Stader Seniorinnen wollen nicht länger leise sein
Resolute alte Damen: "Omas gegen Rechts"

Sie gehen auf Straße, um gegen Faschismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren: die "Omas gegen Rechts". Sie sagen: "Wir sind alt, aber nicht stumm."
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  • Sie gehen auf Straße, um gegen Faschismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren: die "Omas gegen Rechts". Sie sagen: "Wir sind alt, aber nicht stumm."
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jd. Stade. Sie gehen für eine lebenswerte Zukunft auf die Straße - und wenn es sein muss, protestieren sie lautstark. Nein, es sind nicht die jungen Aktivisten von "Fridays for Future". Diese Damen haben ihre Schulzeit schon längst hinter sich: Sie sind die "Omas gegen Rechts" - und sie treten mit dem Credo an, dass ihre Enkel auch künftig in Frieden und Freiheit leben können. Weil sie unsere demokratische Gesellschaftsordnung zunehmend durch rechtsextreme Gruppierungen und populistische Parteien wie die AfD bedroht sehen, machen die Frauen zwischen 60 und 85 Jahren das, was man von einer Großmutter eher nicht erwartet. Sie gehen in die Öffentlichkeit, treten resolut auf und mahnen mit lauter Stimme: nie wieder Faschismus, kein Ausländerhass oder Rassismus, weg mit Nationalismus und Antisemitismus, völkischem Denken und Ausgrenzung.

"Ich habe lange genug auf dem Sofa gesessen und mit Entsetzen die Berichte in den Medien verfolgt, wie unser Land mit dem Erstarken der AfD immer weiter nach rechts driftet", sagt Marion Meyer aus Stade. Doch wie soll sie als ältere Frau dagegen angehen? Mit dieser "Wut im Bauch", nichts tun zu können, ging sie im April dieses Jahres zum Gründungstreffen der Stader Gruppe der "Omas gegen Rechts". Es kamen Frauen zusammen, die wie sie dachten. "An dem Abend war für mich gleich klar: Das ist es", berichtet sie.

Aufgerufen zum Treffen hatte Dörte Schnell. Die "Oma" aus Hammah ist als Sozialarbeiterin in Hamburg tätig und hat dort mit Mitstreiterinnen bereits zwei Gruppen der "Omas gegen Rechts" gegründet. Entstanden ist diese Initiative der älteren Generation vor rund zwei Jahren in Österreich, über die sozialen Medien schwappte sie nach Deutschland hinüber - zunächst als reine Facebook-Gruppe. Doch die Aktivitäten blieben nicht lange auf das Internet beschränkt. Laut Schnell gibt es bundesweit inzwischen mehr als 100 Gruppen.
Im Norden haben sich die "Omas" zu einem Netzwerk zusammengeschlossen (www.omasgegenrechts-nord.de). "Wenn eine Gruppe zu einer Aktion aufruft, schließen sich die anderen an", sagt Schnell. Solidarität stehe bei den "Omas" hoch im Kurs. Zuletzt waren die Staderinnen Anfang November in Bad Segeberg, um an einer Protestaktion gegen die dortigen rechtsextremen Umtriebe im Dunstkreis des Neonazis Bernd T. teilzunehmen.

An diesem Wochenende sind die "Omas" nach Braunschweig gefahren, um sich den Protesten gegen die AfD anzuschließen, die dort ihren Bundesparteitag abhält. Von der AfD hat Dörte Schnell eine klare Meinung: "Die AfD ist eine brandgefährliche Partei, die zunächst eher harmlos dahergekommen ist, jetzt aber ihr wahres völkisches Gesicht zeigt und in der Gesellschaft eine fremdenfeindliche Stimmung schürt. Diese Partei ist nach meinem Empfinden so etwas wie der verlängerte parlamentarische Arm von Faschisten und Rechtsradikalen."

In Stade traten die "Omas gegen Rechts" erstmals im Mai in Erscheinung: In den Wochen vor der Europawahl zogen sie samstags mit ihren Plakaten durch die City, um vor dem Erstarken nationalistischer Strömungen zu warnen.

"Die Menschen schauen schon hin, wenn wir Omas gemeinsam durch die Straßen ziehen" sagt Helga Kühlke, die mit ihren 61 Jahren eines der "Küken" in der Gruppe ist. Ältere Frauen, die sich zu einer politischen Kraft formieren und öffentlich als Aktivistinnen gegen Rechts auftreten - da-ran müssen sich viele wohl erst gewöhnen.

"Gerade bei den Jugendlichen kommen wir gut an", berichtet Schnell. Auf der letzten Demo in Hamburg hätten die jungen Leute den Antifa-Schlachtruf "Alerta, alerta, antifascista" (frei übersetzt: "Achtung, Achtung, hier kommen die Antifaschisten") extra in eine "Oma"-Version umgewandelt: "Alerta, alerta, Omas sind viel härter". Diesen Zusammenhalt über die Generationen hinweg finde sie toll, so Schnell. Die "Omas" würden auch "Fridays for Future" unterstützen. "Uns ist aber klar, dass das eine Bewegung der jungen Menschen ist. Wir 'Omas' laufen aber nur mit unseren Schildern hinterher und stärken 'Friday for Future'-Aktivisten so symbolisch den Rücken."

Hauptanliegen der "Omas" bleibe, die Stimme gegen Rechts zu erheben, so Schnell: "Wir sind zwar alt, aber nicht stumm."

Treffen einmal im Monat

Die Stader Ortsgruppe hat derzeit rund 20 Mitglieder, darunter auch einige männliche "Omas". Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Das nächste Treffen findet am Donnerstag, 5. Dezember, um 16.30 Uhr im Pastor-Behrends-Haus statt. Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen.
Außerdem steht die Gründung einer zweiten Gruppe im Landkreis Stade an. Ab Anfang 2020 wollen die "Omas gegen Rechts" auch in Buxtehude aktiv werden.

• Infos und Kontakt: omasgegenrechts-stade@posteo.de

Bislang gibt es die "Omas gegen Rechts" in unserer Region nur in Stade. Das wird sich bald ändern: In Buchholz wird sich Anfang kommenden Jahres eine neue Gruppe gründen. Der Termin steht schon fest: Die Gründung erfolgt Montag, 27. Januar 2020. Der 27. Januar wird bundesweit als "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" begangen.
Die Gründung der "Oma"-Gruppe erfolgt im Rahmen einer Gedenkveranstaltung, die um 19 Uhr in der Buchholzer Empore (Breite Straße 10) stattfindet. Daran teilnehmen wird die KZ-Überlebende Esther Bejarano, die bei den "Omas gegen Rechts" Ehrenmitglied ist.

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