jd. Stade. Die Politik wird die Sache erst einmal "sacken" lassen: Nachdem im Stader Kulturausschuss neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der umstrittenen Namensgebung für die Ostmarkstraße publik wurden, wird in den Fraktionen zunächst intern diskutiert, wie mit diesen Fakten umgegangen werden soll. Wie berichtet, war die Straße im Jahr 1938 angelegt worden, um dort überwiegend verdiente Nazis anzusiedeln. Recherchen im städtischen Archiv ergaben, dass sowohl die Ostmarkstraße als auch die benachbarte Sudentenstraße eine sogenannte SA-Dankopfersiedlung darstellten. Die Belege dafür sind eindeutig. Ob nun doch eine Umbenennung der Ostmarkstraße erfolgt, wie es im vergangenen Jahr von der CDU beantragt und dann mehrheitlich im Rat abgelehnt wurde, bleibt indes offen.

Das WOCHENBLATT hatte dazu am Wochenende eine Online-Abstimmung auf seinem Facebook-Portal (www.facebook.com/KreiszeitungWochenblatt) und auf Instagram ausgerichtet. Auf Facebook stimmten 89 Prozent der User für eine Beibehaltung des Straßennamens, 11 Prozent votierten für eine Umbenennung, bei Instagram lag das Verhältnis bei 78 zu 22. Diese Umfrage ist allerdings nicht repräsentativ.

Bereits im Ausschuss wurden Stimmen laut, die sich für eine gesamte Aufarbeitung des Themenkomplexes "Stade und der Nationalsozialismus" aussprachen. Ähnlich sieht es der Vorstand der Stader SPD. In einem Statement der Genossen heißt es: "Es zeigt sich, dass eine gründliche Aufarbeitung unserer Geschichte notwendig ist und rein 'kosmetische Maßnahmen' niemals genügen." Das dürfte als Absage an eine bloße Umbenennung zu verstehen sein.

Die Stader SPD-Führung hält es für erforderlich, einen Blick auf alle Straßen zu werfen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 so benannt wurden. Möglicherweise gebe es weitere Straßennamen, die ideologisch schwer belastet sind. Auch Namensgebungen aus der Nachkriegszeit sollten dahingehend geprüft werden, ob damit Personen geehrt wurden, die womöglich in NS-Verbrechen verstrickt waren.

Stades Erster Stadtrat Dirk Kraska machte deutlich, dass eine solche Aufarbeitung der Stader Geschichte während der Nazi-Zeit Jahre und auch erhebliche Mittel in Anspruch nehmen werde, wenn sie wissenschaftlichen Maßstäben genügen solle.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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