Abfälle landen im Sand statt im Container
Schüler feiern Party am Bassenflether Strand - und der Bauhof muss ihren Müll wegräumen
- Die Hinterlassenschaften der School's-out-Party am Bassenflether Strand. Die Fotos der Gemeinde lassen das Müll-Chaos nur erahnen
- Foto: SG Lühe
- hochgeladen von Jörg Dammann
Endlich Sommerferien. Viele Schüler, insbesondere Gymnasiasten, ließen den letzten Schultag am Elbstand bei Bassenfleth ausklingen. Das hat ja mittlerweile Tradition. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Das Abitur oder der Schulabschluss ist ein besonderer Meilenstein, den man feiern darf. Aber was sich am gestrigen Mittwoch and er Elbe bei Bassenfleth abgespielt hat, ist schlicht beschämend. Wieder einmal haben die Schüler den Strand zugemüllt.
Dabei hatte die Samtgemeinde Lühe vorgesorgt. Sechs zusätzliche Müllcontainer wurden direkt am Strand aufgestellt. Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke appellierte noch im Vorfeld eindringlich an die Jugendlichen, ihren Müll nicht einfach liegen zu lassen. Die Botschaft war eindeutig. Doch sie war den meisten offenbar völlig egal.
Am nächsten Morgen mussten sechs Mitarbeiter des Bauhofs der Samtgemeinde Lühe rund drei Stunden lang Flaschen, Verpackungen, Becher und anderen Müll einsammeln. Nicht etwa, weil es keine Mülleimer gegeben hätte. Sondern weil zahlreiche Feiernde ihren Abfall einfach dort liegen ließen, wo sie gefeiert hatten.
Gerade bei den Abiturienten stellt sich da eine einfache Frage: Handeln so Menschen, die als Erwachsene behandelt werden wollen? Die meisten von ihnen sind volljährig. Sie dürfen wählen, Auto fahren, Verträge unterschreiben und starten jetzt ins Berufsleben oder beginnen ein Studium. Gleichzeitig schaffen sie es nicht, ihren eigenen Müll in einen Container zu werfen, der nur wenige Meter entfernt steht.
Kein Respekt vor der Arbeit anderer Menschen
Mal ehrlich: Räumen zu Hause auch noch Mama oder Papa hinterher? Bleiben Pizzakartons, Flaschen und Verpackungen einfach auf dem Wohnzimmerboden liegen, bis jemand anderes sie beseitigt? Warum glaubt man, dass Bauhofmitarbeiter hinter einem herräumen müssen? Nach dem Motto: "Dafür werden sie schließlich bezahlt." Wer so denkt, hat nicht verstanden, worum es geht. Es geht nicht nur um Müll. Es geht auch um Respekt vor der Arbeit anderer Menschen.
Die Männer vom Bauhof sind keine persönlichen Reinigungskräfte für feiernde Schüler oder Schulabgänger. Sie stehen morgens nicht auf, um den Müll anderer Leute einzusammeln, die schlicht zu bequem oder zu gleichgültig waren, zehn Schritte bis zum nächsten Container zu gehen. Sie sorgen das ganze Jahr über dafür, dass Straßen, Grünanlagen und öffentliche Plätze sauber und gepflegt sind – und verdienen dafür Respekt statt zusätzlicher Arbeit, die mit einem Minimum an Anstand völlig vermeidbar gewesen wäre.
Vielleicht sollte sich der eine oder andere fragen, was ihm das Abitur eigentlich vermittelt hat. Bildung zeigt sich nicht allein in guten Noten oder einem Zeugnis. Sie zeigt sich auch im Verhalten gegenüber Mitmenschen und der Umwelt. Wer glaubt, mit dem Abitur sei er etwas Besseres als der Bauhofmitarbeiter, der später seinen Dreck beseitigt, hat den Sinn von Bildung gründlich missverstanden.
Für die Umwelt demonstrieren, aber der Müll landet am Strand
Besonders widersprüchlich wird es, wenn ausgerechnet Teile einer Generation, die lautstark mehr Klimaschutz fordert, bei der "School's out Party" öffentliche Plätze vermüllen. Wer gegen Umweltverschmutzung demonstriert, sollte wenigstens den eigenen Müll wieder mitnehmen. Sonst wirkt die Empörung über frühere Generationen wenig glaubwürdig.
Hinzu kommt: Ein vermüllter Strand ist nicht nur ein Ärgernis für Spaziergänger und Familien. Plastik, Glas und Verpackungen gefährden auch Tiere. Vögel und andere Wildtiere können Müll aufnehmen, sich verletzen oder daran verenden. Umweltverschmutzung endet eben nicht dort, wo die Party vorbei ist.
Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass Feiern ausdrücklich erwünscht seien – der achtlose Umgang mit der Umwelt aber nicht akzeptabel sei. Sein Dank gilt deshalb den Bauhofmitarbeitern, die den Strand wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt haben.
Müllkaution oder Strand sperren
Es stellt sich aber die Frage, welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Wenn Appelle nichts nützen und selbst zusätzliche Müllcontainer ignoriert werden, muss man über andere Maßnahmen nachdenken. Warum sollte die Allgemeinheit Jahr für Jahr für die Rücksichtslosigkeit einiger weniger aufkommen?
Vielleicht wäre eine Müllkaution oder eine Strand-Sondernutzungsgebühr tatsächlich ein geeignetes Mittel. Oder die Samtgemeinde zieht die Reißleine und untersagt große Schülerpartys am Strand künftig ganz.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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