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"Plötzlich hatte sie ein Messer und stach damit zu"

Volker K. (blaues Hemd) beim Prozessauftakt im Gespräch mit seinen beiden Anwälten Foto: thl

Wende im Prozess um Mord an Ehefrau in Winsen? / Angeklagter spricht von Notwehr

thl. Lüneburg. "Doreen ging die Treppe hoch, ich hinterher. Ich wollte mit ihr wegen der Kinder reden. Plötzlich holte sie ein Messer unter ihrem Pullover hervor, stach damit in Richtung meines Unterleibes und traf meinen Oberschenkel. Ich wollte mich wehren. Es entstand ein Gerangel, in dessen Verlauf ich das Messer in die Hand bekam. Dann stach ich zu. Wie oft, weiß ich nicht mehr. Als mir klar wurde, was ich gemacht habe, rief ich den Notarzt." So die Einlassung von Volker K. (47).
Wie das WOCHENBLATT berichtete, muss sich der zweifache Familienvater vor der 4. Großen Strafkammer des Lüneburger Landgerichtes verantworten, weil er am 27. Mai vergangenen Jahres seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Doreen (40) in deren Haus an der Straße Münze in Winsen erstochen hat. Der Staatsanwalt wirft K. das Mordmerkmal der Heimtücke vor und will ihn lebenslang hinter Gittern sehen. Die Verteidigung will hingegen nichts von einem Mord wissen. Ihre Strategie: Volker K. hat in Notwehr und anschließend im Effekt gehandelt. Sollte das Gericht dem folgen, könnte K. am Ende freigesprochen werden oder mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.
In der Einlassung Volker K.'s, die zumeist von einem seiner beiden Verteidiger verlesen wurde, ging es zunächst um Grundsätzliches. Wie K. aufwuchs, wann er seine Frau kennenlernte, wann die Kinder geboren wurden und wann man schließlich von Brandenburg über Hamburg und Toppenstedt nach Winsen zog.
2015 sei sein Vater gestorben, das habe einen tiefen Einschnitt in das Leben des Angeklagten gegeben, hieß es. K. sei danach antriebslos geworden. Ende 2017 habe Volker K. erfahren, dass sich seine Frau mit einem Arbeitskollegen treffe. Einen Monat später habe sich Doreen getrennt. In der Folge habe es immer wieder Streit wegen der Kinder gegeben, so auch am Tattag.
Den Tattag schildert Volker K. wie folgt: Er sei morgens zum Haus seiner Frau gefahren, um mit ihr zu reden, doch sie sei nicht da gewesen. K. blieb aber vor Ort, trank Bier und Wein. Erst abends traf er seine Frau an. "Ich bin durch die Hintertür des Grundstücks in den Garten gegangen. Dort habe ich kurz mit den Kindern gesprochen, die dort spielten. Doreen war auf der Terrasse und ging ins Haus. Ich bin ihr hinterher", so der Angeklagte. Dann sei es zu dem tragischen Vorfall gekommen. Was geschehen ist, tue ihm unendlich leid. Er habe die Tat nie geplant. "Ich würde alles dafür geben, es wieder rückgängig zu machen", sagte Volker K. "Dabei geht es mir in erster Linie nicht um mich, sondern um meine verstorbene Frau und meine beiden Kinder, die ihre Mutter sehr geliebt haben."
Bleibt die Frage, ob das Gericht der Einlassung K.'s folgt. Fakt ist, direkte Tatzeugen gibt es offenbar nicht. Ob die Kinder etwas gesehen haben oder erst nach den Schreien der Mutter ins Haus gelaufen sind, ist unklar.
Der Prozess geht am Freitag, 1. März, weiter. Dann soll eine weitere Nachbarin, bei der die Kinder nach der Tat zunächst untergekommen waren, gehört werden. Wann es zu einem Urteil kommt, ist derzeit noch völlig offen.