Die Freiheit der Wahl
Kommunalwahlen in Niedersachsen: Unsere Demokratie braucht Ihre Stimme
- Hier geht’s um die Wurst: Mit Grillzange und Bratwurst zeigte Stades Landrat Kai Seefried (re.) am Samstagvormittag in der Stader Fußgängerzone vollen Einsatz. Kurz vor der Kommunalwahl warben dort noch einmal die Parteien des demokratischen Spektrums - wie hier die CDU - um Stimmen. Denn so launig das Foto daherkommt: Wer am Sonntag sein Kreuz macht, sollte genau hinschauen, wem er seine Stimme gibt. Demokratie lebt vom Wählen – und davon, Menschenwürde, Rechtsstaat und Freiheitsrechte zu schützen. Deshalb: Gehen Sie wählen, aber geben Sie Ihre Stimme bitte keinen extremistischen Populisten
- Foto: jd
- hochgeladen von Jörg Dammann
Liebe Leserinnen und Leser,
wir in Niedersachsen entscheiden am Sonntag, 13. September, wer künftig in unseren Städten, Gemeinden und Landkreisen Verantwortung trägt. Das WOCHENBLATT ruft alle Wahlberechtigten auf: Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch. Denn Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.
Das Glockenspiel am Stader Rathaus spielt mehrmals täglich eine Melodie, deren Botschaft heute aktueller erscheint denn je: „Die Gedanken sind frei.“ Dieses deutsche Volkslied wurde über zwei Jahrhunderte hinweg zu einem Symbol für geistige Freiheit und das Aufbegehren gegen staatliche Unterdrückung.
Frei denken, frei sprechen, frei wählen: Für uns klingt das selbstverständlich. Doch das ist es nicht. Millionen Menschen auf der Welt haben noch nie an einer freien, gleichen und geheimen Wahl teilgenommen. Auch autoritäre Staaten lassen wählen – doch wo Oppositionelle verfolgt oder von einer Kandidatur ausgeschlossen werden, Medien nicht frei berichten können und das Ergebnis faktisch vorgegeben ist, bleibt von einer demokratischen Wahl nichts übrig.
Wir in Deutschland haben dagegen die freie Wahl – im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Recht müssen wir mit aller Kraft verteidigen. Denn unsere eigene Geschichte zeigt, wohin es führen kann, wenn Demokratie und Rechtsstaat ausgehöhlt werden. Die nationalsozialistische Diktatur fiel 1933 nicht vom Himmel. Die Demokratie wurde Schritt für Schritt beseitigt, politische Gegner wurden verfolgt, Grundrechte außer Kraft gesetzt und freie Meinungsäußerung unterdrückt. Daraus erwächst eine Verantwortung: Demokratie braucht Menschen, die aufmerksam bleiben und ihre Rechte wahrnehmen. Dazu gehört am Sonntag der Gang zur Wahlurne.
- Wählen zu gehen, ist ein hohes Gut
- Foto: Nina Dede/LK Stade
- hochgeladen von Jörg Dammann
Bei der Kommunalwahl geht es dabei keineswegs um „kleine Politik“. Es geht um unser unmittelbares Lebensumfeld: um Kitas und Schulen, Straßen und Radwege, Feuerwehren, Sportstätten, Kultur, Ortsentwicklung und vieles mehr. Tausende Kandidaten sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Ihnen gebührt Respekt – unabhängig davon, welcher demokratischen Partei oder Wählergemeinschaft sie angehören. Ebenso liegt Verantwortung bei uns Wählerinnen und Wählern: Wir entscheiden, wem wir für die kommenden Jahre unsere Stimme und damit politische Gestaltungsmacht anvertrauen.
Unzufriedenheit gehört zur Demokratie. Man darf über Politik schimpfen, Entscheidungen kritisieren und Veränderungen fordern. Meinungsfreiheit bedeutet gerade, dass Widerspruch erlaubt ist. Doch wer seine Stimme abgibt, sollte auch darauf schauen, wofür Kandidaten und Parteien stehen: Respektieren sie Menschenwürde und Rechtsstaat? Akzeptieren sie demokratische Entscheidungen? Schützen sie Meinungs- und Pressefreiheit? Sind sie bereit, politische Gegner als demokratische Mitbewerber anzuerkennen?
Denn Freiheit erhält sich nicht von allein.
„Die Gedanken sind frei“ – das ist mehr als der Text eines alten Liedes. Wir wollen frei denken. Wir wollen unsere Meinung frei äußern. Und wir wollen frei darüber entscheiden können, wer uns politisch vertritt. Deshalb die Bitte an Sie, liebe Leserinnen und Leser:
Gehen Sie wählen.
Jörg Dammann,
Redaktionsleiter
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