Wirbel um Wahlplakate in Stelle
Fragwürdige Motive gaben Rätsel auf
- 50 dieser Plakate hängen derzeit überall in Stelle - über Inhalt und Ästhetik ärgern sich die Anwohner
- Foto: Jan Filter
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In der Gemeinde Stelle sorgt aktuell ein umstrittenes Wahlplakat für Unmut unter Anwohnern. Zu sehen sind darauf drastische Karikaturen, die tief in die antisemitische Mottenkiste greifen. Nachdem besorgte Bürger das WOCHENBLATT alarmierten, schritt die Verwaltung ein und forderte zumindest das fehlende Impressum nach.
Das Plakat sticht ins Auge - nur leider nicht im positiven Sinn. Gut verstreut in den Straßen der Gemeinde Stelle hängen sie, teils auch etwas versteckt in reinen Wohnstraßen. Doch statt deutlich erkennbar für ein konkretes kommunalpolitisches Ziel oder eine Partei oder einen Kandidaten zu werben, richten sie sich offenbar pauschal gegen alle Parteien und Politiker. Viele Steller Bürger, die mit diesen Motiven direkt vor ihren Haustüren leben müssen, zeigten sich von der Ästhetik und dem Inhalt verstört und wandten sich an die Redaktion.
Ein genauer Blick auf die Bildsprache offenbart denn auch deutliche Parallelen zu klassischen antisemitischen Erzählungen. Unten im Bild raffen Figuren mit überzeichneten, hakenförmigen Nasen und Zigarren gierig Geld zusammen. Oben wird der ehrlichen, hart arbeitenden Bevölkerung im Blaumann das Geld über einen Trichter weggenommen. Gesteuert wird das System von einer unsichtbaren Hand mit EU-Symbol, die im Hintergrund an einem Hebel zieht. Diese Darstellung bedient die uralte, gefährliche Verschwörungserzählung vom „Puppenspieler“ und trennt nach historischem Vorbild zwischen „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital. Auch der Slogan „Las Verrat Germany“ schlägt in diese Kerbe und suggeriert einen permanenten Verrat am eigenen Volk.
Wer dahinter steckt, wird jedoch erst auf den zweiten Blick erkennbar. ebenso, ob es sich überhaupt um ein Wahlplakat handelt. Denn es gibt keine Parteisymbole darauf und noch nicht mal das eigentlich vorgeschriebene Impressum. Erst, wenn man wirklich genau hinschaut, offenbart sich der Urheber: Unten links auf dem Plakat prangt auf einem blauen Pullover relativ unauffällig der Name „M. Blottnicki“. Blottnicki indes ist in Stelle kein Unbekannter. Er sitzt seit 2021 im Gemeinderat. Damals trat er für die AfD an. Mittlerweile agiert er als parteiloses Mitglied.
Auf Nachfrage des WOCHENBLATT erklärte die Gemeinde Selle, dass für den Urheber des Plakates das Aufhängen von 50 Plakaten im öffentlichen Raum offiziell genehmigt sei. „Für Wahlwerbung an sich existiert keine übergeordnete gesetzliche Regelung“, stellt die Verwaltung klar. Die Plakate seien grundsätzlich durch die Meinungs- und Kunstfreiheit sowie das Parteienprivileg des Grundgesetzes geschützt. Die inhaltliche Verantwortung trage allein der Verfasser. Da Blottnicki jedoch das gesetzlich vorgeschriebene Impressum weggelassen hatte, hakte die Gemeinde nach. Der Verfasser hat dieses inzwischen nachträglich angebracht.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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