Windkraft zwischen Lüllau und Reindorf
Jetzt 30 statt zwölf Hektar im Plan
- Osterfeld: der Blick vom Lüllauer Osterfeuerplatz in Richtung Reindorf (Fotomontage)
- Foto: IG EEV
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Kann es doch mehr Windkraft in Lüllau geben? Der Entwurf des Regionalen Raumordnungsplanes (RROP) sieht nun 30 Vorrangflächen für Windkraft westlich von Lüllau vor - mehr als doppelt so viel wie die ursprünglich geplanten zwölf Hektar! Das führte auch bei der örtlichen Interessengemeinschaft "Erneuerbare Energie mit Verstand" (IG EEV) zu neuen Aktivitäten. Um den Bürgern zu vermitteln, was die neuen Windkraft-Möglichkeiten nach sich ziehen könnten, erstellten Mitglieder Fotomontagen: Fünf riesige Windräder überragen die Ortschaften und dominieren die Landschaft.
Schon im vergangenen Jahr hatten sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft EEV gegen Windkraft in Lüllau ausgesprochen: wegen der dort bedrohten Artenvielfalt, wegen des Vogelschutzes, aber auch wegen der isolierten Lage und fehlender Infrastruktur rund um das geplante Gebiet (das WOCHENBLATT berichtete). "Uns scheint es, als wäre es vielen Menschen noch überhaupt nicht klar, was eine Umsetzung der Pläne bedeutet", sagt Mit-Organisator der IG, Dr. Andreas Dänhardt. "Um es ein wenig plastischer und greifbarer zu machen, haben wir einmal einige weitgehend maßstabsgetreue Fotomontagen erstellt, die fünf Windräder auf der Planungsfläche zwischen Lüllau und Reindorf zeigen." Denn auf die nun größer geplante Fläche würden nicht mehr nur zwei, sondern fünf Windräder passen.
"Wir waren selbst überrascht, wie riesig die Turbinen wirken, haben aber den Maßstab nachgeprüft und festgestellt, dass sie eher noch zu klein geraten sind, wenn die Größen aus dem RROP-Entwurf zugrunde gelegt werden", erklärt Dänhardt. "Wer mag, kann sich beim nächsten Spaziergang ja den neuen Funkturm mit 55 Metern oder den Buchholzer Funkturm beim Finanzamt mit 90 Metern als Vergleich nehmen." Eine Sieben-Megawatt-Windturbine wäre demnach mit insgesamt 250 bis 280 Metern Höhe über fünfmal so groß wie der Lüllauer Funkturm und höher als das höchste Gebäude von Deutschlands zweitgrößter Stadt.
Was Dänhardt und seine Mitstreiter außerdem beunruhigt: Man beobachte, dass Projektgesellschaften und Landeigner Einfluss auf die Gemeinderäte nähmen und erwirken wollten, dass über die sogenannte "Gemeindeöffnungsklausel" Gebiete für Windkraftbebauung zulassen würden, die bis auf die zweifache Anlagenhöhe an die Wohnbebauung heranrücken könnten. Dänhardt: "Dies passiert gerade in Hollenstedt, und auch in Lüllau gibt es offenbar derartige Aktivitäten."
Dann wären Windräder nur noch zwischen 500 und 600 Meter von der Wohnbebauung entfernt, anstatt - wie im RROP festgelegt - 800 Meter. Zum Vergleich zieht Dänhardt die Windräder in Rosengarten und am Trelder Berg heran, die man von der Lüllauer Ortsausfahrt Richtung Reindorf gut sehen könne. Sie sind in Luftlinie ungefähr 13 Kilometer entfernt, die des Windparks Seevetal zwischen Horst und Ramelsloh, Blickrichtung rechts von der Ortsausfahrt Lüllau, sind Luftlinie circa 17 Kilometer weit weg.
In der Jesteburger Kommunalpolitik ist man dagegen nicht so kritisch der Windkraft gegenüber. In einer Stellungnahme stimmte der Jesteburger Bauausschuss dem Regionalen Raumordnungsplan (RROP)-Entwurf des Landkreises mehrheitlich mit den Stimmen von SPD und Grünen zu: Die Gemeinde Jesteburg hat demnach "keine fachlichen Einwände gegen die Windpotenzialplanungen" für das Gebiet in Lüllau.
CDU und UWG stimmten dagegen. "Wir sind im Grunde schon alle für Windkraft", erklärt Bauausschussvorsitzende Hansjörg Siede. "Allerdings sieht - entsprechend verschiedener Gutachten - danach aus, als ob es durchaus bessere Flächen dafür gibt als die in Lüllau." Mit dem Antrag, dem RROP-Entwurf zu widersprechen, konnte sich die UWG aber nicht durchsetzen.
Die nächsten wichtigen Windkraft-Termine: Gemeinderatssitzung Jesteburg (Mittwoch, 26. Februar, 19 Uhr, Schützenhaus, Am Alten Moor 10) sowie Informationsveranstaltungen des Landkreises am Montag, 27. Januar, in Winsen (18 Uhr, Marstall, Schlossplatz 11), am Mittwoch, 29. Januar, in Salzhausen (18 Uhr, Grundschule, Am Paaschberg 13), am Donnerstag, 13. Februar, in Elstorf (18 Uhr, Schützenhaus, Schützenstraße 33) und am Montag, 17. Februar, in Tostedt (18 Uhr, Schützenhalle, Schützenstraße 49).
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