Der General und die Tänzerin: Ein außergewöhnliches Paar aus dem Alten Land
Das WOCHENBLATT war zu Gast bei Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart und seiner Frau Harriet

Jürgen-Joachim und Harriet von Sandrart von ihrem Haus. Sie wohnen seit 2008 im Alten Land
4Bilder
  • Jürgen-Joachim und Harriet von Sandrart von ihrem Haus. Sie wohnen seit 2008 im Alten Land
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann
Blaulicht
Konstantin Keuneke (40) übernahm vor zwei Jahren die Leitung der damals neu geschaffenen Abteilung für Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Harburg

Auf den Ernstfall vorbereitet
Konstantin Keuneke leitet seit zwei Jahren die Abteilung Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz beim Landkreis Harburg

(nw/tw). Manchmal ist das Leben schneller, als man Pläne schmieden kann. Als Konstantin Keuneke (40) vor zwei Jahren die Leitung der damals neu geschaffenen Abteilung für Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz übernommen hatte, stand eines ganz oben auf der To-do-Liste: zu prüfen, in welchen Bereichen und durch welche Projekte Rettungsdienste, Brand- und Katastrophenschutz weiter gestärkt werden können. „Dabei kam auch der Gedanke auf, den bestehenden Pandemie-Plan zu erneuern“, erinnert...

Politik
Nimmt den Prüfbericht gelassen: Hollenstedts Bürgermeister Jürgen Böhme
3 Bilder

In Hollenstedt
Verstößt Bürgermeister gegen geltendes Recht?

bim. Hollenstedt. Der Tagesordnungspunkt "Jahresabschluss" in einer Ratssitzung ist eigentlich eine Regularie, die per Handzeichen abgenickt und in der Öffentlichkeit nicht wirklich wahrgenommen wird. Zumal es sich in der Regel um länger zurückliegende Jahresabschlüsse handelt. Die für die Jahre 2015 und 2016 sorgt in der Gemeinde Hollenstedt für einigen Zündstoff - und Kritik an Bürgermeister Jürgen Böhme durch die Wählergemeinschaft Hollenstedt (WGH). Hintergrund sind u.a. vom...

Politik
Rettungshubschrauber können das Elbe Klinikum in Buxtehude nicht anfliegen. Sie landen daher im Jahnstadion

Elbe Klinikum Buxtehude wird nicht angeflogen
Stadt soll Helikopterlandeplatz schaffen

tk. Buxtehude. Die Stadt Buxtehude soll eine befestigte Landefläche für Helikopter ausweisen, die von allen Rettungsdiensten mit ihren Fahrzeugen gut angefahren werden kann. Diesen Antrag stellt Janet Hüsgen (Grüne). Die Ratsfrau, die seit der Wahl im Buxtehuder Stadtparlament sitzt, weiß, worüber sie redet. Sie ist nämlich auch Feuerwehrfrau im Zug II der Freiwilligen Feuerwehren Buxtehude. Ende 2021 sollte ein Patient vom Elbe Klinikum mit dem Rettungshubschrauber in ein anderes Krankenhaus...

Service

Zahl der Infektionen steigt weiter
Alle Landkreise im Elbe-Weser-Dreieck haben jetzt Inzidenzen über 500

jd. Stade. Jetzt ist die 500er-Marke übersprungen: Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Stade ist am Mittwoch, 19. Januar, auf 519,1 angestiegen. Im gesamten Elbe-Weser-Dreieck ist jetzt die Schwelle von 500 überschritten. In allen Landkreisen der Region entwickelt sich ein dynamisches Infektionsgeschehen. Aktuell sind im Landkreis 1.559 Personen mit dem Coronavirus infiziert (positiver Corona-Test). Innerhalb von 24 Stunden wurden 250 Neuinfektionen verzeichnet. Die Gesamtzahl der seit...

Wirtschaft
Die Tiefbauarbeiten für den Autohof an der A7-Anschlussstelle Evendorf sind bereits abgeschlossen. Auf 15 Hektar sollen ein "Auto Reise Center" und ein Gewerbegebiet entstehen
2 Bilder

Hotel, Restaurants und Raststätte
Evendorf: Autohof der Zukunft soll Anfang 2023 fertig sein

as. Evendorf. Das Fundament liegt bereits: Die Arbeiten am Autohof an der A7-Abfahrt Evendorf schreiten voran. Laut Thorsten Neumann, Projektentwickler der Nanz-Gruppe, sollen Hotel, Restaurants und Rastanlage im Frühjahr 2023 eröffnet werden. Nach Workshops mit Bürgern, Politik, Verwaltung und Investor wurde im vergangenen Jahr die Änderung des Bebauungsplanes „Thaneberg, Döhle/Evendorf“ beschlossen. Wie berichtet, investiert die Nanz-Gruppe rund 20 Millionen Euro, um auf rund 15 Hektar unter...

