Antrag für Dorfentwicklungsprogramm
Flecken Freiburg braucht Hilfe zum Durchstarten
- Hoffnungsvolle Übergabe des Förderantrags vor dem Kornspeicher in Freiburg
- Foto: Jörg Petersen
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
In Freiburg/Elbe schien die Sonne, als sich Vertreter der Gemeindeverwaltung, des Rates und der Dorfmoderatoren Mitte März am Hafen trafen, um zwei besondere Gäste zu begrüßen: Karin Beckmann, Landesbeauftragte und Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) Lüneburg, sowie Lienhard Varoga als Chef der ArL-Geschäftsstelle in Bremerhaven.
Nach einer einstündigen Besichtigungstour durch den historischen Flecken überreichten die Freiburger der Landesbeauftragten ihren Antrag zur Aufnahme ins Dorfentwicklungsprogramm vorm historischen Kornspeicher. Im Antrag finden sich einige Wünsche zur zukünftigen Gestaltung ihres Ortes wieder. Denn auch wenn sich der Flecken im besten Licht präsentierte, täuschte der Sonnenschein nicht über die großen Herausforderungen hinweg, mit denen Freiburg zu kämpfen hat:
Ein wenig attraktives Ortsbild, sinkende Einwohnerzahlen bei einer starken Überalterung, schließende Geschäfte, renovierungsbedürftige Gebäude, ein fehlender öffentlicher Treffpunkt, wenig Aufenthaltsqualität am Hafen und keine einheitliche Kommunikation sind nur die wichtigsten Punkte.
Hoffnung auf Förderung ist groß
Die Hoffnung der Freiburger ist groß, dass sich durch die Aufnahme ins Dorfentwicklungsprogramm etwas an der Situation ändert. Die Gemeindeverwaltung hat im Rahmen eines Workshops mit Vereinsvertretern, KiTa-Mitarbeiterinnen, Lehrern der Grund- und Oberschule (GOBS) Nordkehdingen und Ratsmitgliedern einige Wünsche und Tipps mitgenommen. Auch die Dorfmoderatorinnen haben mit einer Wunsch-Punsch-Aktion in der Vorweihnachtszeit wichtige Impulse erhalten, womit der Flecken Freiburg in die Zukunft gehen soll.
„Für uns als Gemeinde stehen zwei zentrale Baumaßnahmen im historischen Zentrum an erster Stelle: Der unter Ensembleschutz stehende Hafen mit seinen Liegeplätzen für Segel- und Motorboote muss dringend saniert werden", erläutert Bauamtsleiter und Gemeindedirektor Ernst Hülsen. "Wir haben hier eigentlich einen der schönsten Häfen an der Unterelbe, mit der Holzbootwerft als Anlieger, den Börtebooten, dem Pfahlewer Oderick von Oederquart, den Segelbooten der Seglervereinigung Freiburg und vielen Gastliegern im Jahr." Durch verschiedene Baumaßnahmen soll der Hafen besser erlebbar werden, zum Beispiel mit Sitztreppen am Ufer und besonderen Sitzplätzen mit Tischen für Gäste wie die Radfahrer des Elberadwegs und Einheimische.
Kauf des ehemaligen Amtsrichterhauses
Samtgemeinde-Bürgermeisterin Erike Hatecke ergänzt: „Ein weiteres Projekt soll der Kauf des ehemaligen Amtsrichterhauses sein." Darin sind zurzeit die Bücherei, das Institut für angewandte Biologie (IfaB) und das NLWKN untergebracht. Hier soll es weitere Räume für die Bücherei geben, sodass Platz für Schulklassen, Kindergartengruppen und öffentliche Lesungen ist. "Wir denken auch über einen gemeinsamen Mittagstisch gegen Einsamkeit nach", so Hatecke. "Im Obergeschoss könnten zudem Mietwohnungen entstehen.“
Weitere Ideen und Wünsche: mehr günstiger Wohnraum für Senioren in Nachbarschaft zur Arztpraxis und zum Supermarkt, die Aufwertung des historischen Zentrums durch Sanierungen von Privathäusern, eine einheitliche Beschilderung, mehr Dialog-Formate, mehr Sauberkeit und mehr Wildblumenwiesen.
Dass auch ohne viel Geld etwas für das äußere Erscheinungsbild gemacht werden kann, wenn alle mitmachen, zeigen die Vereine und die Dorfmoderatorinnen. Sie haben gerade zum Müllsammeltag am Samstag, 11. April, eingeladen. Die Dorfmoderatorinnen bieten neue Formate an und sorgen inzwischen für lockere Treffen, zu denen jeder kommen kann. So gab es bereits zwei Plattdeutsch-Abende und einen Infoabend zur Einheitsgemeinde. Für sie steht die Geselligkeit in Verbindung mit Aktionen ganz weit oben.
Ministerin lobt das Engagement
Landesbeauftragte Karin Beckmann war das erste Mal in der Region und hob, mit Blick auf den Elbdeich, die Nähe zur Elbe und den maritimen Charakter hervor. Ihr Eindruck von den Freiburgern war, dass sie anpacken und bei Herausforderungen schnell und unbürokratisch gemeinsam Lösungen finden. Das große Engagement aller Beteiligten in Freiburg freute sie: „Ich komme gerne wieder! Am besten mit einer guten Nachricht in den Händen.“
Mit einer Entscheidung, ob Freiburg ins Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen wird, ist im Spätsommer zu rechnen. Bei einer Zusage muss im Herbst ein Planungsbüro gefunden werden, das die Erstellung des Dorfentwicklungsplans betreut. Dann liegt ein etwa einjähriger Prozess vor den Freiburgern, an dem sie tatkräftig mitwirken können.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.