Stade soll eine Unisex-Toilette erhalten
Das geschlechtsneutrale Klo

So könnte das neue WC-Schild aussehen
  • So könnte das neue WC-Schild aussehen
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Im historischen Rathaus soll Stades erstes Unisex-WC entstehen Männlein oder Weiblein? Diese Frage nach dem Entweder-oder stellt sich für alle, die das WC im historischen Stader Rathaus wegen eines dringenden Bedürfnisses aufsuchen müssen und sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen, bald nicht mehr. Das stille Örtchen in dem altehrwürdigen Gemäuer soll modernisiert werden - und im Zuge des Umbaus wird aus der zweigeschlechtlichen Toilettenanlage ein Unisex-Klo.

Mit den Plänen für ein geschlechterübergreifendes WC sind die ursprünglichen Überlegungen vom Tisch, zusätzlich eine Toilette für trans- und intergeschlechtliche Personen zu schaffen. An den Klotüren hätte dann vermutlich Herren, Damen und Divers gestanden. Doch aus Platzgründen entschied sich die Verwaltung nun für die Unisex-Variante - eine Lösung, die bei allen Gleichstellungsbeauftragten für Jubelschreie sorgen dürfte.
Denn der Kampf gegen die Geschlechtertrennung auf den Toiletten wird in Deutschland schon seit ein paar Jahren geführt - und das mit durchaus ernstem Hintergrund. Menschen, deren Geschlechtsidentität sich außerhalb des festgefügten Schemas Mann/Frau bewegt, stehen hierzulande vor einem Dilemma, was den WC-Besuch angeht. Toiletten für das dritte Geschlecht - egal, ob man es als divers, inter oder trans bezeichnet - sind fast überall noch rar gesät. Viele Menschen, die sich der sogenannten queeren Community zurechnen, beklagen sich darüber, beim Toilettengang vor die Wahl gestellt zu sein, entweder einen reinen Frauen- oder Männerort aufsuchen zu müssen.

Zu den wenigen Vorreitern beim Thema Unisex-Toiletten zählen vor allem Länder, in denen ein fortschrittlicher Geist herrscht, wie beispielsweise Schweden, und - wenn man auf Deutschland blickt - vor allem Studentenstädte. Dort ist das geschlechtliche Schubladendenken schon längst überwunden. Doch bald kann sich auch Stade in diese Riege der modernen Städte einreihen, die die binäre Einteilung der Geschlechter zumindest auf dem Klo aufgehoben haben. Segen für diese Maßnahme gibt es auch von höherer Stelle. So verkündete bereits vor einiger Zeit die damalige niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD): "Toiletten nur für Frauen oder Männer diskriminieren trans- und intergeschlechtliche Menschen."
Das Stader Unisex-WC soll nach den jetzigen Plänen aus einem Vorraum mit vier Waschbecken und dem Hauptraum mit sieben WCs sowie einem Wickeltisch bestehen. Zusätzlich sind - mit einem Sichtschutz abgeteilt - fünf Urinale vorgesehen.

Wer jetzt bei dem Gedanken schaudert, sich auf eine Klobrille setzen zu müssen, auf der vorher ein Angehöriger eines anderen Geschlechts saß, sollte an seine letzte Bahn- oder Flugreise denken: In Zügen und in Flugzeugen hat es schon immer Unisex-Klos gegeben.

Jörg Dammann

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