Wer die Musik bestellt hat, muss sie letztendlich auch bezahlen
Warner Music bittet für "Jerusalema-Challenge" zur Kasse

Das tanzende Team von Bäcker Richter in Himmelpforten
  • Das tanzende Team von Bäcker Richter in Himmelpforten
  • Foto: Archiv/ig
  • hochgeladen von Stephanie Bargmann

(sb). Die Aktion sollte Mut machen, kann jetzt aber für so manchen teuer werden. Viele Unternehmen, Kommunen, Vereine und Institutionen haben in den vergangenen Wochen an der sogenannten "Jerusalema-Challenge" teilgenommen. Auch im Landkreis Stade tanzte so manches Team nach dem Song von Master KG, einem 25 Jahre alten Musikproduzenten und DJ aus Südafrika, der mit bürgerlichem Namen Kgaogelo Moagi heißt. Die Tanzenden wurden gefilmt und das Video online gestellt - überwiegend auf der Plattform Youtube. Jetzt will der Musik-Konzert Warner Music, bei dem Master KG unter Vertrag steht, die groovenden Feuerwehrleute, Verwaltungsangestellten und Supermarktverkäufer dafür zur Kasse bitten. Verlangt werden eine Lizenzgebühr und eventuell sogar Strafzahlungen.

Hintergrund: Für die kommerzielle Nutzung von Musik sind Gebühren fällig. Zwar ist der Gedanke der Challenge in nahezu keinem Fall kommerzieller Natur. Generell ist die Rechtsprechung jedoch so, dass der Urheber eines Lieds vor Veröffentlichung eines Clips im Internet um sein Einverständnis gebeten werden muss. Ganz nach dem Motto: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen. Warner Music soll je nach Grad der kommerziellen Nutzung Gebühren in unterschiedlicher Höhe verlangen.

Das WOCHENBLATT hat in den vergangenen Wochen mehrfach über Aufrufe und Veröffentlichungen rund um die "Jerusalema-Challenge" berichtet. Unter anderem hatte die Gemeinde Jork aufgerufen, sich gegenseitig beim Tanzen zu filmen und die Beiträge bis zum 19. Februar einzusenden. Diese sollten dann in einem Clip vereint werden. "Die Resonanz auf dem Aufruf war sehr gut, wir haben rund ein Dutzend Beiträge erhalten", sagt Miriam Stöckmann, Veranstaltungsmanagerin bei der Gemeinde Jork. Sie hat jetzt mit der Firma Warner Music Kontakt aufgenommen und sich nach der Lizenzgebühr erkundigt. "Wir wollen mit dem Video nur Mut machen und nicht werben", sagt sie. Ob der Clip online gestellt wird, hängt von der Höhe der Kosten ab und wird in der Verwaltung entschieden.

Die Gemeinde Hollern-Twielenfleth hat ihr Jerusalema-Video zwei Tage nach der Veröffentlichung wieder aus dem Netz genommen. Hier schwang eine bunte Gruppe vom Verwaltungschef über den Pastor bis zum Müller gemeinsam und mit Abstand das Tanzbein. "Auch wir haben Kontakt zu Warner Music aufgenommen und uns nach den Preisen erkundigt", sagt Bürgermeister Timo Gerke. Eine Antwort blieb bis Redaktionsschluss noch aus.

Alles richtig gemacht hat die Bäckerei Richter aus Himmelpforten. Das Inhaber-Ehepaar Carsten und Andrea Richter hat die Gebühr für die Nutzung im Vorweg bezahlt. "Unser Video dürfen wir sowohl auf unserer Internetseite als auch auf Youtube noch bis Mitte März zeigen", sagt Andrea Richter. Auch für sie soll der Clip Mut machen und hat keinen kommerziellen Hintergrund. "Die Aktion war auch supergut für unser Team", sagt Andrea Richter. Denn 2020 mussten alle Firmen-events wie Feste oder Ausflüge, die sonst regelmäßig stattfinden, ausfallen. "Beim Dreh hatten alle sehr viel Spaß und sind sehr stolz auf das Ergebnis."

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Autor:

Stephanie Bargmann aus Stade

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