15 Prozent mehr für die Biotonne
Auch der Müll wird teurer: Landkreis erhöht Abfallgebühren
- Die Müllabfuhr im Landkreis Stade wird teurer. Am höchsten steigen die Gebühren für die Biotonne (braune Tonne)
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Jörg Dammann
Die Preise schießen derzeit wieder nach oben - nicht nur an den Tankstellen. Die weltpolitische Lage heizt die Inflation an. Alles wird teurer. Selbst für das, was wir wegwerfen, müssen wir künftig tiefer in die Tasche greifen: Der Landkreis Stade will die Müllgebühren erhöhen - oder besser gesagt: er muss es. Denn das Gebührenrecht sieht vor, dass Defizite aus den Vorjahren ausgeglichen werden müssen. Da die Nachberechnung für die Jahre 2023/24 ein Minus von mehr als zwei Millionen Euro ergeben hat, müssen die Gebühren für 2027 entsprechend höher kalkuliert werden. Die Abfuhr der normalen Mülltonne (Restabfallbehälter) wird im Schnitt knapp sechs Prozent teurer, die monatliche Grundgebühr steigt um mehr als 13 Prozent. Deutlich teurer wird die Leerung der Biotonne (braune Tonne): Hier ist eine Gebührenanhebung um fast 15 Prozent vorgesehen.
Beispielrechnungen: So stark steigen die Müllgebühren
👫 Zwei-Personen-Haushalt
60-Liter-Restmülltonne + 60-Liter-Biotonne
(14-tägliche Leerung)
Bisher: 225 Euro/Jahr
Neu: 247,68 Euro/Jahr
+10 Prozent
👨👩👦 Drei-Personen-Haushalt
80-Liter-Restmülltonne
(monatliche Leerung)
Bisher: 126,24 Euro/Jahr
Neu: 137,64 Euro/Jahr
+10 Prozent
👨👩👧👦 Vier-Personen-Haushalt
80-Liter-Restmülltonne + 80-Liter-Biotonne
(14-tägliche Leerung)
Bisher: 282 Euro/Jahr
Neu: 309,84 Euro/Jahr
+10 Prozent
Teurer wird es auch, wenn Rest- und Grünabfälle bei den Abfallwirtschaftszentren (AWZ) und den Wertstoffhöfen angeliefert werden.
Hier stehen folgenden Gebührenerhöhungen an (Gebühr pro Kubikmeter):
- Anlieferung von Stubben: bisher 15 Euro; künftig 20 Euro (plus 33 Prozent)
- Anlieferung von Bauschutt: bisher 75 Euro; künftig 81,25 Euro (plus acht Prozent)
- Anlieferung von Hausmüll: bisher 60 Euro; künftig 61,47 Euro (plus 2,5 Prozent)
Die Preise für die Entsorgung von belastetem Altholz (100 Euro), asbesthaltigen Abfällen (300 Euro) sowie
Styropor und ähnlichen Abfällen (48 Euro) bleiben wie bisher.
Richtig teuer wird es künftig, wenn man sich Kompost für den Garten holt: Der Preis pro Kubikmeter steigt von 16 Euro auf 22,85 Euro (plus 43 Prozent).
Alle zwei Jahre neu kalkulieren
Der Landkreis ist verpflichtet, die Gebührensätze jeweils für zwei Jahre neu zu kalkulieren - immer auf Basis des vorletzten Kalkulationszeitraumes. Für die neue Kalkulationsperiode ist demnach die Abrechnung aus den Jahren 2023/24 maßgebend. Die Unterdeckung von rund 2,1 Millionen Euro aus diesen beiden Jahren muss nun ausgeglichen werden. Insgesamt hat das zuständige Amt für Abfall und Kreislaufwirtschaft einen Gebührenbedarf von fast 28 Millionen Euro ermittelt.
5,2 Millionen Euro für die Müllverbrennung
In die Kalkulation müssen auch zu erwartende Kostensteigerungen einbezogen werden. Hier wirken laut Landkreis vor allem gestiegene Energie- und Personalkosten (Tariferhöhungen), höhere Ausgaben für die Müllverbrennung sowie millionenschwere Rückstellungen für alte Deponien als Preistreiber. So wird die Summe, die an Hamburg für das Verbrennen des Restmülls zu zahlen ist, mit 5,2 Millionen Euro veranschlagt. Der höchste Einzelposten bei den Ausgaben sind mit fast 6,7 Millionen Euro die Entgelte für die externen Dienstleister beim sogenannten "Einsammeln von Abfall durch Dritte". Gemeint ist damit u.a. die Durchführung der Müllabfuhr durch die Firma Karl Meyer.
Teure Zertifikate und schadhafte Deponien
Unwägbarkeiten in der Kalkulation gibt es künftig bei der thermischen Verwertung des Restmülls in Hamburg. Die Kosten für die Müllverbrennung richten sich in Zukunft nach den Preisen am Energiemarkt für den EU-weiten Handel mit Emissionszertifikaten. Wie teuer das sein wird, ist derzeit kaum einzuschätzen.
Außerdem muss der Landkreis weiterhin hohe Summen für alte, zum Teil schadhafte Deponien zurücklegen. Das Geld wird u.a. benötigt, um Leckagen abzudichten und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen. Inzwischen belaufen sich diese Rückstellungen auf rund 26,5 Millionen Euro. Betroffen sind unter anderem frühere Deponien in Ardestorf, Hammah, Heeßel, Oldendorf, Riensförde, Wedel, Wischhafen und Ketzendorf.
Landkreis kalkuliert erstmals nur für ein Jahr
Anders als bisher kalkuliert der Landkreis die Gebühren diesmal nur für ein Jahr statt für zwei Jahre. Der Grund: Ende 2027 und im ersten Quartal 2028 laufen die Verträge für die Müllabfuhr und Müllverbrennung aus. Nach der Neuausschreibung könnten sich Konditionen und Preise zum Teil deutlich ändern.
Endgültig entscheiden über die Erhöhung der Abfallgebühren muss der Kreistag auf seiner Sitzung am 29. Juni.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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