Wildtier-Management als Thema
Forst-Experte Ulrich Maushake referierte vor Kreis-Jägerschaft in Hittfeld
- Horst Günter Jagau, Vorsitzender der Jägerschaft Landkreis Harburg (JLH, v. li.), Referent Ulrich Maushake, Kreisjägermeister Norbert Leben, Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes, und Matthias Carstens vom JLH-Vorstand
- Foto: Carsten Weede
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Spannende Einblicke in erfolgreiches Wildtier-Management auf Deutschlands größtem Truppenübungsplatz gab Forstdirektor a.D. Ulrich Maushake, als er jetzt auf der traditionellen Herbstversammlung der Jägerschaft Landkreis Harburg referierte. Insgesamt rund 300 Waidmänner und -frauen waren in die Hittfelder "Burg Seevetal" gekommen.
Ulrich Maushake zeigte Fotos und Kurzvideos, die auf dem Truppenübungsgelände im bayrischen Grafenwöhr aufgenommen worden waren - etwa von Rothirschen, die sich beim Äsen weder vom Raketenabfeuern eines Kampfhubschraubers noch von einem Rudel Wölfe stören ließen. Die Aufnahmen zeigten eindrucksvoll, wie sich das Wild an die intensive militärische Nutzung und an das Leben mit den großen Beutegreifern angepasst hat. Bis zur Pensionierung vor zwei Jahren war Maushake leitender Forstdirektor auf dem Truppenübungsplatz. Das von der US-Armee verwaltete Areal erstreckt sich über eine Ost-West-Ausdehnung von rund 25 Kilometern und eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 14 Kilometern. Mit einer Gesamtfläche von 23.400 Hektar ist es eine der größten derartigen Anlagen in Europa. Mehr als die Hälfte (rund 13.000 Hektar) der Fläche ist Wald.
Für Maushake stellen Waldbau und Wild keine unvereinbaren Gegensätze dar. Rotwild lasse sich gewissermaßen lenken. Dafür brauche es genaue Beobachtung, gezielte Bejagung und Fütterung in Notzeiten – vor allem jedoch „Liebe zum Wald und Liebe zum Wild“. Auf dem Übungsplatz halte das Rotwild die Landschaft offen, weil es für die militärische Nutzung notwendig sei. Der Forstexperte sieht großes Potential in der Beweidung mit Rotwild, könne man damit doch "Landschaftspflege betreiben und insbesondere auch den Artenreichtum erhöhen“. Anders als bei Nutztieren funktioniere das auch ohne Zäune und Tierarzt.
Für seinen anschaulichen Vortrag erhielt Ulrich Maushake lang anhaltenden Applaus von der Jägerschaft. Unter den begeisterten Zuhörern war auch Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes und der Landesjägerschaft Niedersachsen. Er hatte die Versammlung über die aktuellen Entwicklungen zum Thema Wolf informiert. So habe Deutschland kürzlich den sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs an die EU-Kommission gemeldet. Das ermögliche den Ländern, künftig ein „regional differenziertes Wolfsmanagement“ umzusetzen, um beispielsweise Wölfe zu erlegen, die Weidetiere reißen. Das sei jedoch noch lange kein „Bestandsmanagement, wie wir es von anderen Wildarten kennen“, betonte Dammann-Tamke. Bei allen Maßnahmen werde es weiterhin maßgeblich sein, dass der günstige Erhaltungszustand des Wolfes erhalten bleibt.
Dammann-Tamke und Kreisjägermeister Norbert Leben bedankten sich bei den rund 20.000 Jägerinnen und Jägern, die im Januar vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover demonstriert hatten (das WOCHENBLATT berichtete). Die Demo habe Eindruck auf die Politik gemacht und wirke bis heute nach. Leben informierte die Zuhörer über getroffene Vorsorgemaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) und berichtete, dass der Landkreis Harburg weiterhin Geld für die Anschaffung von Fallen und Fallenmeldern für die Nutria-Jagd zur Verfügung stelle. Zwar seien die Mittel um die Hälfte auf derzeit 10.000 Euro pro Jahr gekürzt worden. Wichtig sei jedoch, „dass die Nutria im Jagdrecht bleibt und wir uns weiterhin um sie kümmern können“.
Jägerschafts-Vorsitzender Horst Günter Jagau bedankte sich mit einem Präsentkorb bei Ulrich Maushake und ließ die Anwesenden ein dreifaches "Horrido" als nachträglichen Geburtstagsgruß für Helmut Dammann-Tamke ausrufen, der kurz zuvor 64 Jahre alt geworden war.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.