Politik
Rednerin Dörte Schnell (rote Jacke) rief dazu auf, den Auftritt rechter Gruppierungen bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen nicht zu tolerieren
Video 8 Bilder

Protest-Aktion gegen Corona-Leugner
"Omas gegen Rechts" demonstrieren in Stade gegen Querdenker

jd. Stade. "Impfen statt schimpfen", "Mehr denken statt querdenken", "Eure Freiheit ist Egoismus": Mit Transparenten dieser Art wurde am Montagabend in Stade gegen Impfgegner, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker protestiert. Rund 140 Menschen fanden sich auf dem Platz Am Sande ein, um darauf hinzuweisen, welche Gefahr für die Demokratie und die freiheitliche Gesellschaft von den sogenannten "Montagsspaziergängen" ausgehen kann. Der Platz in der Stader City war an diesem Abend auch...

Blaulicht
Der Pkw wurde bei dem Unfall völlig zerstört

Zeugen gesucht
Lebensgefahr nach Unfall auf der A1 bei Hollenstedt

thl. Hollenstedt. Bei einem Verkehrsunfall auf der Hansalinie A1 ist am Montagnachmittag ein 23-jähriger Rotenburger lebensgefährlich verletzt worden. Der junge Mann war gegen 15 Uhr mit seinem BMW auf dem linken Überholfahrstreifen laut Zeugen mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Hamburg unterwegs. Bei einem Bremsmanöver verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug und schleuderte über alle drei Fahrstreifen nach rechts in einen Lärmschutzwall. Dann überschlug sich der Pkw mehrfach und kam...

Panorama
3 Bilder

Corona-Zahlen am 19. Januar
Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Harburg nur noch knapp unter 1.000

(lm). Der Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist am heutigen Mittwoch, 19. Januar, von 898,0 am Vortag auf 976,9 gestiegen und liegt damit nur noch knapp unter einem Wert von 1.000. Vor einer Woche lag die Inzidenz noch bei 516,8. 402 neue Corona-Fälle wurden heute übermittelt, in den vergangenen sieben Tagen wurden 2.501 Fälle registriert (+202 im Vergleich zum Vortag).  Die landesweite Hospitalisierungsinzidenz ist von 5,2 auf 5,6 gestiegen, die Intensivbettenbelegung verzeichnet einen...

(jd). In der Woche vormittags bei einem Becher Kaffee am heimischen Küchentisch sitzen: Das kommt nicht oft vor bei Jürgen-Joachim von Sandrart. Doch mit der Presse plaudert es sich zu Hause doch ein wenig entspannter als im Büro in der Kaserne. Von Sandrart ist einer von drei Divisionskommandeuren der Bundeswehr und gehört als Generalmajor zu den ranghöchsten Offizieren bei der Truppe. Seinem Kommando unterstehen mehr als 20.000 Soldaten. Der Stab seiner 1. Panzerdivision sitzt in Oldenburg. Von dort pendelt der 58-Jährige jedes Wochenende nach Hause ins Alte Land, wo er mit seiner Familie auf einem ehemaligen Obsthof lebt. Sein Ruhepol ist hier vor allem seine Frau Harriet, die sich spontan zum Küchen-Gespräch dazusetzt.

"Bisher konnte ich im Landkreis Stade inkognito unterwegs sein, doch das wird sich nach dem Artikel wohl ändern", steigt der Generalmajor augenzwinkernd in die Unterhaltung ein. Seit 2008 wohnen die von Sandrarts in einem beschaulichen Ortsteil von Hollern-Twielenfleth. Für Ehefrau Harriet war es die Rückkehr in die alte Heimat: Es ist ihr elterliches Anwesen, das sie mit ihrem Mann gekauft hat, um dort sesshaft zu werden.

Lange Offizierstradition: Jürgen-Joachim von Sandrart vor dem Bild eines Vorfahren in Husaren-Uniform
  • Lange Offizierstradition: Jürgen-Joachim von Sandrart vor dem Bild eines Vorfahren in Husaren-Uniform
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Das fast 200 Jahre alte Gebäude hat den Charakter eines Herrenhauses. Der Generalmajor hat Bedenken, ob das Haus auf den Fotos überhaupt zu sehen sein soll. "Ich will nicht als Gutsherr rüberkommen." Das "von" trägt seine Familie, die als Hugenotten nach Deutschland geflüchtet ist, bereits seit dem 17. Jahrhundert im Namen. Im Haus finden sich verschiedene Gemälde von Männern in Uniform - allesamt Vorfahren von Jürgen-Joachim von Sandrart, die als Husaren-Generale oder Kavallerie-Offiziere in preußischen Diensten waren. Diese militärische Tradition der Familie hat sich ununterbrochen fortgesetzt. Von Sandrarts Vater war Bundeswehr-General, der Großvater Oberst und der Urgroßvater Generalmajor.

Von der Entscheidung, nach 14 Umzügen dauerhaft im Alten Land zu bleiben, profitierten vor allem die vier mittlerweile erwachsenen Kinder. Sie mussten nicht mehr die Schule wechseln, wenn der Vater auf einen neuen Dienstposten versetzt wurde. Der Preis dafür: "Seit mehr als zehn Jahren führen wir eine Wochenend-ehe", berichtet das Ehepaar.

