Note ausreichend am häufigsten
Brücken-Check im Landkreis Stade: Viele sind Jahrzehnte alt
- Die Brücken werden von Fachleuten genauestens geprüft. Hier findet gerade eine Untersuchung der Steinbeck-Brücke im Verlauf der K30 statt
- Foto: Christian Schmidt/Landkreis Stade
- hochgeladen von Jörg Dammann
Spätestens nach dem Einsturz der Dresdner Carolabrücke werden landauf, landab die Brückenbauwerke genauer unter die Lupe genommen. Auch im Landkreis Stade läuft seit November 2024 eine umfassende Brückenkontrolle. Untersucht werden Brücken, für die der Landkreis zuständig ist. Die Brücken-Inspektion soll Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein.
Kaputte Brücken sind geradezu ein Symbol für die marode Infrastruktur im Land. Gerade erste teilte die Autobahn GmbH mit, dass die vielbefahrene Hamburger Norderelbbrücke im Verlauf der A1 am kommenden Wochenende voll gesperrt wird, um die marode Konstruktion genauer zu untersuchen. Außerdem wird es dauerhafte Verkehrsbeschränkungen auf der Brücke geben. U.a. soll für Lkw ein Überholverbot und ein Mindestabstand von 50 Metern gelten. Im Nachbarkreis Harburg gibt es sogar eine komplette Brückensperrung. Dort ist die Brücke der K22 zwischen Stelle und Fliegenberg nicht mehr verkehrssicher. Ganz so dramatisch ist die Lage im Landkreis Stade nicht. Hier sind bisher zwei Brücken lediglich halbseitig gesperrt: die Ostebrücke der B73 zwischen Burweg und Hechthausen, neben der bereits ein Neubau entsteht, und die marode Brücke im Verlauf der L111 bei Bützfleth.
- Inspektion der K30-Brücke südlich von Stade
- Foto: Christian Schmidt/Landkreis Stade
- hochgeladen von Jörg Dammann
Landkreis ist für 53 Brücken zuständig
Alternde Brücken, zunehmende Verkehrsbelastungen und der steigende Sanierungsbedarf stellen auch den Landkreis Stade vor große Herausforderungen und machen regelmäßige Prüfungen und Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Insgesamt befinden sich 53 Brückenbauwerke in der Zuständigkeit des Landkreises. Davon gehören 48 Brücken zu Kreisstraßen, vier sind reine Rad- und Fußgängerbrücken, während eine Brücke Teil einer Fahrradfreizeitroute ist. Die Brücken werden einmal jährlich per Sichtprüfung untersucht. Sogenannte Hauptprüfungen oder anlassbezogene Prüfungen - wenn beispielsweise plötzlich Schäden auftreten - müssen stets von zertifizierten Brückenprüfern vorgenommen werden. Aktuell steht im Landkreis Stade für die meisten Bauwerke, für die der Landkreis Stade Baulastträger ist, die Hauptprüfung an. Die Prüfer vergeben dabei Zustandsnoten von 1,0 (sehr guter Zustand) bis 4,0 (ungenügend). Mehr zu dieser Klassifikation siehe unten.
Auf der Karte sind sämtliche Brückenbauwerke eingetragen, für die der Landkreis Stade zuständig ist. Die Farben zeigen die Zustandsnoten für die Brücken an: grün für gut bis sehr gut, gelb für befriedigend, orange für ausreichend und rot für nicht ausreichend bzw. ungenügend. Grau steht für keine Note erfasst.
Viele Brücken noch aus den 1960er Jahren
"Aktuell weist die Schwingebrücke im Zuge der K1 die größten Schäden auf", heißt es vom Landkreis auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Deren Instandsetzung sei gerade in Planung. Die Sanierungsarbeiten sollen in diesem Jahr erfolgen. Ein Problem ist laut Auskunft des Landkreises das Alter der Brücken. Viele wurden bereits in den 1960er Jahren errichtet, selbst die jüngste Brücke ist mittlerweile zehn Jahre alt. Ursachen für Schäden an Brücken sind u.a.
- Materialermüdung aufgrund jahrzehntelanger Beanspruchung
- Witterungseinflüsse wie Frost, Hitze und Feuchtigkeit
- hohe Verkehrsbelastung, insbesondere durch Schwerlastverkehr
- beschädige Stellen im besonders anfälligen Fahrbahnbelag
Der Sanierungsbedarf wird dabei individuell für jede Brücke ermittelt. Maßgeblich sind die Prüfungsergebnisse und die ermittelte Zustandsnote. Diese Werte bestimmen, ob kleinere Reparaturen oder größere Instandhaltungsmaßnahmen notwendig sind. Finanzielle Mittel für größere Projekte werden erst nach Abschluss der Prüfungen kalkuliert. Dabei wird die Instandhaltung einer Brücke im Sinne der Nachhaltigkeit grundsätzlich einem Neubau vorgezogen. Im Amt für Kreisstraßen ist eine Ingenieurin mit Schwerpunkt konstruktiver Ingenieurbau speziell für die Brückenbauwerke zuständig.
- Brückenkontrolle an der K30
- Foto: Christian Schmidt
- hochgeladen von Jörg Dammann
Zustandsnoten für die Brücken
Für den Zustand von Brücken werden Noten von 1,0 bis 4,0 vergeben. Jede Brücke besteht aus mehreren Teilbauwerken wie Widerlagern, Pfeilern und Fahrbahndecken. Bei der Prüfung der einzelnen Bauteile ergibt sich eine Gesamtnote für das Bauwerk.
Die Bewertung erfolgt in sechs Kategorien, die von "sehr gut" bis "ungenügend" reichen:
- 1,0 – 1,4 (sehr guter Zustand) → Das Bauwerk weist keine oder nur minimale Schäden auf.
- 1,5 – 1,9 (guter Zustand) → Leichte Mängel sind vorhanden, beeinträchtigen die Sicherheit aber nicht.
- 2,0 – 2,4 (befriedigender Zustand) → Erste Sanierungsmaßnahmen könnten mittelfristig notwendig werden.
- 2,5 – 2,9 (ausreichender Zustand) → Spürbare Schäden erfordern in absehbarer Zeit eine Instandsetzung.
- 3,0 – 3,4 (nicht ausreichender Zustand) → Das Bauwerk bleibt vorerst nutzbar, benötigt aber bald eine umfassende Sanierung.
- 3,5 – 4,0 (ungenügender Zustand) → Die Standsicherheit oder Verkehrssicherheit ist erheblich beeinträchtigt. Eine Sperrung könnte erforderlich sein.
Die 53 Brücken im Landkreis Stade haben folgende Zustandsnoten:
- hochgeladen von Jörg Dammann
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
|
| Webseite von Jörg Dammann | |
| Jörg Dammann auf Facebook | |
| Jörg Dammann auf Instagram | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.