"DB in die Pflicht nehmen"

Der Rangierbahnhof in Maschen ist der größte seiner Art in Europa, für die Decatur-Brücke darüber ist dennoch einzig die Gemeinde Seevetal zuständig
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  • hochgeladen von Katja Bendig

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Nach WOCHENBLATT-Aufruf: Bürger reagieren auf den Beschluss zum ersatzlosen Abriss der Decatur-Brücke

kb. Seevetal. Der Seevetaler Gemeinderat hat kürzlich einstimmig den ersatzlosen Abriss der Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen beschlossen. Keine der im Abwägungsverfahren diskutierten Alternativlösungen erschien der Politik - vor allem wegen der immensen Kosten - machbar. Wie es jetzt tatsächlich weitergeht, ist dennoch offen. Mit der Deutschen Bahn, die auf das Recht, die Brücke zu nutzen oder eine Alternative zu bekommen, pocht, befindet sich die Gemeinde noch immer im Rechtsstreit. Und die DB hat, wie berichtet, bereits eine neue Klage angedroht.
Das WOCHENBLATT wollte wissen, wie die Bürger zum Ratsbeschluss stehen. Hier eine Auswahl der Zuschriften (zum Teil gekürzt).

Bärbel Dittmann aus Hörsten:
„Der Ratsbeschluss zum Abriss der Brücke ohne Ersatz ist zu früh erfolgt, damit will die Gemeinde nur Druck aufbauen der Bahn gegenüber. Das ist aber bereits geschehen mit der Sperrung. Für uns Anwohner unbegreiflich: Die schweren Lastwagen benutzen die Brücke, Fußgänger und Radfahrer sowie Pkw aber haben ein Verbot. Der Wegfall der Brücke zur Autobahn in Maschen hat für uns die Konsequenz, dass wir einen Umweg über Meckelfeld, Glüsingen und Fleestedt auf die A7 in Kauf nehmen müssen. Dass die Gemeinde die Kosten für den Neubau nicht allein stemmen kann, ist verständlich. Warum setzen sich nicht endlich alle Verantwortlichen von Land, Bund, Bahn, Gemeinde und Parteien an einen Tisch und verhandeln über die Kostenverteilung? Es geht hier schließlich um den größten Rangierbahnhof Europas - die Bahn muss in die Pflicht genommen werden.“

Kai Oder aus Maschen:
„Die Gemeindeverwaltung wirkt bei der Instandhaltung ihrer In-
frastruktur – insbesondere bei diversen Brücken – überfordert. Bezüglich der Decatur-Brücke ist das Kind aber schon viel früher in den Brunnen gefallen. Nie hätte eine  Bürgerinitiative Anfang der 1970er-Jahre durchsetzen dürfen, dass der Maschener S-Bahnhof auf die Nord-Ost-Seite des Rangierbahnhofes gelegt wird. Meiner Meinung ist jetzt Folgendes zu tun: Decatur-Brücke abreißen, Behelfs-Zuwegung zum DB-Betriebshof schaffen, S-Bahnhof auf die Süd-West-Seite verlegen, für die Hörstener Bürger den Fußweg im Seevetunnel sichern.“

Rüdiger Störtebecker aus Winsen: „Ich kann nicht verstehen, dass die Bundesbahn die Brücke trotz der Einsturzgefahr noch nutzen darf, aber Fußgänger und Fahrradfahrer das nicht dürfen. Wenn der Bundesbahn die Nutzung auch verboten werden würde, wären die ganz schnell an einer schnellen Lösung interessiert. Wetten?“
Dieter Kleist aus Maschen: „Die Brücke wird benötigt - für die Hörstener Bürger und um zum Bahnhof Maschen zu gelangen. Die Lösung über Meckelfeld ist nicht das Richtige. Hätte die Gemeinde damals das Geld für die Schenkung der Brücke gewinnbringend angelegt, könnte man heute zwei Brücken bauen.“

