Sportförderrichtlinie sieht 13 Euro pro minderjährigem Mitglied vor
Erleichterung für Jesteburgs Sportvereine?

Der VfL Jestburg bietet neben asiatischen Kampfsportarten wie Judo oder Taekwondo u. a. Fußball, Turnen,  Tischtennis, Radsport oder Leichtathletik für Kinder und Jugendliche an
  • Der VfL Jestburg bietet neben asiatischen Kampfsportarten wie Judo oder Taekwondo u. a. Fußball, Turnen, Tischtennis, Radsport oder Leichtathletik für Kinder und Jugendliche an
  • Foto: Foto: VfL Jesteburg
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as. Jesteburg. Die Sportvereine und ihre ehrenamtliche Jugendarbeit würdigen und die Förderung der Sportvereine transparenter und einfacher gestalten - dabei soll die neue Sportförderrichtlinie helfen, die der Rat der Gemeinde Jesteburg jüngst beschlossen hat.

Für den Kinder- und Jugendzuschuss müssen die Sportvereine künftig keinen jährlichen Antrag mehr stellen. Stattdessen zahlt die Gemeinde für jedes Mitglied unter 18 Jahre einen Zuschuss von 13 Euro pro Jahr an die Vereine. Grundlage sind die beim Kreissportbund jeweils zum Jahresanfang gemeldeten Mitgliederzahlen.
Die UWG Jes! hatte sich für eine Staffelung des Kinder- und Jugendzuschusses ausgesprochen, die sich an dem Anteil der Minderjährigen im Verhältnis zur Gesamtmitgliederzahl orientiert, das wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Weiterhin neu ist, dass die Vereine auf Antrag in Ausnahmefällen Zuschüsse von maximal 30 Prozent der Instandsetzungskosten und maximal 50 Prozent der energiesparenden Maßnahme erhalten.
Der Tennis Club Jesteburg und der Jesteburger Schützenverein befürworten die Änderungen. "Wir begrüßen die antragslose Jugendförderung durch die Gemeinde", sagt der Präsident der Schützen, Torsten Lange. Frank Bannöhr, Pressesprecher des TC Jesteburg, (96 Mitglieder unter 18 Jahre und 188 Mitglieder über 18 Jahre, Stand Dezember 2020) bewertet die Neuerungen ebenfalls als "sehr vorteilhaft, weil Investitionen jetzt für alle Vereine planbar sind".

Der Vorsitzende des VfL Jesteburg, Prof. Dr. Michael Bockisch, hingegen hätte eine Staffelung des Kinder- und Jugendzuschusses befürwortet. Der VfL ist mit 1.058 Mitgliedern der größte Sportverein im Ort. Etwa die Hälfte der Mitglieder (450) sind unter 18 Jahre. Zwei Gründe sprechen aus Sicht des VfL für eine Staffelung: Zum einen sei die Staffelung auch ein Anreiz zur Jugendförderung, zum anderen würde dem Rechnung getragen, dass Jugendliche im Verein reduzierte Beiträge entrichten, aber verhältnismäßig mehr Aufwand, z.B. durch Betreuung und Aufsicht, erfordern.

Mit über 1.000 Mitgliedern sei der VfL Jesteburg ein bedeutender Faktor im Ort. "Wir sehen unsere Aufgabe neben der Schaffung der besten Möglichkeiten für unsere Mitglieder insbesondere darin, zu helfen unsere älteren Mitbürger fit zu halten und den Kindern und Jugendlichen Bewegung, Freude und das Teamgefühl zu bieten – beides unter fachkundiger Anleitung."

Auch die Deckelung der Zuschüsse für größere Instandsetzungen statt einer Entscheidung im Einzelfall sieht der Verein kritisch. "Eine Deckelung per se würde bedeuten, dass größere Projekte – auch wenn sie dringend notwendig sind – für die Vereine praktisch nicht mehr finanzierbar sein könnten", mahnte der VfL in einer Stellungnahme. "Man muss den Eindruck haben, dass die Sportförderrichtlinie nicht vom Fördergedanken (Sport und auch Jugend) geprägt ist, sondern vom Blick auf das Budget motiviert", sagt der VfL-Vorsitzende jetzt nach dem Beschluss. Die von der UWG Jes! vorgebrachten Änderungen hätten für den VfL eine Verbesserung bedeutet. Diese wurden mit Hinweis auf die knappe Budgetlage 2021 aber abgelehnt. "Eine Richtlinie ist aber kein Zwang, sondern eben eine Richtlinie, die man bei Budgetnot nicht in jedem Fall befolgen muss – es ist nur eine Richtschnur. Außerdem verabschiedet man eine Richtlinie nicht für das kommende Jahr, sondern für eine längere Zukunft" sagt Michael Bockisch.

Hansjörg Siede, Vorsitzender der UWG Jes!, sagt: „Wir hätten uns gewünscht, dass die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine noch stärker gewürdigt wird. Deshalb hatten wir eine Staffelung der Förderung vorgeschlagen: Je mehr sich ein Sportverein im Kinder- und Jugendbereich engagiert, desto höher sollte auch die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde ausfallen.“ Ein Vorschlag, den der Vorstand des VfL Jesteburg von 1912 e.V. unterstützt, aber von CDU, SPD und Grünen abgelehnt worden sei.
„Für uns erfüllen die Jesteburger Sportvereine eine herausragende, integrative Aufgabe. Mit ihrem Engagement bieten sie Gemeinschaft, vermitteln Werte und fördern das generationsübergreifende Miteinander. Zeitgemäße Angebote im Nachwuchsbereich bilden den Grundstock für eine langfristige Bindung der Mitglieder an ihren Verein und damit auch an Jesteburg. Deshalb ist es für uns besonders wichtig, in diesem Bereich gezielt mit Gemeindegeldern die Vereinsarbeit zu unterstützen", so Siede.

Birgit Heilmann (Grüne) spricht sich gegen eine Staffellung aus. Die Grünen hielten eine Staffelung der Zuschussbeiträge nach Höhe des Kinder- und Jugendanteils in Bezug zur Mitgliederanzahl für wenig praktikabel und auch nicht für gerechter, "da der Wert der Vereinsleistung nicht nur an der Anzahl bemessen werden kann". Kein Verein werde durch die neue Regelung schlechter gestellt. "Im Gegenteil", sagt Heilmann: "Die Vereine erhalten mehr und bekommen eine verlässliche Planungsgrundlage.“

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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