Landesweiter Erzieherprotest
Kita-Gesetz bringt fast nur Verschlechterungen

Leiterinnen der Tostedter Kindertagesstätten bei einer Mahnwache vor dem Rathaus. Die nächste der wöchentlich erfolgenden Mahnwachen ist für Donnerstag, 17. Juni, um 16 Uhr geplant
  • Leiterinnen der Tostedter Kindertagesstätten bei einer Mahnwache vor dem Rathaus. Die nächste der wöchentlich erfolgenden Mahnwachen ist für Donnerstag, 17. Juni, um 16 Uhr geplant
  • Foto: Voss
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(bim). Vor dem niedersächsischen Landtag in Hannover haben am Mittwoch 60 Erzieherinnen und Erzieher gegen die Kita-Politik des Landes protestiert. Und auch in den Landkreisen Harburg und Stade gibt es seit Monaten Proteste. Anlass ist das von CDU und SPD auf den Weg gebrachte neue Kita-Gesetz. Die Erzieher sehen ihre qualifizierte, pädagogische Arbeit in Gefahr.
"Wir sind entsetzt über den Gesetzesentwurf. Wir haben uns von der neuen Gesetzgebung dringende Verbesserungen erhofft. Stattdessen ergeben sich für uns fast nur Verschlechterungen unserer Bedingungen", heißt es in einem offenen Brief. Seit Monaten schreiben Kita-Leiterinnen immer wieder an Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) und verschiedene Abgeordnete, um das Gesetz zur Novellierung des Niedersächsischen Gesetzes für Kindertagesstätten und Kindertagespflege (KiTaG) in seinem aktuellen Entwurf zu verhindern. Im Fokus der Kritik stehen u.a. der Fachkraft-Kind-Schlüssel sowie die Verfügungs- und Freistellungszeiten für Erzieher und Leitungskräfte.
Einige ihrer Kritikpunkte
Bei der Größe der Kindertagesstätten und ihrer Gruppen werde festgelegt, dass bis zu drei Plätze von jeweils zwei Kindern an unterschiedlichen Tagen genutzt werden können. "Das widerspricht völlig unserem pädagogischen Anspruch von kontinuierlicher, pädagogischer Arbeit. Eine Betreuung an zwei oder drei Tagen ist für ein Kind in keiner Weise sinnvoll. Das Kind kann an Gruppenprozessen nicht vollständig teilnehmen, eine pädagogische Förderung ist im Hinblick auf unsere Ansprüche unrealistisch."
Mit der Erweiterung des Fachkräftekatalogs des pädagogischen Betreuungspersonals will der Gesetzgeber dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Doch damit - so erklären die Kita-Leitungen - würden die Personalstandards aufgeweicht. "Der gewachsene Anspruch an die Qualität und die Intensität unserer Arbeit steht im absoluten Widerspruch zu der sinkenden Qualifikation der Mitarbeiter. Nicht jeder, der auch nur im Ansatz etwas mit Pädagogik zu tun hat, ist geeignet für die Arbeit in einer Kindertagesstätte."
Das KitaG war 1993 in Niedersachsen in Kraft getreten. Seitdem habe sich die Arbeit durch den Wandel der Gesellschaft und Arbeitswelt bedeutend verändert, u.a. durch Mehrarbeit durch Dokumentation und intensivere Elternarbeit sowie Sprachbildung und Sprachförderung in den Kindertagesstätten. Die Mitarbeiter in den Kindertagestätten haben mit einem hohen persönlichen Einsatz dafür gesorgt, alle Aufgaben und Herausforderungen zu meistern.
Einige der Forderungen

  • Einen veränderten Personalschlüssel (sprich kleinere Gruppen mit maximal 20 Kindern)
  • längere Freistellungszeiten für Gruppenkräfte und Kitaleitungen
  • bessere Qualifikationen für Fachkräfte
  • der Aufgabe angemessene Bezahlung
  • Differenzierung von Kita und Kindertagespflege
  • Integration von Kindern mit und ohne Behinderung durch entsprechende Herabsetzung der Gruppengröße und mit dauerhaft drei Mitarbeitenden, davon eine heilpädagogische Fachkraft
  • eine dritte ausgebildete Kraft dauerhaft in der Ganztagsgruppe
  • Festlegung der maximalen Gruppengröße unter Berücksichtigung der Raumgröße
  • keine Doppelbelegung von drei Plätzen pro Gruppe
  • Festschreibung der Inklusion, um den Umgang von behinderten und nichtbehinderten Kindern sowie von Kindern mit unterschiedlicher Herkunft und Prägung untereinander zu fördern.

Der in den Landtag eingebrachte Gesetzentwurf soll voraussichtlich zum 1. August 2021 in Kraft treten. Die Proteste vor dem Landtag sollen täglich fortgesetzt werden.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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