Kinderpornographie: Ermittler am Limit

Mühselige Datenauswertung am Rechner: Uwe Kuhlmann und Carsten Witt vom Fachkommissariat 1
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Extreme Datenflut: Festplatten enthalten zum Teil Millionen Fotos

tp. Stade. "Wer Kinderpornographie verbreitet oder sich dieses illegale Material beschafft, wird knallhart verfolgt", sagt Kriminalhauptkommissar Carsten Witt (47) von der Polizei in Stade, der das Fachkommissariat 1 zur Bekämpfung von Verbrechen am Menschen leitet. Doch bis ein Beschuldigter vor Gericht steht, ist es ein langer und mühsamer Weg. Nach der Beschlagnahme von Rechnern, Smartphones oder Festplatten mit verdächtigen Bildern und Filmen, von denen Pädophile nicht selten Millionen auf ihren Datenträgern horten, muss das Material durch ein "Nadelöhr". Bei der Polizei im Landkreis Stade gibt es nur zwei geschulte Stamm-Mitarbeiter, deren Hauptaufgabe die Sichtung der Datenflut ist.

Einer von ihnen ist Kriminal-Oberkommissar Uwe Kuhlmann (54). Er macht den belastenden Job seit 1995. Mit einem Kollegen, der wie er besondere rechtliche und technische Schulungen durchlaufen hat, bearbeitet Kuhlmann derzeit elf Fälle, in denen die Kripo in Haushalten im Kreis Stade Datenträger einkassiert hat. Im Jahr bearbeitet das Duo durchschnittlich rund drei Dutzend Fälle, um die einhundert sind es in Stade, wenn die Kripo bundesweite Offensiven gegen Kinderpornographie wie 2007 die "Operation Himmel" startet. Angesichts der internationalen Vernetzung durch neue Medien geht der perverse Trend des illegalen Tausches und Handels von Fotos und Clips sexuell missbrauchter Kinder und Jugendlicher steil nach oben. Während die bayrischen Behörden die Datenauswertung inzwischen an Privatfirmen auslagern, setzt die Stader Polizei weiter auf eigenes Personal.

"Besitz von Kinderpornographie ist kein Kavaliersdelikt", warnt dder Stader Polizei-Pressesprecher Rainer Bohmbach: Auf Besitz, Beschaffung oder Verbreitung stehen hohe Geldstrafen und Freiheitsentzug bis zu einem Jahr. Die Sanktionen haben offenbar wenig abschreckende Wirkung: 60.000 Bild- und Filmdateien mit kinderpornographischem Material auf einem Handy - keine Seltenheit. Zwei Millionen Bilder und Clips auf einem PC eines pädophilen Sammlers - der bisherige Rekord im Landkreis Stade. Gegen den weltweiten Strom von Aufnahmen sexuell missbrauchter Kinder und Jugendlicher rudern der Auswertungsspezialist Uwe Kuhlmann und ein weiterer Kollege der Kripo Stade mit aller Kraft.

Der Fall des Ex-SPD-Bundestagspolitikers Sebastian Edathy, gegen den aufgrund des Verdachts, sich kinderpornografisches Material beschafft zu haben, ermittelt wurde, brachte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, was Kuhlmann längst aus seiner täglichen Arbeit weiß: "Besitz von Kinderpornographie zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten." Jüngst verhandelte das Amtsgericht Buxtehude einen Fall, bei dem junge Bundeswehrsoldaten illegale Bilddateien getauscht hatten.

Bis zur Anklage durch den Staatsanwalt, der sich dabei auf einen Auswertungsbericht in Schrift und Bild der Polizei stützt, stehen arbeitsreiche Schritte: Die Stader Kripo wird bei Anzeige tätig, oder wenn die Ermittlungsspuren aus einem einem anderen Bundesland in den Landkreis führen. Nach der Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme privater PCs, Speicherchips und Co. die Beschuldigte teils offen, teils versteckt aufbewahren, trennen EDV-Spezialisten die auf den Datenträger vorhandenen legalen von potenziell illegalen Dateien. Manchmal müssen mit technischen Mitteln den Passwortschutz aufheben. Gelöschte Dateien werden nach Möglichkeit wiederhergestellt, bevor Oberkommissar Kuhlmann und sein Kollege jede einzelne verdächtige Datei betrachten müssen.

Bei der Sichtung der oft randvoll bepackten Datenträger mit Speichervolumen im Terabyte-Bereich werde er mit "allen Facetten der Sexualität" und mit Gewalt konfrontiert, so Kuhlmann. Die Opfer auf den für Außenstehende nur schwer erträglichen Darstellungen sind Kinder, "einige im Säuglingsalter", sagt Kuhlmann mit gepresster Stimme. Trotz seiner Routine leidet der Vater zweier erwachsener Kinder noch immer mit den Opfern. Insbesondere bei Filmen mit weinenden missbrauchten Kindern erreiche er die Grenzen seiner Belastbarkeit. Psychologische Unterstützung wird ihm durch die Nachsorge der regionalen Beratungsstelle für Polizeimitarbeiter in Lüneburg und im Rahmen des "Situativen Einsatztrainings" für Polizisten zuteil. Um seine Mitarbeiter zu Stoßzeiten zu entlasten, holt der Stader Kripo-Chef Detlef Meyer personelle Verstärkung hinzu - etwa aus Buchholz.

Manchmal ist die kräftezehrende Fleißarbeit der Stader Kinderpornographie-Spezialisten von international durchschlagendem Erfolg gekrönt: In Einzelfällen führen die Fahndungen zu den Urhebern des kinderpornographischen Materials. Doch auch hier verzeichnet die Polizei im Zuge der Globalisierung einen Anstieg der Fallzahlen: Früher lag der Ursprung der Bilder und Filme zu einem großen Anteil in Südostasien, heute strömt neues Material zunehmend von Kinderschändern aus Osteuropa auf den Markt.

Übrigens: Kripo-Chef Meyer begrüßt die Pläne der Politik, die gesetzlichen Fristen der wieder Vorratsdatenspeicherung zu verlängern. Die Maßnahme sei "allgemein geeignet, Straftaten aufzudecken, nicht nur im Bereich der Kinderpornographie."

Mühselige Datenauswertung am Rechner: Uwe Kuhlmann und Carsten Witt vom Fachkommissariat 1
Vorratsdatenspeicherung hilft, Straftaten aufzudecken: Kripo-Chef Detlef Meyer
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Thorsten Penz aus Stade

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