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Homefarming im Trend
Unternehmerin Judith Rakers im Interview

Judith Rakers präsentiert das vielfältige Angebot an Saatgut  | Foto: Jukers Media and More GmbH
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  • Judith Rakers präsentiert das vielfältige Angebot an Saatgut
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Judith Rakers ist deutschlandweit bekannt. Die Journalistin und Fernsehmoderatorin war bis 2024, neben vielen weiteren Formaten und Moderationen, 19 Jahre Sprecherin der Tagesschau, davon 16 Jahre Moderatorin der Hauptausgabe um 20 Uhr. Neben dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Unterhaltung“ für die Moderation des Eurovision Song Contests 2011 und dem Regenbogen Award 2012 als „Medienfrau des Jahres“ erhielt sie im vergangenen Jahr den "Goldenen Blogger“ in der Kategorie „Celebrity“ für ihr Online-Magazin "Homefarming". Mit genau diesem Thema scheint Rakers den Zeitgeist zu treffen.

Zusätzlich zu ihrer nach wie vor andauernden Tätigkeit in der Medienlandschaft veröffentlichte die gebürtige Paderbornerin 2021 ihr erstes Buch mit dem Titel Homefarming. Selbstversorgung ohne grünen Daumen, welches zum Spiegel-Bestseller Nr. 1 und Jahresbestseller wurde. 2022 gründete Rakers das zugehörige Online-Magazin www.homefarming.de.

In dem Magazin können Neulinge wie „alte Hasen“ sich Tipps und Tricks zur Selbstversorgung mit Gemüse holen. Neben regelmäßigen Artikeln, Videos und ihrem vierzehntägig erscheinenden Podcast bietet Rakers auch eine eigens entwickelte Produktlinie an, bei der Gemüsefreunde alles bekommen, was sie zur Aufzucht von eigenem Gemüse benötigen. Mit diesen Produkten wagte Rakers auch den Schritt in den stationären Handel.

Das Emmelndorfer Gartenfachzentrum Matthies führte nun als erstes Gartencenter in Norddeutschland die Produktlinie von Rakers ein. Aufgrund dieser besonderen Kooperation machte sich Rakers auf den Weg nach Seevetal und las bei Matthies vor 150 Personen aus ihrem ersten Buch. Das WOCHENBLATT nutzte diese Chance und interviewte die 49-Jährige zu ihrem Erfolg.

Die nachhaltige Produktlinie von Judith Rakers - zu finden beim#+Gartencenter Matthies in Emmelndorf | Foto: Jukers Media and More GmbH
  • Die nachhaltige Produktlinie von Judith Rakers - zu finden beim#+Gartencenter Matthies in Emmelndorf
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WOCHENBLATT: Inwieweit hat sich Ihr "neues" berufliches Leben entschleunigt?

Judith Rakers: Ich bin tatsächlich entschleunigter, seitdem ich im Garten arbeite und mehr Kontakt zur Natur habe. Ich bin ein sehr sinnlicher Mensch und reagiere stark auf Geräusche, Farben und Gerüche. Und die Arbeit im Garten ist natürlich ein besonders sinnliches Erlebnis im Gegensatz zum digitalen Büro- und Redaktions-Alltag. Ich glaube, es erdet sehr, wenn man mit den Händen arbeitet, und es tut der Seele gut, wenn man sieht, was man getan hat - also wenn die Arbeit mit den Händen zu etwas führt, was hinterher auch anfassbar und erlebbar ist. Ich mache genau das, wofür ich brenne, und das führt zu dem Gefühl, ganz bei mir zu sein, meine Mitte gefunden zu haben.

WOCHENBLATT: Wann haben Sie diese Leidenschaft für sich entdeckt?

Rakers: So genau kann ich das gar nicht sagen. Es gab keine konkrete Initialzündung, aber einige Begebenheiten, die insgesamt dazu geführt haben. Ich bin jetzt 49, etwa mit Ende 30 merkte ich, dass ich nicht mehr in der Stadt leben wollte - der Lärm, das Gewusel und der Stress störten mich. Ich war immer naturverbunden und verbrachte meine Urlaube in der Natur. Und ich fragte mich zunehmend, warum ich mir das nur im Urlaub oder am Wochenende gönne. Irgendwann saß ich am Lagerfeuer, schaute in den Sternenhimmel und dachte: „Das macht mich glücklich.“ Auch mein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ernährung wuchs. All das führte zu dem Wunsch, mehr Natur in meinen Alltag zu holen. Ich war viele Jahre glücklich in der Stadt, aber es war ein anderer Lebensabschnitt. Ich denke, man sollte sich manchmal fragen, ob die Konsequenzen einer Entscheidung, die man mit Mitte 20 getroffen hat, 25 Jahre später noch die sind, die einen wirklich glücklich machen. Mir wurde klar, dass ich etwas verändern muss, um glücklich zu bleiben. Aus meiner großen Leidenschaft für den Gemüseanbau entstand dann die Idee, eine nachhaltige Gartenmarke aufzubauen, deren Produkte möglichst regional produziert werden - in Deutschland und Europa. Plastikfrei und in bester Qualität. Das war viel Arbeit. Aber ich ließ mich nicht entmutigen und blieb dran - und jetzt funktioniert es. Unsere Produkte gibt es in meinem eigenen Online-Shop, bei Thalia und jetzt auch bei Matthies.

Carsten Matthies, Inhaber des Gartenfachzentrums Matthies, mit der Unternehmerin Judith Rakers vor ihrer Lesung | Foto: Jukers Media and More GmbH
  • Carsten Matthies, Inhaber des Gartenfachzentrums Matthies, mit der Unternehmerin Judith Rakers vor ihrer Lesung
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WOCHENBLATT: Es gibt ja einige Gartencenter in der Umgebung, warum ausgerechnet Matthies?

Rakers: Weil es das beeindruckendste Gartencenter im Norden ist. Als ich das erste Mal hier war, war ich platt – das Angebot ist riesig! Und ich dachte: "Wow, wenn wir hier dabei sein könnten, das wäre natürlich toll." Gerade am Anfang braucht man starke Partner. Partner, die den Mut haben, ein Statement in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen. Das ist nicht selbstverständlich. Denn obwohl es in der grüne Branche um Natur geht, kommt der Großteil des Sortiments vom Fließband aus Fernost. Vieles ist aus Plastik und hält nicht lange - ist dafür aber preisgünstig. Wir gehen mit „Homefarming Judith Rakers“ einen anderen Weg: Wir bieten sehr hochwertige Produkte an, die plastikfrei und langlebig sind und die fair und regional produziert werden. Unser samenfestes Saatgut zum Beispiel ist nicht nur Bio-zertifiziert, es wurde auch in Deutschland und Europa angebaut. Wir haben viele seltene Sorten im Programm, weil das die Bio-Diversität unterstützt. Unser Werkzeug ist handgeschmiedet, Gießkannen und Garteneimer handgefertigt. Und bei uns hört die Beziehung zum Kunden nicht an der Ladenkasse auf, sondern geht da erst richtig los. Über QR-Codes auf unseren Produkten gelangen die Kunden zu meinem Online-Magazin und dort gibt es über Texte, den Podcast und Video-Tutorials intensive Hilfestellung bei der Aussaat, Pflege, Ernte und sogar Zubereitung des Gemüses.

WOCHENBLATT: Für Neulinge - wann ist die optimale Zeit, mit dem Heimanbau zu starten?

Rakers: Ab Mitte Mai ist es perfekt. Nach den Eisheiligen kann man nichts mehr falsch machen. Auch das kälteempfindliche Gemüse kann dann in den Boden. Ganz viele machen im April den Fehler, schon kälteempfindliches Gemüse auszusäen, sobald es tagsüber warm ist und die Sonne rauskommt. Aber bis zu den Eisheiligen kann es noch Nachtfrost geben - und dann war's das mit der Paprika.

WOCHENBLATT: Wie schaut es mit den Klassikern aus, zum Beispiel mit Tomaten?

