Vorfall in Hahnöfersand
Gefangene überwältigen Mitarbeiter

Die JVA Hahnöfersand, die Untersuchungshaft, Jugendvollzug und Therapieangebote vereint, soll bis 2027 einem modernen Neubau in Hamburg-Billwerder weichen | Foto: BJV
  • Die JVA Hahnöfersand, die Untersuchungshaft, Jugendvollzug und Therapieangebote vereint, soll bis 2027 einem modernen Neubau in Hamburg-Billwerder weichen
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Das hat es zuvor noch nicht gegeben: In der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand sollen mehrere Insassen kürzlich einen Mitarbeiter überwältigt, ihn in einem Materialraum festgehalten und einen Schlüssel an sich genommen haben. Die Situation konnte schließlich unter Kontrolle gebracht werden. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen drei Gefangene eingeleitet. Gegen den 19-Jährigen sowie zwei 21-Jährige wird derzeit wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei ermittelt. Motive und Hintergründe sind bislang unklar.

Neue Details zum Ablauf des Angriffs

Nach Angaben der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz sollen die Tatverdächtigen zunächst einen Bediensteten in einem Materialraum angegriffen haben. Dabei entwendeten sie dessen Mehrzweckeinsatzgürtel mit Anstaltsschlüssel, Handsprechfunkgerät, Handfesseln und Dienstmesser und fesselten den Mitarbeiter.

Mit dem erbeuteten Schlüssel soll sich einer der Gefangenen Zugang zu einer weiteren Station verschafft haben. Dort kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem Angriff auf einen weiteren Bediensteten mit dem Dienstmesser. Dieser blieb unverletzt und konnte einen Hausalarm auslösen. Weitere Mitarbeiter eilten daraufhin zur Unterstützung und brachten die Situation unter Kontrolle. Das Messer wurde sichergestellt, der Angreifer isoliert.

Parallel dazu sollen die beiden anderen Gefangenen mit abgebrochenen Tischbeinen bewaffnet einen weiteren Bediensteten angegriffen und verletzt haben. Auch dieses Geschehen konnte schließlich durch das Eingreifen weiterer Kräfte beendet werden. Die Gefangenen legten die Gegenstände ab und ließen sich widerstandslos fesseln.

Beim Eintreffen der Polizei war die Lage bereits unter Kontrolle. Insgesamt wurden vier Bedienstete verletzt, zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden, konnten dieses jedoch noch am selben Abend beziehungsweise am Folgetag wieder verlassen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werden keine weiteren Angaben zum Gesundheitszustand gemacht. Die beteiligten Gefangenen wurden noch am Wochenende in andere Einrichtungen verlegt.

Ermittlungen laufen – viele Fragen offen

Trotz der neuen Details bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Die Hamburger Justizbehörde verweist weiterhin auf laufende Ermittlungen. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen noch unterschiedliche und teils widersprüchliche Informationen vor. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wird über Inhalt und Umfang der konkreten weiteren Ermittlungen zur Aufklärung des Sachverhalts entscheiden“, erklärt Dennis Sulzmann, Sprecher der Justizbehörde.

Damit ist weiterhin unklar, wie genau sich die Situation entwickelt hat und ob es sich um eine spontane Eskalation oder eine geplante Tat handelte. „Wir bitten um Verständnis, dass noch nicht alle Fragen beantwortet werden können, solange die Ermittlungen andauern“, so Sulzmann.

Behörde zeigt sich erschüttert – spricht von Einzelfall

Innerhalb der Justizbehörde hat der Vorfall für große Betroffenheit gesorgt. „Dass die Situation derart eskaliert ist und Bedienstete verletzt wurden, hat uns erschüttert. Hinter jeder Uniform steht ein Mensch, der Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt, indem er für Sicherheit und Resozialisierung sorgt“, heißt es aus der Behörde.

Gleichzeitig wird das Geschehen als Ausnahme bewertet: „Wir möchten zur Einordnung nochmal betonen, dass es in unserem Jugendvollzug in der Vergangenheit keine vergleichbaren Fälle gab, in denen Gefangene gemeinschaftlich in dieser Form gewalttätig gegen Bedienstete vorgegangen sind. Es handelt sich um ein Ereignis, das nicht zum normalen Alltag gehört, sondern bislang als einzigartig einzustufen ist.“
Auch die Personalstärke sei zum Zeitpunkt des Vorfalls ausreichend gewesen, so die Behörde. Mögliche Konsequenzen werden derzeit geprüft.

