3.500 Jahre altes Grab in Stelle entdeckt

Prof. Dr. Reiner Maria Weiss (v. li.), Jan Bock und Jochen Brandt zeigen Fundstücke
aus der Bronzezeit   Fotos: thl
2Bilder
  • Prof. Dr. Reiner Maria Weiss (v. li.), Jan Bock und Jochen Brandt zeigen Fundstücke
    aus der Bronzezeit Fotos: thl
  • hochgeladen von Thomas Lipinski

Archäologen machen überraschende Funde auf Areal des Baugebietes "Grasweg West"

thl. Stelle. "Dieser Fund ist in mehrfacher Hinsicht eine echte Überraschung für uns." Jan Bock von Archäologenbüro "Archon Bock + Höppner" aus Buchholz ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass das, was er und seine Kollegen bei Grabungen im künftigen Baugebiet "Grasweg West" in Stelle gefunden haben, eine archäologische Sensation ist: die gepflasterte Sohle eines etwa 3.500 Jahre alten Hügelgrabes aus der Bronzezeit und davor gelagerte Urnengräber, die aus Nachbestattungen vor etwa 2.500 bis 3.000 Jahren stammen.
Seit Juni graben Bock und sein Team unter der Aufsicht des Kreisarchäologen Jochen Brandt auf dem Areal an der K86. "Eine gängige Praxis, wenn es Hinweise darauf gibt, dass an der Stelle, wo gebaut werden soll, Geschichtliches zu finden ist", erläuterte Brandt.
Und gefunden wurde viel. Zunächst kamen Überreste einer etwa 2.000 Jahre alten Siedlung zum Vorschein. Vor allem alte Tonscherben holten die Archäologen aus der Erde. Diese werden jetzt gewaschen und sortiert und anschließend im Magazin des Archäologischen Museums in Hamburg eingelagert. Rund 50 Meter weiter stießen sie dann auf das Hügelgrab. "Dass wir hier überhaupt etwas finden, hat uns schon überrascht", so Brandt. "Hügelgräber kennen wir eigentlich nur auf der Geest und nicht im Vorland, der Marsch. Das hat damit zu tun, dass die Toten früher quasi von oben über die Hinterbliebenen wachen sollten." Für die Archäologen erwies sich der Fund in zweifacher Hinsicht als Glücksfall. Zum einen ist das Hügelgrab offenbar die Ruhestätte einer herausragenden Persönlichkeit. Darauf lässt die Spitze einer Lanze oder eines Dolches schließen, die in dem Grab gefunden wurde. "Auch schon damals durfte nicht jeder Waffen tragen, sondern nur besondere Leute", erklärte Prof. Dr. Rainer Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums. Zum anderen wurde die Sohle des Grabes nur etwa 40 Zentimeter unterhalb der Grasnarbe gefunden. "Hier wurde nie tief gepflügt, sonst wäre das Grab Geschichte", weiß Brandt.
Geschichte ist das Grab aber trotzdem bald. Noch bis Ende dieser Woche sollen weitere Grabungen stattfinden, bei denen alle Funde fotografiert und dokumentiert werden. Danach wird das Areal zur Bebauung freigegeben. Wenn dann die Bagger rollen, ist das alte Grab für immer verschwunden.

Prof. Dr. Reiner Maria Weiss (v. li.), Jan Bock und Jochen Brandt zeigen Fundstücke
aus der Bronzezeit   Fotos: thl
Fein säuberlich haben die Archäologen die Sohle des Hügelgrabes freigelegt
Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Service

13. April: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
72,71: Inzidenzwert deutlich höher

(sv). Der Corona-Inzidenzwert im Landkreis Harburg ist am heutigen Dienstag, 13. April, wieder deutlich angestiegen: von 60,6 am Vortag auf aktuell 72,71. Über Ostern war die Inzidenz zurückgegangen, was laut RKI-Präsident Lothar Wieler unter anderem an weniger durchgeführten Tests lag (das WOCHENBLATT berichtete). Wieler betonte, dass sich erst im Laufe dieser Woche zeigen werde, wie sich die Corona-Zahlen nach den Osterferien tatsächlich entwickeln. Die Zahl der aktiven Fälle steigt...

Politik
Vorsitzender Dr. Lars Teschke (li.) und Gerd Kruse (beide Verein für gesunden Lebensraum) am Rübenberg bei Ohlendorf. Etwa 150 Meter von ihnen entfernt ist eine 200 Meter hohe 
Windkraftanlage geplant

Naturschutz contra Energiewirtschaft
Wirbel um geplantes 200 Meter hohes Windrad bei Ohlendorf

ts. Ohlendorf. Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Wohnen, Gewerbe oder Naturschutz - die Konkurrenz um Flächen ist groß. In Seevetal ist deshalb die Absicht der Enertrag AG mit Sitz in Dauerthal (Brandenburg) umstritten, eine 200 Meter hohe Windkraftanlage am Rübenberg bei Ohlendorf zu errichten. Dazu müsste der Landkreis Harburg genehmigen, dass die Anlage näher an Wald, Wegen und Wohnbebauung heranrücken darf, als es geltende Abstandsregeln vorsehen. Im laufenden Genehmigungsverfahren hat...

Service
Ein Schnelltest gibt Aufschluss, ob man das Virus in sich trägt
3 Bilder

Kostenlose Schnelltests in Apotheken oder Testzentren helfen im Kampf gegen die Pandemie
Mehr Sicherheit im Alltag

(sb). Seit dem 8. März hat jeder Bürger einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Coronatest. Er gilt als wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Denn jede frühzeitig erkannte Infektion trägt dazu bei, das Virus einzudämmen. Finanziert werden die Tests und deren Durchführung vom Bund, für den Bürger entstehen keine Kosten. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wird das Personal bereits seit mehreren Monaten regelmäßig auf eventuellen Virenbefall geprüft. Jetzt gibt es das auch...

Panorama
Manfred Pankop zeigt die ärztliche Bescheinigung, dass er aus 
gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen muss

Neu Wulmstorfer fühlt sich aufgrund seiner Erkrankung diskriminiert
"Wo darf ich noch ohne Maske einkaufen?"

sla. Neu Wulmstorf. Manfred Pankop ist verzweifelt. Im vergangenen Jahr wurde der 65-Jährige wegen Verdachts auf Lungenkrebs an der Lunge operiert. Zum Glück bestätigte sich der Verdacht nicht, da es sich um einen gutartigen Tumor handelte, der ihm entfernt wurde. Dennoch ist der Neu Wulmstorf seitdem gesundheitlich stark beeinträchtigt und ausgesprochen kurzatmig. Insbesondere das Tragen der Corona-Schutzmaske verursache bei ihm regelrechte Atemnot, verbunden mit extremen Hustenanfällen. "Ich...

Panorama

Corona-Ausbrüche in vier Betrieben: Fälle hängen miteinander zusammen
Inzidenzwert im Landkreis Stade liegt drei Tage hintereinander über 100

jd. Stade. Drei Tage hintereinander eine Sieben-Tage-Inzidenz jenseits der 100er-Marke: Der Landkreis Stade gilt jetzt als Hochinzidenzgebiet. Welche Konsequenzen das haben kann, ist allerdings noch offen. Am Sonntag lag der Inzidenzwert erstmals in diesem Jahr über 100. Gemeldet wurden 113,0 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Am Montag war der Wert mit 112,0 Fällen pro 100.000 Einwohner nur unwesentlich niedriger. Für den heutigen Dienstag wird eine Inzidenz von 113,9...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen