Gedenken an Holocaust-Opfer: Horneburger engagieren sich "Gegen das Vergessen"

Zeitzeuge Otto Duve engagiert sich in der Gruppe "Gegen das Vergessen - für mehr Toleranz"
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lt. Horneburg. An das Schild am Ortseingang von Horneburg, auf dem geschrieben stand: "Juden sind hier nicht erwünscht" kann Otto Duve (89) sich noch gut erinnern. Ebenso an das Arbeitslager am Ostdeutschen Ring (unweit des Aldi-Marktes), in dem von 1944 bis 1945 rund 300 junge Jüdinnen und Polinnen zur Zwangsarbeit eingeteilt waren.
Damit nicht in Vergessenheit gerät, welches Leid und wie viel Schrecken die Nationalsozialisten über die Menschen brachten - und dass auch bei uns in der Region schlimme Dinge passiert sind -, engagiert Duve sich seit vielen Jahren in der Horneburger Gruppe "Gegen das Vergessen - für mehr Toleranz". Die Gruppe organisiert am Samstag, 27. Januar, eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus (siehe Kasten).
Duve hofft, dass er durch sein Engagement einen kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung zu leisten und verhindern zu können, das die Geschichte sich womöglich in ähnlicher Form noch einmal wiederholt. "Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie empfänglich man für eine Sache sein kann, wenn buchstäblich alle anderen ebenfalls begeistert davon sind", sagt Duve.
Auch er habe als Jugendlicher dem Führer zugejubelt und genoss die Kameradschaft in der Hitler-Jugend. Im Schulunterricht stellte er die Lehren aus dem Volkskundebuch nicht infrage. "Ein ganzes Kapitel handelte von der Rassenkunde, schürte Ängste gegenüber Zigeunern und Juden und beschrieb die Gefahren, die von den so genannten Fremdlingen für uns Deutsche ausgingen", sagt Duve.
Später war Duve imstande, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Als langjähriges SPD-Mitglied im Horneburger Flecken- und Samtgemeinderat setzte er sich u.a. mit dafür ein, dass Ende der 1970er Jahre eine Straße im Ort "Anne-Frank-Weg" benannt wurde - eine Entscheidung, die damals längst nicht von allen Ratsmitgliedern befürwortet wurde.
Heute gebe es zum Glück eine breite Zustimmung für die Erinnerung an das dunkle Kapitel deutscher Geschichte, sagt Duve. Die Gruppe "Gegen das Vergessen", zu der auch Flecken-Bürgermeister Hans-Jürgen Detje gehört, formierte sich im Jahr 2000, nachdem zwei ehemalige Insassinnen des Arbeitslagers in Horneburg zu Gast waren.
Bereits in den 1990er-Jahren weihten die Horneburger den vom ortsansässigen Künstler Michael Jalowczarz gestalteten Gedenkstein am Vordamm ein. Daran nahm damals auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden teil. Die Brücke über die Aue hat eine besondere Bedeutung, weil der Weg der Zwangsarbeiterinnen vom Quartier zum Lager darüber führte.
Otto Duve wünscht sich, dass am Samstag, 27. Januar, viele Bürger aus dem Landkreis an der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus teilnehmen. "Nicht zu vergessen ist heute wichtiger denn je", sagt der Zeitzeuge.

• Zur Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus laden die Horneburger Gruppe "Gegen das Vergessen - für mehr Toleranz", Bürgermeister Hans-Jürgen Detje und die Kirchengemeinde am Samstag, 27. Januar, um 18 Uhr in die Liebfrauenkirche in Horneburg ein. Unter dem Motto "Brücken bauen" findet zunächst eine Andacht statt, danach lesen Mitglieder der Gruppe Texte vor. Im Anschluss gehen die Bürger zur Kranzniederlegung am Gedenkstein am Vordamm. Die Feier klingt im Gemeindehaus neben der Kirche bei Gesprächen am Kamin aus.

• Wer sich für die Gruppe "Gegen das Vergessen" interessiert, kann sich bei Sprecherin Reinhild Marzahn unter Tel.: 0160 - 5730963 melden.

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