Herausforderungen im Jugendvollzug

Der Vorfall lenkt den Blick zugleich auf die grundsätzlichen Anforderungen im Jugendvollzug. Die Arbeit mit jungen Inhaftierten sei „eine anspruchsvolle, aber auch besonders sinnstiftende Aufgabe“. Viele Jugendliche brächten schwierige Biografien, psychische Belastungen und traumatische Erfahrungen mit, die sich im Alltag häufig in Konflikten und Unsicherheiten äußern.

Konfliktdynamiken unterscheiden sich dabei deutlich vom Erwachsenenvollzug. Jugendliche reagierten oft impulsiver und befänden sich noch in ihrer persönlichen Entwicklung. „Dies kann zu einer erhöhten Dynamik führen und erfordert dann von den Mitarbeitenden ein hohes Maß an Flexibilität und Fingerspitzengefühl“, so die Justizbehörde.

Mitarbeitende übernehmen dabei nicht nur Sicherheitsaufgaben, sondern auch pädagogische und soziale Verantwortung. Neben dem allgemeinen Vollzugsdienst stehen Sozialpädagogen und psychologische Fachkräfte als Ansprechpartner zur Verfügung. Für belastende Situationen gibt es Angebote wie Supervision und psychologische Nachsorge.

Zukunft des Standorts: Neubau geplant

Unabhängig vom aktuellen Geschehen steht der Standort Hahnöfersand vor einem grundlegenden Wandel. Die Einrichtung soll aufgegeben werden. In Hamburg-Billwerder entsteht derzeit eine neue, moderne Jugendvollzugsanstalt mit zeitgemäßen Sicherheitsstandards. Der Umzug ist nach aktuellem Stand für das Jahr 2027 geplant.

Was ist in der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand passiert?

In der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand sollen drei Gefangene einen Bediensteten überwältigt, gefesselt und dessen Anstaltsschlüssel sowie weitere Ausrüstungsgegenstände an sich genommen haben. Anschließend kam es zu weiteren Angriffen auf Mitarbeiter der Einrichtung.

Gegen wen ermittelt die Staatsanwaltschaft nach dem Vorfall in Hahnöfersand?

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen einen 19-Jährigen sowie zwei 21-jährige Gefangene wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und dem genauen Ablauf dauern an.

Wie wurden die Bediensteten der Jugendvollzugsanstalt verletzt?

Nach Angaben der Justizbehörde wurde ein Bediensteter zunächst überwältigt und gefesselt. Ein weiterer Mitarbeiter soll mit einem Dienstmesser angegriffen worden sein, blieb jedoch unverletzt. Zwei weitere Bedienstete wurden bei einem Angriff mit abgebrochenen Tischbeinen verletzt.

Wie viele Mitarbeiter wurden bei dem Angriff in Hahnöfersand verletzt?

Insgesamt wurden vier Bedienstete verletzt. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden, konnten die Klinik jedoch noch am selben Abend beziehungsweise am Folgetag wieder verlassen.

Ist ein Gefangener aus der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand geflohen?

Nein. Die Situation konnte durch weitere Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt unter Kontrolle gebracht werden. Die beteiligten Gefangenen wurden überwältigt, gefesselt und anschließend in andere Einrichtungen verlegt.

Gab es zuvor ähnliche Vorfälle im Jugendvollzug Hahnöfersand?

Nach Angaben der Hamburger Justizbehörde hat es im Jugendvollzug Hahnöfersand bislang keinen vergleichbaren Fall gegeben, bei dem mehrere Gefangene gemeinschaftlich in dieser Form gewalttätig gegen Bedienstete vorgegangen sind.

Warum sind die Ermittlungen nach dem Vorfall noch nicht abgeschlossen?

Nach Angaben der Justizbehörde liegen derzeit unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Informationen zum Ablauf des Geschehens vor. Deshalb prüfen Staatsanwaltschaft und Ermittler weiterhin Motive, Hintergründe und den genauen Tatverlauf.

Wie geht es mit der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand weiter?

Unabhängig vom aktuellen Vorfall soll die Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand in den kommenden Jahren aufgegeben werden. In Hamburg-Billwerder entsteht derzeit eine neue Jugendvollzugsanstalt mit modernen Sicherheitsstandards. Der Umzug ist nach aktuellem Stand für 2027 geplant.

Redakteur:

Stefanie Schimanski aus Buxtehude

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