Mobiler Hochwasserschutz für Estebrügge
Schlauchsystem schließt Schutzlücke

Beim Probeaufbau in Estebrügge | Foto: sts
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Wenn die Este Hochwasser führt, soll künftig ein mobiler Schutzwall Estebrügge–Moorende sichern. Der Deichverband II. Meile Alten Landes setzt dafür erstmals auf ein flexibles Schlauchsystem – eine Lösung, die Sicherheit schafft, ohne das historische Ortsbild zu verändern. Das System stammt von der Firma Mobildeich und wurde von deren Gründer und Geschäftsführer Walter Wagenhuber (63) entwickelt.

Es besteht aus zwei bis drei großen Schläuchen aus PVC-beschichtetem Polyestergewebe, die mit Wasser gefüllt werden und so einen Schutzwall bilden. Eine stabile Netzhülle aus Polyesterseilen hält die Schläuche zusammen und sorgt für zusätzliche Standfestigkeit.

Vor den Schläuchen liegt eine reißfeste Dichtungsplane mit eingearbeiteter Kette. Sie presst sich auf den Untergrund und wirkt wie eine flexible Dichtlippe gegen anströmendes Wasser. Dadurch kann sich kein Wasserdruck unter den Schläuchen aufbauen – ein wichtiger Effekt, denn ohne diese Abdichtung könnten Schlauchsysteme bei steigenden Pegeln aufschwimmen oder weggedrückt werden. Gleichzeitig bleiben die Schläuche innerhalb der Netzhülle beweglich, was die Stabilität zusätzlich erhöht.

Das mobile System soll eine Lücke in der Hochwasserschutzlinie an der Estebrügger Brücke schließen. „An der Este haben wir eine vorgeschriebene Deichhöhe von vier Metern, an einer Stelle sind es jedoch nur 3,31 Meter. Also muss dieser Teil abgedämmt werden. Dazu sind wir verpflichtet“, sagt Deichverbandsvorsteher Wilhelm Ulferts.

Der betroffene Abschnitt liegt zwischen den denkmalgeschützten Häusern Moorende 46 und 48 direkt am Ufer der Este. Feste bauliche Schutzanlagen wären hier nur schwer umzusetzen gewesen, ohne in die historische Bausubstanz einzugreifen.

Bauingenieurin Lara Stappenbeck (34), die den Deichverband beriet und eine Machbarkeitsstudie erstellte, hält die mobile Lösung für ideal: „Das ist die beste Variante, weil wir keinen Eingriff in den Untergrund haben, der Pflegeaufwand gering ist und wir nur eine relativ niedrige Höhe überdecken müssen.“

Die Bedingungen vor Ort sind kompliziert: Frühere Schutzanlagen wurden längst zurückgebaut, alte Bestandspläne existieren nur noch teilweise. Zudem befinden sich ein Brückenwiderlager und eine Gasleitung in unmittelbarer Nähe. Für den Standort entwickelte die Firma Mobildeich deshalb eine spezielle Sonderkonstruktion.

Im Vergleich standen drei Systeme: Dammbalken, Behälter und das mobile Schlauchsystem. Dammbalken gelten zwar als robust, hätten aber feste Einbauten erfordert und wären deutlich teurer gewesen. Das Behältersystem wäre günstiger gewesen, zeigte jedoch Schwächen bei der Dichtigkeit.

Am Ende überzeugte das mobile System der Mobildeich GmbH. Es lässt sich schnell aufbauen, benötigt kaum Wartung und kommt ohne Eingriffe in den Untergrund aus. Die Verbindung zu den Gebäuden erfolgt über eine Sonderlösung mit Klemmprofilen und lediglich zwei Bohrpunkten.

Mit rund 35.000 Euro für Planung und Anschaffung bleibt die Lösung zudem wirtschaftlich. Auch für Mobildeich ist das Projekt bemerkenswert. „Wir freuen uns hier zu sein und mit unseren mobilen Elementen gegen Dammbalken gewonnen zu haben, weil diese in der Regel immer vom Land und vom Bund gefördert werden“, sagt Stefanie Kock (59), Vertriebsleiterin und Prokuristin des Unternehmens.

Der Einsatz hat auch über die Region hinaus Bedeutung: „Das System wird zum ersten Mal als Modellversuch für Niedersachsen gefördert“, so Ulferts.

Das Schutzsystem wird bei der Feuerwehr Jork gelagert. Damit im Ernstfall alles schnell funktioniert, übten Feuerwehrleute Aufbau, Abbau und Lagerung direkt vor Ort.

Redakteur:

Stefanie Schimanski aus Buxtehude

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