Seriöse Schädlingsbekämpfer warnen vor Abzockern
Kostenfalle Kammerjäger

Annika und Sascha Husen von Schädlingsbekämpfung Husen warnen vor Abzocke | Foto: pm
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Es beginnt oft mit einem Summen oder Krabbeln: Wespen bauen ein Nest unter dem Dach, Ameisen durchziehen die Küche in langen Kolonnen oder Ratten huschen über den Hof. Wer dann in Panik nach Hilfe sucht, landet schnell auf scheinbar "echten" und gut gepflegten Internetseiten. Doch Vorsicht: Nicht jeder Schädlingsbekämpfer ist seriös – und manche nutzen die Notlage ihrer Kunden gnadenlos aus.
Annika und Sascha Husen von „Schädlingsbekämpfung Husen“ erleben es regelmäßig: verzweifelte Anrufe von Menschen, die auf dubiose Dienstleister hereingefallen sind. "Gerade ältere Leute werden oft Opfer solcher Betrüger", berichten die beiden Experten. Doch auch jüngere Kunden sind schnell überrumpelt und zahlen, was von ihnen gefordert wird.

Foto: Adobe Stock/Carmen Hauser

Die Masche sei meist dieselbe: Über gesponserte Beiträge erscheinen die Anbieter ganz oben in Suchmaschinen, die Webseiten wirken professionell und suggerieren einen regionalen Sitz – doch dahinter verbergen sich Unternehmen, die weder aus der Gegend stammen noch fachgerecht arbeiten.

Nepp bei der Wespenbekämpfung

Betrugsopfer zahlten Tausende

„Ein Kunde hat kürzlich 2.800 Euro für die Entfernung eines Ameisennests gezahlt – bei nur einem einzigen Einsatz. Das ist unrealistisch“, sagt Sascha Husen. Auch für das Entfernen eines Wespennests würden manche Firmen bis zu 1.600 Euro verlangen. Seriös sei je nach Aufwand und Anfahrt ein Preis zwischen 145 und 300 Euro.

Foto: Adobe Stock/Carmen Hauser

Oft setzen die Betrüger die Betroffenen massiv unter Druck. Eine Vor-Ort-Zahlung ist, ob bar oder mit Karte, zwar nicht ungewöhnlich, jedoch sollte der vorher vereinbare Preis eingehalten und eine Rechnung ausgestellt werden. "Die Kunden stehen dann unter Schock und bezahlen", sagt Annika Husen. Besonders perfide: Manche Seiten nutzten sogar unerlaubt den Namen des Unternehmens Husen – eine Anzeige bei der Polizei folgte umgehend.

Wie Verbraucher sich schützen können

Die Verbraucherzentrale rät zu besonderer Vorsicht bei vermeintlichen Notdiensten. Viele dieser Anbieter geben keine festen Preise an, täuschen regionale Erreichbarkeit vor und sind im Ernstfall nicht mehr greifbar. Das bedeutet: keine Dienstleistung ohne vorherige Preisvereinbarung, keine Bezahlung unter Druck. Im Zweifel die Polizei rufen, denn Nötigung ist strafbar. Wichtig sei es auch, vor einer Beauftragung das Impressum zu prüfen: Gibt es einen realen Betriebssitz? Gibt es Bewertungen – und klingen diese plausibel? Stimmen Adresse und Standort bei Google Maps überein? Sascha Husen weiß: „Ein echter Fachbetrieb stellt immer eine ordentliche Rechnung aus – mit vollständigen Angaben, Steuernummer und Nachvollziehbarkeit.“
Ob Abhilfe unbedingt sofort passieren muss, sollte sich zudem jeder selbst fragen. „In den meisten Fällen gibt es keinen Grund für Notfallnummern“, sagt Annika Husen. Probleme mit Schädlingsbefall entstehen nicht über Nacht. Wer sich frühzeitig kümmert, kann sich Zeit nehmen, seriöse Anbieter zu vergleichen. Sollte es tatsächlich eilig sein, rät sie zu einem Anruf bei regionalen Betrieben: "Man kann fast immer kurzfristig einen Termin bekommen – mit fairen Zuschlägen."

Nur Fachbetriebe dürfen Wespen entfernen

Gerade bei Wespen ist außerdem Vorsicht geboten: Sie stehen unter Naturschutz und dürfen nur entfernt werden, wenn eine konkrete Gefahr besteht – etwa für Allergiker oder in Kitas. Unsachgemäße Bekämpfung kann Bußgelder von 5.000 bis zu 65.000 Euro nach sich ziehen. Fachbetriebe beraten hier verantwortungsvoll und entscheiden individuell – nicht jeder „Kammerjäger“ darf einfach loslegen.
Seriöse Hilfe finden
Wer Hilfe braucht, sollte sich an bekannte Unternehmen mit IHK-Ausbildung, an Umweltämter oder lokale Schädlingsbekämpfer wenden. Auch Plattformen wie der „Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung“ oder der „Deutsche Schädlingsbekämpfer Verband“ bieten geprüfte Adressen. Und nicht zuletzt gilt: Mundpropaganda und gesunder Menschenverstand helfen oft mehr als ein Klick auf den ersten Google-Treffer.

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Redakteur:

Pauline Meyer aus Neu Wulmstorf

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