Katastrophenschutz
DLRG-Helfer aus der Nordheide erleben im Flutgebiet nie gekannte Zerstörungskraft

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(ts). 55 ehrenamtliche Katastrophenschützer des Landeseinsatzzugs Nord der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Niedersachsen waren in Nordrhein-Westfalen, um im Hochwasser-Krisengebiet Hilfe zu leisten. Elf von ihnen kamen aus dem Landkreis Harburg. Sie erlebten erschreckende Eindrücke. DLRG-Gruppenführer Werner Weber (51) aus der Gemeinde Rosengarten berichtet im Gespräch mit WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc.

Bei keinem seiner Katastrophenschutzeinsätze zuvor sei es von der Alarmierung bis zur Abreise schneller gegangen, sagt Werner Weber. Der Sicherheitsingenieur fragt am Donnerstag, 15. Juli, seinen Arbeitsgeber um Erlaubnis. Aus dem Urlaub in Schweden gibt sein Chef das Okay. "Bring' deine Leute heil nach Hause", gibt er Werner Weber noch auf den Weg. Der DLRG-Retter packt seien Sachen - Verpflegung für zwölf Stunden gehört ins Gepäck: Mineralwasser, Brot, Mettwurst, Müsliriegel. Der OBI-Markt Buchholz stattet die Retter gratis mit zusätzlichen Ausrüstungsgegenständen aus wie Stromaggregat, Tauchpumpen, Schaufeln und Besen.

Am Donnerstagabend gegen 20 Uhr starten die Helfer aus dem Landkreis Harburg mit dem Bus von der Sammelstelle an der Autobahn A1 bei Sittensen. Das Ziel: das Hochwassergebiet im Rhein-Sieg-Kreis im Südwesten von Nordrhein-Westfalen. Ankunft gegen vier Uhr morgens. Die gespenstische Finsternis fällt auf. "Wir sind durch Dörfer gefahren, die stockdunkel waren. Keine Straßenlaterne, keine Lampe an Häusern brannte. Der Strom war komplett abgestellt", erzählt Werner Weber. Drei Stunden Schlaf bleiben am Ende in der Unterkunft der Bundespolizei in Heimerzheim. Nicht schlimm, es sei ja bereits taghell gewesen. "Und man will ja auch loslegen."

Die Wasserretter aus Niedersachsen waren zur weiteren Unterstützung in das Krisengebiet gerufen worden. Wäre der Staudamm der Steinbachtalsperre gebrochen und eine Wasserwand über das Land gegangen, hätten die DLRG-Helfer Häuser evakuiert.

Der aus dem Fernsehen und Zeitungen bekannt gewordene Staudamm hält am Ende stand. Stattdessen hilft die DLRG aus Niedersachsen den Menschen in der Stadt Rheinbach und in den umliegenden Dörfern. Die Helfer pumpen Keller aus. "Wir waren nicht in den am schwersten betroffenen Orten. Aber auch in diesem Gebiet hatte die Flut gnadenlos zugeschlagen", sagt Werner Weber.

Überall von Wasser zerstörte Möbel und anderes Inventar. An zentralen Plätzen stapeln Bewohner und DLRG-Helfer die Gegenstände, am Ende auf bis zu vier Meter hohen Haufen. "Die Leute haben teilweise ihre Lebenserinnerungen auf den Müll geworfen. Schallplatten, Dia-Sammlungen, Bilder, die Kinder gemalt haben", sagt Werner Weber.

2.000 Quadratmeter Parkettboden erzählen eine Geschichte, die den Nenndorfer berührt. Vier Wochen zuvor hatte der Besitzer ein Fitnessstudio eröffnet. Endlich, nach der langen Corona-Zwangspause ohne Einnahmen. Jetzt liegt die Einrichtung auf dem Sperrmüll. "Das geht einem nahe", sagt Werner Weber.

Beeindruckt beobachtet er, wie Nachbarn sich helfen. Ein Bauer fährt mit dem Traktor im Zehn-Minuten-Takt Sperrmüll ab. "Schön zu sehen, wie Gemeinschaft funktioniert." Die von der Flut betroffenen Menschen zeigen den Helfern ihre Dankbarkeit. Sie kochen heißen Kaffee, jemand bringt einen Topf Spaghetti Bolognese. Wenn Autofahrer die DLRG-Helfer in ihrer typisch roten Kleidung erkennen, recken sie zur Anerkennung den Daumen hoch. Vier Tage lang dauert der Einsatz. Um 9 Uhr beginnt die Arbeit, gegen 22 Uhr kehren die Helfer in die Kaserne zurück.

Die bisher nie erlebte Zerstörungskraft des Wassers gibt Werner Weber zu denken. Ein schmaler Fluss, vergleichbar mit der Seeve im Landkreis Harburg, hat eine Kraft entwickelt, die Autos mehr als einen Kilometer weit auf ein Feld getrieben hat. Der Katastrophenschützer appelliert an die Menschen im Landkreis Harburg, Warnungen vor Starkregen ernst zu nehmen - ernster als bisher. "Ich werde mich in den nächsten zwei bis drei Wochen damit beschäftigen, wie ich in Zukunft reagiere", sagt Werner Weber. "Mit welchen Maßnahmen wir zum Beispiel unser Eigenheim und andere Gebäude in der Nachbarschaft vor Starkregen schützen können."

Spendenaktionen für die Opfer der Flutkatastrophe
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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