Sönke Hartlef (CDU) wird mit 55 Prozent neuer Bürgermeister der Hansestadt
Stader wählen Silvia Nieber (SPD) ab

Wahlsieger Sönke Hartlef (2.v.re.) freut sich mit Ehefrau Elke sowie CDU-Generalsekretär Kai Seefried (li.) und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann über seinen Erfolg   Foto: jd
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  • Wahlsieger Sönke Hartlef (2.v.re.) freut sich mit Ehefrau Elke sowie CDU-Generalsekretär Kai Seefried (li.) und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Oliver Grundmann über seinen Erfolg Foto: jd
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jd. Stade. Ein strahlender Gewinner und eine Verliererin, die in Tränen ausbrach: Sieg und Niederlage lagen dicht beieinander, als am Sonntagabend im Stader Rathaus das Ergebnis der Bürgermeisterwahl verkündet wurde. Herausforderer Sönke Hartlef (CDU) triumphierte bei der Stichwahl mit 55,35 Prozent recht deutlich über Amtsinhaberin Silvia Nieber (SPD), die 44,65 Prozent erzielte. Nieber, die in knapp drei Monaten ihr Bürgermeisterbüro für Hartlef räumen muss, reagierte emotional, als ihre Abwahl endgültig feststand. Sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Ihre Parteifreunde, die die bittere Niederlage selbst kaum fassen konnten und mit versteinerten Mienen dastanden, waren kaum in der Lage, Nieber zu trösten. Unter Beifall - auch ihrer politischen Gegner - verließ die Bürgermeisterin zeitig das improvisierte Wahlstudio im Königsmarcksaal des Rathauses.
Applaus gab es auch für den Sieger des Abends: Immer wieder brandete in den Reihen von Hartlefs Anhängern Beifall auf, wenn auf der großen Leinwand im Saal ein neues Ergebnis aus den Wahlbezirken erschien, das seinen Vorsprung weiter festigte. Der CDU-Kandidat lag bereits frühzeitig in Führung, als nach knapp 20 Minuten ein Viertel der Wahlbezirke ausgezählt war. Hartlef hatte am Ende in 19 der 27 Stader Wahlbezirke und in allen vier Briefwahlbezirken die Nase vorn.
Wie im ersten Wahlgang punktete Hartlef vor allem in den vier Ortschaften, siegte aber auch in Stadtvierteln wie Hahle, wo bisher die SPD dominierte. Seine besten Ergebnisse erzielte er mit Werten zwischen 74 und 78 Prozent in seinem "Heimatdorf" Bützfleth und in Schölisch, der Hochburg der STRABS-Gegner. Bei einer Wahlbeteiligung von 38,9 Prozent reichten Hartlef 8.240 Stimmen für den Sieg.
Hartlef führt seinen Erfolg nicht zuletzt darauf zurück, dass er sich während des Wahlkampfs nicht verstellt hat. "Ich bin so geblieben, wie ich bin, auch wenn ich nicht der perfekte Redner bin", erklärte der künftige Bürgermeister. "Den Wahlkampf habe ich so geführt, dass ich morgen noch in den Spiegel schauen kann." Er sei authentisch geblieben, so wie man ihn aus der Ortspolitik in Bützfleth kenne. Dort habe er die meisten Stimmen geholt, weil die Menschen eben an ihm mögen, dass er authentisch "rüberkomme".
Eine besondere Vorbereitung auf seinen neuen Job hält Hartlef nicht für notwendig. Er sei durch seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung gut mit der Materie vertraut. Auch einen Rhetorik-Kursus, um in den politischen Debatten zu bestehen, sei nicht erforderlich. "Ich war in der Vorbereitung auf den Wahlkampf bei einem Coach. Das reicht aus." 
Bis zu seinem Amtsantritt am 14. September gilt für Hartlef "business as usual". Abzüglich von ein paar Tagen Resturlaub werde er bis Ende August seine bisherige Tätigkeit in einer Buxtehuder Baustofffirma ausüben. "Am morgigen Montag sitze ich dort wieder am Schreibtisch, allerdings etwas später als sonst, weil ich ja noch wenig feiern will", erklärte Hartlef am Sonntagabend.
Ganz und gar nicht zum Feiern zu Mute war einer sichtlich enttäuschten Silvia Nieber. Obwohl sich die Wahlschlappe nach ihrem schlechten Abschneiden im ersten Wahlgang bereits andeutete, hat es sie offenbar tief getroffen, dass sie als Amtsinhaberin abgewählt wurde. "Mein Wahlergebnis würdigt leider nicht die gute Arbeit, die die Beschäftigten in der Verwaltung und ich an deren Spitze geleistet haben",  erklärte die Bürgermeisterin am Wahlabend.
Für ihr Abschneiden macht Nieber auch den allgemeinen Abwärtstrend bei der SPD verantwortlich. In diesen Strudel sei sie hineingeraten. Im Wahlkampf habe man ihr empfohlen, kein SPD-Logo auf Plakaten und Flyern zu verwenden. "Das hätte ich niemals gemacht. Mein Partei zu verleugnen, wäre so, als wenn ich mir den Arm amputieren ließe." 
Nieber geht davon aus, dass sie von einer höheren Wahlbeteiligung profitiert hätte. "Ich denke, dass mein Stimmenanteil nicht den Willen der Stader Bevölkerung widerspiegelt." Sie vermutet, dass viele nicht gewählt hätten, weil ihnen nicht erneut eine Wahlbenachrichtigung zugeschickt worden sei. 
Zu ihren weiteren Zukunftsplänen wollte sich Nieber nicht äußern. Ihr Mann werde sich freuen, dass sie künftig mehr Zeit habe. Und eines stellt sie klar: "Entgegen aller Spekulationen werde ich weiter in Stade wohnen. Ich bin Staderin und bleibe es."

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