als mein zweiundsechziger. Ich halbiere deshalb meine politische Aktivität und schaffe mir dadurch schon mal einen halben freien Kopf für einen neuen Lebensabschnitt."
Was hat sich in 20 Jahren Arbeit im Gemeinderat verändert? "Bevor ich in den Gemeinderat gewählt wurde, hatte oft eine Partei die Mehrheit und konnte 'durchregieren'", erinnert sich Industriekaufmann, Germanist, Soziologe/Politologe und Studiendirektor Glaeser, der Diskussionen nicht scheut. Seit 2001 müssten in Jesteburg Entscheidungen zwischen den Parteien ausgehandelt werden, um Mehrheiten zu erzielen. "Genau der damit verbundene Diskursanspruch hatte mich gereizt, in die Kommunalpolitik einzusteigen."
Sein wichtigstes Jesteburger Thema: die - parteiübergreifende - Schulinitiative der Samtgemeinde, die schließlich mit der Gründung einer Oberschule eine weiterführende Schule im Ort erreichen konnte. Auf dieser politischen Ebene will Glaeser auch weiterarbeiten. Auch das Nordheide Wochenblatt habe ihm gezeigt, wie positiv Jesteburg von außen wahrgenommen werde, so Glaeser. "Aber die Löcher in den Straßen, der herausgezögerte Grundschulbau, nicht zeitnah abgeschlossene Investitionsprojekte und noch viele andere Problemfelder verstellen zu oft unsere positive Innenwahrnehmung."
Manche seiner Ideen - zum Beispiel zur stärkeren Beteiligung der Bürgerschaft und zu weiteren Zukunftsstudien - habe er im Gemeinderat nicht durchsetzen können, aber die Mitarbeit sei trotzdem "eine sehr erfüllende Aufgabe gewesen." Er hoffe daher, dass sich im kommenden Sommer viele Jesteburger zur Wahl stellen werden.
Über die Kompetenzen seines Nachfolgers Dr. Marcus Richter hat Glaeser nur Gutes zu sagen: "Da bei der gegenwärtigen kommunalen Haushaltslage jedes Projekt und jede Investition durch das finanzielle Nadelöhr gepresst wird, freue ich mich, dass Marcus Richter unter anderem seinen Sachverstand als Banker in die politischen Beratungen einbringen kann."
Richter lernte Jesteburg durch eine berufliche Tätigkeit schon vor mehr als 30 Jahren kennen. Vor fast zehn Jahren zog er dann aus Düsseldorf wieder nach Jesteburg, lebt hier mit seiner Lebenspartnerin. "Wir haben sechs Kinder, fünf Schwiegerkinder und zwei Enkelkinder. Richters Finanzexpertise als Bankmensch im Ruhestand, der auch die Bankenkrise 2007 erlebte, dürfte den Grünen sehr zu pass kommen: Die Gemeinde hat kein Geld, sich aber viele Projekte vorgenommen. Richter ist schon jetzt in einigen Jesteburger Initiativen im Einsatz, so bei der Seeve Bürgerenergie und bei der Genossenschaft Möhren und More.
Sein politisches Hauptanliegen: "Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns in Jesteburg auf unsere demokratischen Werte besinnen und parteiübergreifend konstruktiv zusammenarbeiten. Respekt und gute Kommunikation sind dabei für mich entscheidend." Besonders liegen ihm Kultur und kulturelle Vielfalt am Herzen, "insbesondere Unterstützung der Kulturstätte Bossard, konsequentes Voranbringen des Schulneubaus sowie Errichtung von Photovoltaikanlagen auf allen kommunalen Dächern".
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