Fest in Mittelsdorf platzt wegen Bürokratie

Will nicht privat haften: Organisator Christian Holst
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Lärmschutz und hohes Haftungsrisiko: Organisator Christian Holst wirft das Handtuch

tp. Mittelsdorf. Auf der einen Seite mehr als 1.000 Menschen, die feiern wollen, wie in den vergangenen Jahren auch - auf der anderen Seite ein paar strenge Beamte aus der Kommunalverwaltung, die Paragraphen offenbar höher würdigen als das Engagement und Verantwortungsbewusstsein eines ehrenamtlichen Veranstalters: Volksmusik, Tombola, Kinderbelustigung und Disco - mit diesem attraktiven Programm-Mix für Publikum jeden Alters war das Dorf- und Feuerwehrfest seit mehr als zwei Jahrzehnten Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Geest-Ortes Mittelsdorf. Doch nun das Aus.

Der freiwillige Organisator, Ortsbrandmeister Christian Holst (33), sagte das für Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, geplante Event ab. Er nennt verschärfte Lärmschutzauflagen des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten als Grund für den Schritt.

Zur Zelt-Disco des „Musikladen Heinbockel“, bei der in diesem Jahr die schwedische Pop-Band „Rednex“ live auftreten sollte, kamen in vergangenen Jahren bis zu 1.000 Gäste, zum Dorffest am Sonntag wurden regelmäßig rund 200 Besucher gezählt. Laut Holst, der das mit Security, Absperrung und Einhaltung des Jugendschutzgesetzes etc. „stets ordnungsgemäß durchgeführte Fest“ am Rand des Gewerbegebietes seit neun Jahren organisiert, habe es bislang nie nennenswerte Ausschreitungen oder Beschwerden gegeben.

Daher überraschten ihn die plötzlich hohen Forderungen der Samtgemeinde und „überbordende Bürokratie“, wegen der er die Sache hinschmiss. Anders als in den Vorjahren, bei denen er das Fest bei der Kommune lediglich mündlich angemeldet habe, machte ihm das Ordnungsamt in der schriftlichen Genehmigung vergangene Woche nun erstmals strikte Vorschriften hinsichtlich des Schallpegels. Während laut Holst die Musikanlage bisher einfach um 4.30 Uhr abgestellt werden muss, gilt nun ein Lärmpegel-Limit von 70 Dezibel (lautes Gespräch oder vorbeifahrendes Auto) tagsüber bis um Mitternacht, danach liegt die Grenze bei 55 Dezibel (normales Gespräch oder leises Radio), bevor nachts um 2 Uhr dann absolute Nachtruhe herrscht und die Musik nicht mehr wahrnehmbar sein darf. Bei Verstößen gegen die Auflagen droht das Ordnungsamt mit Bußgeld bis zu 5.000 Euro.

„Zu viel Aufwand und ein zu hohes finanzielles Risiko“, resümiert Holst, der von Beruf landwirtschaftlicher Mitarbeiter ist und dessen Ehefrau in Kürze das dritte Kind erwartet.

Christian Holsts Feuerwehrkamerad Klaus Ewald (69) ist stinksauer auf das Amt: „Die Feuerwehrkameraden versuchen ehrenamtlich ein traditionelles Fest auf die Beine zu stellen und Paragraphenreiter machen es zunichte.“

Der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Martin Wist zeigt Verständnis für die verärgerten Feuerwehrleute. Er führt das von zahlreichen Anwohnerbeschwerden begleiteten Shining-Festival (das WOCHENBLATT berichtete) als Hintergrund für die neue, auf geltendem Gesetz beruhende Regelung an. Wegen des Traditions-Charakters habe das Amt für die Feuerwehrveranstaltung zwar leichte zeitliche Lockerungen gegenüber dem wegen durchdringender Tiefenbässe berüchtigten Shining-Festivals gewährt, müsse aber beide Veranstalter gleich
behandeln.

Das „Rednex“-Konzert sollte erst um 1.30 Uhr beginnen. Das läuft den Auflagen zuwider. Deshalb tritt die Gruppe nun im „Musikladen“ in Heinbockel auf. Das Dorffest in Mittelsdorf soll im künftig im kleineren Rahmen stattfinden.

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