Carsten Goerecke aus Maschen: „Da wird seitens der Gemeinde diskutiert, der Bürger mehr oder weniger beteiligt, ein externes Beratungsunternehmen beauftragt und bezahlt, um dem Bürger nach ca. einem Jahr ‚kein Ergebnis und keine Lösung‘ zu präsentieren. Der Gemeinderat hat beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur zu erarbeiten. Auch dieser Beschluss des Gemeinderates erfolgte ohne eine angemessene Frist zu setzen. Für die hier seitens der Bürgermeisterin und des Gemeinderates nach einem Jahr präsentierte derartige Doppel-Null-Lösung ist mein Verständnis doch recht begrenzt.“

Ingo Glaesmer und Wiebke Böse aus Horst:
„Als meine Frau und ich vor drei Jahren nach Seevetal zogen, war die Decatur-Brücke noch geöffnet und die Anbindung an den Bahnhof Maschen optimal für uns, da wir täglich nach Hamburg zur Arbeit pendeln. Inzwischen hat sich alles geändert und viele Fragen sind offen. Wieso wurde nur ein Gutachten zum aktuellen Zustand der Brücke bestellt, aber kein Gutachten zur Instandsetzung/Neubaukosten? Wieso dürfen weiterhin Lkw der Bahn die Brücke benutzen, aber Fahrradfahrer und Fußgänger nicht? Gibt es zum 75 Millionen-Euro Baubudget eine alternative Kostenschätzung? Derzeit schleichen wir auf abenteuerlichen Wegen und über marode Straßen zum Bahnhof in Maschen. Es fällt uns schwer, anzuerkennen, dass solche Zustände in diesem Land im Jahr 2017/2018 ohne Konsequenzen, ohne umsetzbare Lösungen herrschen können und niemand wirklich versucht, daran etwas zu ändern.“

Stefan Weseloh aus Maschen: „Wir Seevetaler, insbesondere die betroffenen Bürger, verfolgen seit Monaten den fast schon verzweifelten Kampf unserer Gemeindeverantwortlichen, eine vernünftige Lösung für uns zu finden. Die Finanzierung des Abrisses und des Baus einer neuen Brücke kann Seevetal nicht alleine stemmen, ohne für alle nachfolgenden Generationen einen Schuldenberg mit unübersehbaren Folgen zu hinterlassen. Dass sich die verantwortlichen Politiker auf Kreis- und Landesebene, egal welcher politischen Richtung, zwar haben blicken lassen, aber offenbar nicht in der Lage oder bereit sind, unserer Gemeinde zu helfen, ist mehr als enttäuschend. Das Verhalten der Deutschen Bahn AG als (ehemaligem) Staatskonzern und größtem Nutznießer der Brücke kann ich überhaupt nicht verstehen. Warum sollen wir Seevetaler Bürger allein für die künftige Funktionsfähigkeit von Europas größtem Rangierbahnhof bezahlen? Das einstimmige Votum des Gemeinderats wird die Verhandlungsposition der Gemeinde stärken. Egal, wie es weitergeht.“

Christiane Fischer aus Emmelndorf: „Hut ab! Die Politiker in Seevetal zeigen Rückgrat und das ist gut so. Es kann nicht sein, dass 40.000 Seevetaler dafür aufkommen sollen, dass der zweitgrößte Rangierbahnhof der Welt und der größte Rangierbahnhof Europas wieder erreichbar ist. Die Brücke wurde nicht für Seevetal gebaut, sondern wegen des Rangierbahnhofs. Es wird Zeit, dass hier endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Der ehemalige Verkehrsminister Dobrinth hat sich mit allem möglichen Tralala beschäftigt, aber die wichtigen Dinge wurden nicht angefasst. Das muss sich dringend ändern. Egal, wer auf Landes- oder Bundesebene Verkehrsminister ist: Übernehmen Sie endlich Verantwortung und delegieren Sie das Problem nicht auf die untererste Ebene!“

Autor:

Katja Bendig aus Seevetal

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