Knapp 80 Prozent für den Stader Landrat
Kai Seefried bezeichnet Wahlsieg als " großes Vertrauenssignal"
- Freude über den Wahlsieg: Kreiswahlleiter Thorsten Heinze (li.) gratuliert seinem alten und neuen Chef Kai Seefried. Seefrieds Frau Julia und Tochter Marie freuen sich mit ihm
- Foto: jd
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Wenn es bei dieser Kommunalwahl im Landkreis Stade einen eindeutigen persönlichen Gewinner gibt, dann heißt er Kai Seefried. Vier von fünf Wählern stimmten für den amtierenden CDU-Landrat, der seit 2021 im Amt ist. Und Seefried selbst? Der zeigte sich vom Ausmaß seines Erfolges durchaus überrascht. Denn rund 80 Prozent Zustimmung sind ein ziemlich deutliches politisches Ausrufezeichen. „Im Grundsatz ist das Wahlergebnis besser, als ich es in den letzten Tagen erwartet habe“, sagt Seefried nach der Wahl. Sein erster Gedanke sei deshalb ein Dank für dieses „große und starke Vertrauenssignal“.
Sein Gegenkandidat Werner Jacobs von der AfD warf erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist den Hut in den Ring. SPD und Grüne hatten darauf verzichtet, einen eigenen Bewerber gegen Seefried aufzustellen. Das darf durchaus als Anerkennung für dessen erste Amtsperiode verstanden werden – und vermutlich spielte auch die Erkenntnis eine Rolle, dass es ausgesprochen schwierig geworden wäre, einen aussichtsreichen Herausforderer zu finden.
Parteiübergreifender Rückhalt
Der Rückhalt über die Parteigrenzen hinweg – einmal abgesehen von den Rechtsaußen-Populisten der AfD – ist Seefried wichtig. „Ich bin besonders dankbar für die Unterstützung, die ich auch parteiübergreifend in den vergangenen Jahren, aber auch in diesem Wahlkampf erfahren durfte“, sagt der Landrat. Für ihn ist das Ergebnis zugleich eine Bestätigung für die Zusammenarbeit im Kreistag. Sein Anspruch sei in den vergangenen fünf Jahren gewesen, „nicht irgendeine Mehrheit im Kreistag zu haben, sondern die Politik insgesamt mitzunehmen“. Das sei aus seiner Sicht gelungen, so Seefried. Er bewertet als "starkes Zeichen", dass die anderen Parteien - außer der AfD - keine eigenen Kandidaten nominiert haben.
Der gelernte Tischlermeister packt an
Seefrieds Erfolgsrezept dürfte auch mit seinem Amtsverständnis zusammenhängen. Der gelernte Tischlermeister gibt nicht den unnahbaren Behördenchef, der sich hinter seinem Schreibtisch versteckt, sondern er packt an. In seiner ersten Amtsperiode wurden Strukturen im Kreishaus verändert und die Kreisverwaltung modernisiert. Das Ziel: mehr Service und eine Verwaltung, die sich als Dienstleister für die Bürger sieht. Seefried hat sich zugleich als Kümmerer positioniert. Egal, ob es um Konzepte zur Förderung der Wirtschaft in der Region, um die Sorgen der chemischen Industrie, um vernünftige Verkehrsverbindungen oder die Probleme auf der Schiene geht: Der Landrat mischt sich ein, sucht Gespräche und ist häufig vor Ort.
Politisch aufgeheizte Stimmung
Zur Wahrheit dieses Wahlabends gehört allerdings auch die andere Zahl. Rund jeder fünfte Wähler gab dem AfD-Kandidaten Werner Jacobs seine Stimme – obwohl dieser zuvor kommunalpolitisch noch nie in Erscheinung getreten war. Das passt zum Ergebnis der Kreistagswahl, bei der die AfD von drei auf elf Mandate zulegt. Die aufgeheizte politische Stimmung im Land, befeuert von den Hasskampagnen der Rechtsaußen-Populisten, ist jetzt auch endgültig im Landkreis Stade angekommen. Gerade deshalb bekommt Seefrieds Ergebnis zusätzliches Gewicht. Er selbst spricht von einer politisch „angespannten Stimmungslage“. Mit einem solchen Ergebnis in die nächste Wahlperiode gehen zu können, empfinde er als „große Rückendeckung für mich und für meine Arbeit“.
Von 56 auf fast 80 Prozent
Auch wenn die 20 Prozent für einen so gut wie unbekannten Gegenkandidaten nachdenklich machen: Seefried hat sein Wahlergebnis im Vergleich zur Landratswahl vor fünf Jahren um 24 Prozentpunkte gesteigert - von knapp 56 Prozent im Jahr 2021 auf jetzt fast 80 Prozent. Das soll ihm bei der Union anderswo in Deutschland erst einmal jemand nachmachen. Bayern-Regent Markus Söder, der in Stade kürzlich seinen einzigen Auftritt im Niedersachsen-Kommunalwahlkampf absolviert hat, müsste angesichts solcher Zustimmungswerte eigentlich vor Neid erblassen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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