Keine Chance auf leisen Abbau

An der K80: die Initiativen-Sprecher Dieter Loerweld (v. li.), Rolf Supper und aufgebrachte Anwohner
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Rückschlag bei Verhandlungen: Sandtransport durch Hammah und Groß Sterneberg

tp. Hammah. Miese Stimmung bei der Bürgerinitiative (BI) gegen den mit lautem Schwerlastverkehr verbundenen industriellen Sandabbau des Unternehmens Aluminium Oxid Stade (AOS) in Hammah: Bei den zähen Verhandlungen um eine für die Anwohner möglichst schonende Verkehrsführung zeichnet sich die ungünstigste Lösung ab: Lastwagen und Trecker sollen 15 Jahre lang insgesamt 1,5 Million Kubikmeter Sand über die von Wohnhäusern gesäumten Kreisstraßen K3 und K80 in Hammah und dem Ortsteil Groß Sterneberg rollen. Selbst der AOS-Geschäftsführer Volker Richter sagt: "Es ist nicht so gekommen wie wir es wollten. Unser Ziel war eine Entlastung der Bürger.“

Wie berichtet, entnimmt die AOS bereits seit vielen Jahren Sand aus der Tagebau-Grube in Hammah. AOS braucht weiteres Material zur Erhöhung des Deiches um ihre Rotschlamm-Deponie in Stadermoor bei Bützfleth. Im vergangenen Jahr hat die AOS die bestehende Grube zu diesem Zweck von 23,5 auf 34 Hektar erweitert. Der Antrag auf Abbau wurde inzwischen beim Landkreis gestellt.
Um die Wegführung zwischen Sandgrube und AOS-Deponie gab es diverse Verhandlungen unter Beteiligung der betroffenen Bürger und der Gemeinde. Alle Bemühungen, die Trasse durch das Moor zu legen, scheiterten. Zuletzt weigerte sich Landwirt Klaus-Heinrich Witt (73), seine Flurstücke für den Wegebau herzugeben. Witt fühlte sich von Bürgermeister Rainer Jürgens, der sich persönlich um den Flächendeal bemühte, belästigt und unter Druck gesetzt: „Den habe ich schließlich vom Hof gejagt.“ Witt und weitere BI-Mitglieder kritisieren, dass eine von Nachbarn ins Spiel gebrachte alternative Trasse südlich der K80 entlang des Hammaher Sees von den Verantwortlichen nicht gründlich geprüft worden sei.

Jetzt, wo die Verkehrsführung auf die von allen Seiten unerwünschte Variante K80/K3 zurückgefallen ist, schlägt eine Gruppe von K80-Anwohnern in Groß Sterneberg Alarm: Die Gegner, die sich der BI angeschlossen haben, befürchten bereits ab Sommer extreme Ruhestörung. Nach Schätzungen der BI sollen es täglich 125 Transporte „vor unserer Haustür" sein.

In einem Schreiben an Bürgermeister Jürgens und den Rat bitten die Gegner die Politiker, im bevorstehenden Planfeststellungsverfahren um einen "anwohnerverträglichen Sandabbau". Sie fordern unter anderem die Einschränkung der Tagebau-Betriebszeiten auf montags bis freitags, 7 bis 17 Uhr, die Kompensation möglicher Schäden an Häusern wie Risse und ein Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung der Sandgrube nach dem Abbauphase.

Als wichtigsten Punkt führt die BI die Prüfung einer alternativen Abbaumethode mit einem geräuscharmen, elektrisch betriebenen Saugbaggers. Bei dem besonderen Spülverfahren könne auf Lastwagen und Traktoren verzichtet werden, da der Sand per Rohrleitung zur AOS transportiert würde. Die Aktivisten verleihen ihren Forderungen mit mehr als 500 im Ort gesammelten Unterschriften Nachdruck. Die BI stellt sich laut deren Sprechern Rolf Supper und Dieter Loerwald „auf einen Gerichtsprozess ein“.

AOS-Chef Richter lehnt das leise Spülverfahren aus Kostengründen ab. Unter anderem wäre dafür der teure Landerwerb für Spülfelder nötig. Richter zeigt sich weiter „offen für Gespräche und wirtschaftlich vernünftige Vorschläge“.
­Von der momentan "schlechtensten Lösung" will auch Bürgermeister Rainer Jürgens weg: Er hofft "auf einen Sinneswandel" bei Landwirt Witt, um mit ihm auf eine sachliche Gesprächsebene zurückzukehren. Nach Jürgens' Angaben scheiterte die schonende Wegeführung durchs Moor nämlich an Witts Preisvorstellungen.

An der K80: die Initiativen-Sprecher Dieter Loerweld (v. li.), Rolf Supper und aufgebrachte Anwohner
Tonnenweise Sand werden für die Erhöhung des Deiches der AOS-Rotschlammdeponie benötigt
Krisensitzung in Groß Sterneberg: Rolf Supper (re.) zeigt den BI-Mitgliedern die von der AOS vorgesehene Wegführung von der Sand-Abbaufläche zur Deponie auf einer LAndkarte
Redakteur:

Thorsten Penz aus Stade

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