Auf der "Via Romea" von Rom nach Stade: Hanna Lisa Witt folgte den Spuren des Abtes Albert
2.000 Kilometer gepilgert

Ankunft in Stade: Hanna Lisa Witt mit ihren beiden Halbgeschwistern Vincent (li.) und Ava  Fotos: privat
3Bilder
  • Ankunft in Stade: Hanna Lisa Witt mit ihren beiden Halbgeschwistern Vincent (li.) und Ava Fotos: privat
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Alle Wege führen nach Rom, heißt es. Für Hanna Lisa Witt führte der Weg von Rom - bis nach Stade. Die Sprachdozentin nahm sich eine dreimonatige Auszeit, um auf alten Pilgerpfaden zu wandeln. Sie lief rund 2.000 Kilometer auf der sogenannten "Via Romea", einer mittelalterlichen Pilgerroute - allerdings in umgekehrter Richtung: von der "Ewigen Stadt" bis nach Stade. Am vergangenen Samstag kam sie in der Hansestadt an.

Den Entschluss, sich per pedes auf eine mehrmonatige Pilgerreise zu begeben, fasste die 39-Jährige schon vor Jahren. Damals war sie auf dem Klassiker in Sachen Pilgern, dem Jakobsweg, unterwegs. Nach ein paar Etappen stand für sie fest: "Irgendwann nehme ich mir genug Zeit, um eine komplette Pilgerstrecke zu absolvieren." Der Jakobsweg sollte es aber nicht sein. "Der ist mir zu überlaufen."

Was lag für die Staderin näher, als für ihren Trip eine historische Route zu wählen, die vom Zentrum der Christenheit in ihre Heimatstadt führt. Diesen Weg nahm schon im Jahr 1236 der Abt Albert von Stade - auf der Rückreise von einer Audienz beim Papst. Alberts auf Latein verfasster "Reiseführer" mit genauen Entfernungsangaben ist erhalten. In launigen Worten beschreibt er darin die einzelnen Etappen.
Hanna Lisa Witt musste aber nicht Latein lernen, um Abt Alberts Spuren zu folgen. Sie nutzte die Errungenschaften der modernen Technik: "Ich habe mir die Strecke als GPS-Daten auf meine Smartphone-App heruntergeladen." Die Route des Geistlichen wurde im Zuge des Pilger-Booms wieder populär und wird jetzt offiziell unter der Bezeichnung "Via Romea" geführt.

Mit dem Handy als Karte und zwölf Kilo Gepäck im Rucksack startete die Stader Pilgerin am 25. Mai in Rom. 90 Etappen galt es zu bewältigen, mit Distanzen von 15 bis knapp 40 Kilometern pro Tag. Auch wenn die "Via Romea" längst nicht so bekannt wie der Jakobsweg ist, sind entlang der Route mittlerweile einige Pilgerherbergen entstanden. "Ich musste mir aber oft Ausweichquartiere suchen, da die Herbergen belegt waren", berichtet Hanna Lisa Witt. "Ich hatte nicht im Voraus gebucht, um zeitlich flexibler zu sein."

Wegen der höheren Übernachtungskosten war die Wanderin zunächst in Sorge, dass sie mit ihrem geplanten Tagesbudget von 60 Euro nicht auskommt. Am Ende habe das Geld aber gereicht. Unterwegs war sogar ein neues Paar Wanderschuhe drin. "Noch in Italien habe ich mir Ersatzschuhe gekauft, weil die alten drückten." Mit den neuen "Siebenmeilenstiefeln" war der Weitermarsch kein Problem. In Stade war aber dann die Sohle völlig "abgelatscht".

Wie bei vielen anderen Pilgern, die heutzutage unterwegs sind, stand bei Hanna Lisa Witt keine religiöse Motivation dahinter. "Ich wollte einfach für ein paar Monate den Kopf frei bekommen." Anfangs sei das schwierig gewesen, doch im Verlauf der Tour habe es immer längere Zeiträume gegeben, in denen sie keinerlei Gedanken nachhing.

Ans Aufgeben habe sie auf ihrer Wanderung nie gedacht, so die Staderin. "Die meisten Etappen waren gut zu bewältigen." Anstrengender als der Weg durch die Alpen - die "Via Romea" führt über die Brennerroute - seien die Bergetappen im italienischen Apennin-Gebirge gewesen. "Die zugewucherten Wege mit ihren oft starken Steigungen haben es in sich." Auf den einsamen Bergwegen sei sie sich wie ein Schmuggler auf verschlungenen Schleichpfaden vorgekommen.

Das letzte Etappenziel vor der Ankunft in der Heimatstadt war Harsefeld. Dort wurde die Pilgerin von ihren beiden Halbgeschwistern in Empfang genommen, die sie auf der "Zielgeraden" begleiteten. "Es war ein schönes Gefühl, wieder die Familie um mich zu haben und zu wissen, heute Abend komme ich zu Hause an." Den symbolischen Abschluss bildete ein Foto mit dem Bronze-Mönch vor dem ehemaligen Johanniskloster in Stade. Dem dortigen Franziskaner-Konvent war Albert beigetreten, nachdem er sein Amt als Abt niedergelegt hatte.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.