Interview mit SPD-Bürgermeisterkandidat Manfred Eertmoed
Was wundert Sie in Seevetal am meisten?

SPD-Bürgermeisterkandidat Manfred Eertmoed vor dem Feuerwehrgerätehaus in Maschen
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ts. Seevetal. Wie ernst Manfred Eertmoed (SPD, 46) seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Seevetal nimmt, zeigt, dass er zusammen mit seiner Familie den Wohnsitz gewechselt hat und in die Region gezogen ist. Warum er nicht auf dem Gebiet der Gemeinde Seevetal lebt und er in einem Wahlkampf unter Corona-Bedingungen den Nachteil ausgleichen will, in der Bevölkerung noch nicht bekannt zu sein, sagt der SPD-Kandidat im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.
WOCHENBLATT: Sie sind mit Ihrer Familie aus dem Landkreis Aurich nach Scharnebeck gezogen. Warum nicht in die Gemeinde Seevetal?
Manfred Eertmoed: Meine Familie und ich wären liebend gerne in die Gemeinde Seevetal gezogen. Leider konnten wir keinen passenden bezahlbaren Wohnraum finden. Ursprünglich hatte ich geplant, mir vorübergehend ein Zimmer in Seevetal anzumieten. In den Herbstferien haben mir meine Kinder deutlich gemacht, dass sie kein Familienleben auf Entfernung möchten und gemeinsam als Familie nach Seevetal ziehen möchten. Ich war schon sehr überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir haben uns dann für den gemeinsamen Umzug entschieden. Aufgrund der schulischen Situation unserer Töchter war für uns klar, dass die Zeugnisferien Ende Januar der letztmögliche Termin für unseren Umzug sind. Wie Sie sehen, erging es uns wie vielen anderen Familien auch. Wir konnten keinen Wohnraum für unsere sechsköpfige Familie in Seevetal bekommen.
WOCHENBLATT: Auf welche Weise könnte die Gemeinde Seevetal Einfluss auf den Wohnungsmarkt nehmen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Hat eine Gemeinde überhaupt spürbare Einflussmöglichkeiten?
Eertmoed: Ja, da bin ich mir sicher. Ich werde nach einer Wahl dem Rat der Gemeinde Seevetal vorschlagen, dass die Verwaltung sich unabhängig von Dritten selbst um den Ankauf der Flächen kümmert, diese selbst plant und am Ende mit Partnern aus dem öffentlichen Sektor, wie zum Beispiel der Niedersächsischen Landgesellschaft, erschließt. Eine Gemeinde darf keinen Gewinn mit der Erschießung erwirtschaften, sondern muss kostendeckend arbeiten. Im nächsten Schritt werde ich mich dann darum kümmern, dass die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Harburg bezahlbaren Wohnraum schafft. Ergänzend dazu kann ich mir auch vorstellen, dass die Gemeinde eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gründet, um den Menschen bezahlbaren Wohnraum zu bieten.
Durch viele Gespräche in den letzten Wochen und meiner digitalen „Wohnraumkonferenz“ im März ist mir klar geworden, dass es auch Menschen in Seevetal gibt, die eine weitere Erschließung kritisch sehen. Die sich berechtigte Sorgen über die Veränderung der Gesellschaft in den Ortsteilen machen. Deshalb werde ich die Menschen sehr früh an der Entwicklung von Baugebieten beteiligen.
WOCHENBLATT: Von allen fünf Bewerbern und Bewerberinnen um das Bürgermeisteramt in Seevetal sind Sie der Bevölkerung noch am wenigsten bekannt: Wie wollen Sie diesen Nachteil ausgleichen?
Eertmoed: Ich mache bereits seit Weihnachten digitalen Wahlkampf und habe damit schon viele Menschen erreicht. Neben den klassischen Dingen auf den Social-Media-Kanälen habe ich bereits digitale Gesprächsrunden mit den Vertreterinnen und Vertretern der Vereine, der Feuerwehr, den Gewerbevereinen oder den Menschen der Gemeinde, zum Beispiel zum Thema Wohnraum, durchgeführt. Natürlich hätte ich mich lieber persönlich mit den Menschen getroffen. Die Corona-Pandemie ließ aber bislang keine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu. Die Menschen in Seevetal werden noch viele Gelegenheiten haben, mich kennen zu lernen. Ich freue mich darauf!
WOCHENBLATT: Fünf Bewer-ber um das Bürgermeisteramt sind ungewöhnlich viele. Was sagt das über die politische Kultur in Seevetal aus?
Eertmoed: Ich finde das nicht ungewöhnlich, sondern sehr gut. Es geht hier um das vielleicht wichtigste Amt in einer Gemeinde. Ich bringe jahrzehntelange Verwaltungserfahrung, meine jahrelange Erfahrung als Bürgermeister sowie den Blick von außen mit, der mir objektive und unabhängig von persönlichen Beziehungen freie Entscheidungen ermöglicht. Die anderen Kandidierenden bringen ihre jeweiligen Stärken mit. Die Menschen in der Gemeinde Seevetal haben die Möglichkeit zu schauen, was ihnen am wichtigsten ist, und können dann zwischen den Kandidierenden wählen.
WOCHENBLATT: Wie wird Wahlkampf unter Pandemie-Bedingungen aussehen?
Eertmoed: Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Wochen unter Einhaltung der Hygienevorschriften mit den Menschen in Kontakt treten kann. Sicherlich wird ein klassischer Wahlkampf, wie wir ihn alle aus der Vergangenheit kennen, nicht möglich sein, aber ich werde mir etwas einfallen lassen. Ich möchte mit den Menschen sprechen, hinhören und erfahren, was die Menschen in Seevetal bewegt. Ich möchte gemeinsam mit den Menschen Politik machen und versuchen, ihre Lebensbedingungen jeden Tag ein wenig zu verbessern.
WOCHENBLATT: Aus der Perspektive des Hinzugezogenen: Was gefällt Ihnen an Seevetal am meisten?
Eertmoed: Die Offenheit der Menschen! Ich habe mich sofort gut aufgenommen gefühlt und die Menschen sind mir ohne Vorbehalte begegnet. Ich lerne die Gemeinde jeden Tag ein Stück besser kennen und bin oft beeindruckt von den Strukturen der Gemeinde. Total spannend finde ich die ländliche und doch stadtnahe Struktur und das hochwertige Lebensumfeld. Ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Struktur und begeistert von dem ehrenamtlichen Engagement der vielen Menschen in den Vereinen, Feuerwehren und übrigen Organisationen.
WOCHENBLATT: Und worüber wundern Sie sich in Seevetal am meisten?
Eertmoed: Darüber, dass die Decaturbrücke schon so viele Jahre gesperrt ist. Besonders habe ich mich aber darüber gewundert, dass mir die Menschen in der Gemeinde wenig zum Verfahrensstand erzählen konnten. Einige erzählten mir, dass die Brücke abgerissen wird, andere, dass sie saniert wird. Das Kostenvolumen schwankte enorm in den Erzählungen und einen Stand, wie es weitergeht, kannte so richtig niemand.
Ähnlich erging es mir, als ich mich über den geplanten Bau der Raststätte Elbmarsch informieren wollte. Mir konnte niemand wirklich erklären, warum Investorinnen und Investoren relativ freie Hand bei der Baulandentwicklung in Seevetal haben oder warum sie Kindertagesstätten bauen, die die Gemeinde hinterher über Betriebskostenzuschüsse finanziert. Ich wünsche mir Transparenz und einen offenen Dialog mit den Menschen der Gemeinde Seevetal.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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