Was steckt hinter der Mega-Fackel?
Riesige Flamme über dem Alten Land: Feuerspektakel sorgte für viele erstaunte Blicke
- Viele Menschen im Alten Land staunten nicht schlecht über die gigantische Fackel
- Foto: Andre Hellwig
- hochgeladen von Jörg Dammann
Viele Menschen im Alten Land dürfte sich am gestrigen Montagabend (15. Juni) verwundert die Augen gerieben haben. Über den Obstplantagen und Deichen nahe Grünendeich schoss plötzlich eine gewaltige Stichflamme in den Himmel. Weithin sichtbar leuchtete das Feuer über der Elbe. Es war von zahlreichen Orten im Alten Land und vom gegenüberliegenden Elbufer aus zu erkennen. Auf den Elbdeichen blieben Spaziergänger stehen, Autofahrer verlangsamten ihr Tempo, und in den sozialen Netzwerken fragten sich viele: Brennt dort etwas?
Kein Brand und auch kein Unfall
Die gute Nachricht vorweg: Es gab weder einen Brand noch einen Unfall. Die spektakuläre Erscheinung war geplant. Das ungewöhnliche Schauspiel hing mit Arbeiten an einer Gasleitung im Bereich der Station Elbe-Süd südlich der Insel Lühesand zusammen. Im Alten Land bereitet der Gasnetzbetreiber Gasunie sein bestehendes Leitungsnetz auf die künftige Nutzung für Wasserstoff vor. Dafür musste der betreffende Leitungsabschnitt vollständig vom Gas entleert werden. Das geschah, indem die in der LEitung verbliebenen Gasmengen mittels einer mobilen Gasfackel kontrolliert verbrannt wurden.
Behörden waren vorab informiert
Was technisch recht nüchtern klingt, sorgte am Altländer Himmel für beeindruckende Bilder. Die Flamme ragte nach Ansicht vieler Beobachter deutlich höher empor als die von Gasunie angekündigten sechs Meter. Augenzeugen schätzten die Höhe zeitweise auf deutlich mehr als 20 Meter. Für Anwohner bestand laut Gasunie zu keiner Zeit eine Gefahr. Die Arbeiten wurden von einem Spezialunternehmen unter fachkundiger Aufsicht von Gasunie durchgeführt. Auch die zuständigen Behörden im Landkreis Stade waren vorab informiert worden.
Abfackeln soll umweltfreundlicher sein
Nach Angaben des Unternehmens ist das sogenannte Abfackeln aus Umweltsicht die bessere Alternative zum sogenannten „kalten Abblasen“. Dabei würde das Erdgas unverbrannt in die Atmosphäre gelangen. Durch die kontrollierte Verbrennung lassen sich Methan-Emissionen deutlich reduzieren. Die Arbeiten erfolgen unter Einhaltung der geltenden europäischen Umweltvorschriften. Neben dem weithin sichtbaren Licht waren zeitweise auch Geräusche wahrnehmbar. Gasunie hatte das Umfeld deshalb bereits vorab um Verständnis gebeten. Auswirkungen auf die Gasversorgung in der Region gab es nicht.
Wichtiger Knotenpunkt der Energieversorgung
Die Arbeiten stehen in Zusammenhang mit größeren Veränderungen im Gasleitungsnetz. Der Landkreis Stade gewinnt seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung für die Energieversorgung Deutschlands. Mit dem LNG-Terminal im Stader Energiehafen und weiteren geplanten Infrastrukturprojekten entwickelt sich die Region zu einem wichtigen Umschlagplatz für gasförmige Energieträger.
Erst Erdgas, später Wasserstoff
Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Energietransportleitung ETL 182. Die rund 86 Kilometer lange Gasleitung soll von der Elbe bei Sandhörn im Alten Land bis nach Achim im Landkreis Verden verlaufen. Die unterirdische Stahlrohrleitung ist zunächst für den Transport von Erdgas ausgelegt. Perspektivisch soll sie jedoch auch Wasserstoff transportieren können. Damit gilt das Projekt als wichtiger Baustein für die künftige Wasserstoffwirtschaft in Norddeutschland.
Bis diese Zukunft Realität wird, dürfte die spektakuläre Flamme von Grünendeich vielen Altländern noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Schließlich bekommt man nicht alle Tage einen Anblick geboten, der ein wenig an eine Startrampe für Raketen erinnert – mitten zwischen Apfelbäumen, Elbdeich und Obstplantagen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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