Nicht nur für die Heimfahrten, auch beruflich verbringt der Zwei-Sterne-General viel Zeit im Auto. Die Standorte der ihm unterstellten Brigaden und Bataillone verteilen sich über sechs Bundesländer und die Niederlande. Sein Dienstwagen ist daher sein zweites Büro. Die Limousine hat von Sandrart ganz pragmatisch gegen einen Mercedes Vito getauscht: "In dem Bus habe ich wenigstens einen Tisch, an dem ich arbeiten kann."

Seinen Job bei der Truppe vergleicht der Generalmajor mit der freien Wirtschaft. "Das ist so, als ob ich ein mittelständisches Unternehmen mit 36 Filialen führe." Dass ein Bundeswehr-Offizier dann doch mehr Risiken ausgesetzt ist als der Geschäftsführer einer Firma, hat von Sandrart in Afghanistan erlebt. Nur durch Zufall blieb er 2011 bei einem Bombenanschlag unverletzt. Seine Ankunft an der Stelle, wo die Bombe explodierte, hatte sich um wenige Minuten verzögert. Das Halstuch, das er damals anhatte, trägt er nun zu seinem Kampfanzug. Es ist sein Glücksbringer.

In seiner jetzigen Aufgabe als Divisionskommandeur geht der Wahl-Altländer (geboren ist von Sandrart in Lingen) voll und ganz auf. "Für mich ist es das Höchste, Menschen führen zu dürfen und den direkten Kontakt zu den Soldaten zu haben", erklärt der Generalmajor. Dabei gibt er sich bescheiden: "Ich bin in der Division nur eines von vielen Rädchen im großen Getriebe. Bei der Bundeswehr kommt es auf das Team an. Dass ich jetzt diese verantwortungsvolle Position innehabe, ist letztlich nur das Ergebnis von guten Teamleistungen."

Seit 2018 bekleidet von Sandrart den Posten in Oldenburg, im Herbst steht voraussichtlich wieder ein Wechsel ein. Ob es die letzte Versetzung sein wird? Wohl eher nicht. Doch der Ruhestand rückt näher. Dann muss sich von Sandrart an eines gewöhnen: Er wird ohne Adjutant zurechtkommen müssen. "Diese Aufgabe übernehme ich gewiss nicht", stellt seine Frau klar. "Ich koche ihm höchstens mal das Essen."
Harriet von Sandrart ist anders als so manche Offiziersgattin nicht einfach nur "Frau General". Die professionell ausgebildete Tänzerin und Choreografin ist als selbständige Musical-Trainerin und Ballettlehrerin tätig. In der örtlichen Turnhalle unterrichtete sie bis zum Corona-Lockdown rund 60 Kinder.

Generalmajor besucht Soldaten im Corona-Einsatz

Jetzt hat sie auf Einzelunterricht im Reiten umgesattelt - mit ihren beiden Ponys Napoleon und Winnetou. Letzteres hätte ihr Mann gern Blücher genannt. Doch auf den Namen des preußischen Generals wollte das Pony partout nicht hören. Bei den von Sandrarts zu Hause geht es eben doch ziviler zu als in der Kaserne.
Mit ganz zivilen Dingen muss sich der Generalmajor dann auch befassen, wenn er nach Hause kommt. Wie zum Beispiel dem Marder beizukommen ist, der sich unter dem frisch eingedeckten Reetdach des Pferdestalls eingenistet hat. Am Ende des Gesprächs überrascht von Sandrart mit einem Eingeständnis: Er hätte sich auch gut ein Dasein als Zivilist vorstellen können. "Mein Traumberuf wäre Land- oder Forstwirt gewesen." 

Er sagt von sich selbst, mit Leidenschaft Panzersoldat zu sein: Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart (Foto, li.) ist Kommandeur der 1. Panzerdivision
  • Er sagt von sich selbst, mit Leidenschaft Panzersoldat zu sein: Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart (Foto, li.) ist Kommandeur der 1. Panzerdivision
  • Foto: Holger Schmidt/Bundeswehr
  • hochgeladen von Jörg Dammann

"Sound of Freedom"

Ein geradezu inniges Verhältnis hat Jürgen-Joachim von Sandrart zum Kampfpanzer Leopard II. Gefragt, was ihm zu diesem Stichwort einfällt, gerät der Generalmajor fast ins Schwärmen: Wenn der Motor eines Leopard II brumme, klinge das wie der "Sound of Freedom". Dieser Kampfpanzer sei nach wie vor eines der besten Waffensysteme der Bundeswehr. Für ihn gibt es nichts Größeres, als diesen Panzer zu fahren.

"Ich bin von ganzem Herzen Panzersoldat", sagt von Sandrart. Wenn er seine Einheiten auf Truppenübungsplätzen inspiziert, nutze er die Gelegenheit, sich auf den Richtschützenplatz zu setzen, durch die Zieloptik zu schauen und einen Schuss abzugeben. "Ich fühle mich dann in meine Zeit als junger Soldat zurückversetzt." Es sei "einfach cool", in einem Leopard II zu sitzen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

4 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen