Altländer Obstbauer mit großen Sorgen
Hagelschauer im Alten Land: Hoffnung auf gutes Erntejahr ist dahin
- Egal, durch welche Obstbaumreihe Henrik Haak geht: Überall entdeckt er Hagelschäden
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Es donnert, Blitze zucken am Himmel. Dann prasseln dicke Hagelkörner auf die Obstplantagen im Alten Land nieder. Das Gewitter, das an diesem Juniabend über die Region hinwegzog, hinterließ vor allem auf Höfen in der Samtgemeinde Lühe eine Spur der Verwüstung.
Hart getroffen hat es beispielsweise den Obsthof von Henrik Haak in Hollern-Twielenfleth. Rund 70 Prozent der Äpfel wurden nach seiner Einschätzung beschädigt. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, welche Früchte später in den Handel gehen können und welche am Ende womöglich in der Biogasanlage landen. Die Bilder sprechen für sich: Die Äpfel weisen Dellen, Narben und Verletzungen auf. Viele Früchte werden zwar weiter bis zur Ernte im September wachsen und geschmacklich einwandfrei bleiben, doch für den Lebensmitteleinzelhandel gelten andere Maßstäbe.
- Die vom Hagel verursachten Risse beginnen bereits zu vernarben
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Der Handel will
makellose Äpfel
„Die großen Supermarktketten wollen möglichst makellose Äpfel mit einer perfekten Schale“, sagt Haak. Er hofft, dass die "Hagel-Äpfel" zumindest von der Lebensmittelindustrie abgenommen werden, um dort zu Apfelmus oder Saftkonzentrat verarbeitet zu werden. Das Problem dabei ist aber: Dort werden deutlich niedrigere Preise gezahlt. Für Mostäpfel erhält Haak lediglich acht bis zehn Cent pro Kilogramm. Im Vergleich zur Vermarktung als Tafelobst bedeutet das finanzielle Einbußen von bis zu 80 Prozent.
Hohe Energiekosten belasten die Höfe
Der Hagelschaden trifft die Obstbauern wie Haak in einer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Situation. Die Produktionskosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Vor allem die hohen Preise für Energie und Treibstoff belasten die Betriebe. So fallen etwa für die Kühlhäuser immense Energiekosten an. Dort werden die Äpfel über Monate gelagert, damit sie nach der Ernte bis weit ins Frühjahr hinein frisch bleiben. Bei einigen Obstbauern lagern noch Äpfel aus dem Vorjahr. Das war im Grunde ein sehr gutes Erntejahr. Die Erträge fielen überdurchschnittlich aus. Doch das Überangebot auf dem Markt drückte die Erzeugerpreise erheblich. Haak konnte seine Lagerbestände zwar vollständig verkaufen – aber der Erlös fiel bei Weitem nicht so aus wie erhofft.
- Diese Früchte sind für den Handel nicht mehr zu verwenden
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125.000 Apfelbäume
Haak bewirtschaftet den Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Jessica. Vor wenigen Jahren übernahm der 38-Jährige den Hof von seinen Eltern. Auf einer Fläche von 25 Hektar wachsen rund 125.000 Obstbäume, überwiegend Apfelbäume mit Sorten wie Elstar, Gala, Boskoop, Jonagold und Wellant. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bereiten ihm schon länger Sorgen. Nach Angaben von Branchenkennern erhalten Erzeuger beispielsweise für Elstar-Äpfel in guter Qualität derzeit rund 32 Cent pro Kilogramm. Die Obstbauern müssten aber mehr als 60 Cent vom (Groß-)Handel bekommen, um kostendeckend wirtschaften zu können.
- Henrik Haak begutachtet die Schäden an den Äpfeln
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Es gehe hier nicht um ein "Jammern auf hohem Niveau", wie dies den Landwirten immer wieder vorgeworfen werde, so Haak, sondern um die Zukunft seines Obstbaubetriebs. Ein Hagelschaden dieser Größenordnung könne schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Egal, wie hoch am Ende die finanziellen Einbußen ausfallen: Das Unwetter hat Henrik Haak im wahrsten Sinne des Wortes die Bilanz verhagelt.
Wie stark wurden die Apfelplantagen im Alten Land durch den Hagel beschädigt?
Das Hagelunwetter traf vor allem die Samtgemeinde Lühe mit den Orten Hollern-Twielenfleth, Grünendeich, Steinkirchen und Bachenbrock. Nach ersten Schätzungen wurden auf rund 700 Hektar Obstbaufläche erhebliche Schäden verursacht. In besonders stark betroffenen Bereichen sind bis zu 70 Prozent der Äpfel beschädigt worden.
Wie hoch ist der Schaden durch das Hagelunwetter im Alten Land?
Die Gesamtschadenssumme wird derzeit auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzt. Nach Angaben der Vereinigten Hagel gehören die jüngsten Hagelschäden zu den schwersten Ereignissen der vergangenen Jahre im Alten Land.
Warum können viele der hagelgeschädigten Äpfel nicht mehr im Supermarkt verkauft werden?
Die beschädigten Äpfel reifen zwar meist weiter heran und sind geschmacklich einwandfrei, weisen jedoch sichtbare Narben, Dellen oder Verletzungen an der Schale auf. Für den Lebensmitteleinzelhandel gelten strenge optische Anforderungen, sodass viele Früchte nicht mehr als Tafelobst der Klasse I vermarktet werden können.
Was passiert mit den hagelgeschädigten Äpfeln aus dem Alten Land?
Viele der beschädigten Früchte werden als Most-, Mus- oder Schäläpfel verarbeitet. Sie landen beispielsweise in der Herstellung von Apfelmus oder Apfelsaftkonzentrat. Ein Teil der Ernte könnte bei starken Folgeschäden sogar unverwertbar werden und in Biogasanlagen landen.
Wie groß sind die finanziellen Verluste für Obstbauern wie Henrik Haak?
Henrik Haak aus Hollern-Twielenfleth schätzt, dass rund 70 Prozent seiner Apfelernte beschädigt wurden. Während für Tafeläpfel deutlich höhere Erlöse erzielt werden können, erhalten Erzeuger für Mostäpfel aktuell lediglich etwa acht bis zehn Cent pro Kilogramm. Dadurch sinken die Einnahmen teilweise um bis zu 80 Prozent.
Warum trifft der Hagelschaden die Obstbaubetriebe besonders hart?
Die Hagelschäden treffen die Betriebe in einer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage. Niedrige Erzeugerpreise, gestiegene Dieselkosten, hohe Energiekosten für Kühlhäuser und eine schwache Marktentwicklung belasten viele familiengeführte Obsthöfe bereits seit längerer Zeit.
Welche Apfelsorten baut Henrik Haak auf seinem Obsthof an?
Auf dem Obsthof von Henrik Haak in Hollern-Twielenfleth wachsen rund 125.000 Obstbäume. Angebaut werden vor allem die Apfelsorten Elstar, Gala, Boskoop, Jonagold und zunehmend auch Wellant. Daneben gibt es auf dem Betrieb auch einige Birnenbäume.
Welche Folgen können die Hagelschäden für die betroffenen Obsthöfe haben?
Neben den direkten Ernteverlusten drohen weitere Schäden, da Pilze und Krankheitserreger über die verletzte Schale in die Früchte eindringen können. Zudem besteht die Gefahr, dass die Bäume die beschädigten Äpfel vorzeitig abwerfen. Für einzelne Betriebe können die Verluste existenzbedrohende Ausmaße annehmen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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