Rakers: Tomaten sind ein Gemüse für Fortgeschrittene und Leidensfähige (lacht). Pflegeintensiv, aber sehr lecker! Anfang bis Mitte März sollte man sie aus Samen auf der Fensterbank im Warmen vorziehen. Wichtig ist, dass sie erst Mitte Mai nach draußen kommen – am besten unter den Dachüberstand oder ins Gewächshaus.

WOCHENBLATT: Was bedeutet Selbstversorger? Können Sie sich im Sommer und Winter komplett selbst versorgen?

Rakers: Die Frage ist, was versteht man unter Selbstversorgung? Ich wasche meine Wäsche zum Beispiel nicht mit Efeublättern (lacht). Ich kaufe Waschmittel im Supermarkt. Aber ich könnte mich das ganze Jahr aus dem Garten ernähren. Bei mir wachsen über 80 Obst- und Gemüsesorten. Aber wenn ich im Dezember Lust auf eine Tomate habe, dann kaufe ich sie mir. Dann weiß ich aber auch, dass sie Transportkilometer auf dem Buckel hat. Wenn ich die Tomate aber zwischen Juli und November in meinem Garten pflücke, dann schmeckt sie viel besser.

Wer selber Gemüse anbaut, hat auch plötzlich Sorten auf dem Speiseplan, die dort ansonsten nie gestanden hätten. Zum Beispiel Petersilienwurzel oder Pastinaken. An denen bin ich im Supermarkt früher immer vorbeigegangen und habe gedacht: „Was für hässliche pigmentlose Möhren!“. Auf einmal hatte ich diese Sorten aber im Garten und musste dann eben auch lernen, sie zu verarbeiten. Mein Speiseplan ist durch den Gemüseanbau um einiges vielfältiger geworden. Dennoch, wenn ich mal Lust auf eine Orange habe, dann kaufe ich sie mir eben. Ich agiere da nie mit dem moralischen Zeigefinger. Nicht mir selbst gegenüber und schon gar nicht anderen gegenüber. Ich möchte einfach nur dafür begeistern, es auszuprobieren mit dem Gemüseanbau.

WOCHENBLATT: Letzte Frage: Sie haben ja auch Hühner - welche Hühnerrasse ist die Beste?

Rakers: Das kann ich nicht beantworten. Ich liebe sie alle! Angefangen habe ich damals mit Dresdnern. Eine tolle Rasse für Norddeutschland, weil Dresdner Hühner sehr robust sind und auch im Winter Eier legen. Mittlerweile herrscht ein buntes Treiben in meinem Hühnerstall und ich habe auch viele Mischlinge. Zu Ostern muss ich deshalb auch nicht mehr färben. Heute Morgen zum Beispiel bin ich in den Hühnerstall gegangen und habe ein grünes Ei von meiner Lieblingshenne Tweety, ein hellblaues von Fletschi, ein dunkelbraunes von einer Maranshenne und ein gepunktetes von Trouble aus dem Nest geholt. Ich weiß genau, welches Ei von welchem Huhn stammt. Hühner machen aber nicht nur satt – sie machen glücklich! Und damit sind wir wieder am Anfang des Gesprächs. Bei der Entschleunigung.

WOCHENBLATT: Vielen Dank

Judith Rakers präsentiert das vielfältige Angebot an Saatgut  | Foto: Jukers Media and More GmbH
Mit dem Saatgut beginnt die Reise mit homefarming.de | Foto: Jukers Media and More GmbH
Judith Rakers während ihrer Lesung in Emmelndorf | Foto: Jukers Media and More GmbH
Die nachhaltige Produktlinie von Judith Rakers - zu finden beim#+Gartencenter Matthies in Emmelndorf | Foto: Jukers Media and More GmbH
Carsten Matthies, Inhaber des Gartenfachzentrums Matthies, mit der Unternehmerin Judith Rakers vor ihrer Lesung | Foto: Jukers Media and More GmbH
Redakteur:

Sven Rathert aus Seevetal

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