Berufsorientierung mit Praxisbezug
Eckermann-Realschule bringt Schüler in die Werkstatt
- Lukas Voß und Tim Sünder beulen einen Kotflügel aus
- Foto: Anika Werner
- hochgeladen von Anika Werner
Die Luft riecht nach Metall und Lack. Hämmer klopfen auf Blech, eine Stoßstange wird geschmolzen, geklammert, gespachtelt. Mitten drin: Lukas Voß und Tim Sünder, beide 16 Jahre alt, beide kurz vor dem Abschluss der zehnten Klasse. Der Wahlpflichtkurs „Karosseriebau und Lackierung“ hat sie heute in die Werkstatt des Unfall- und Lackierzentrums Neubauer geführt. „Ich schraube gern an Motorrädern“, sagt Tim. Lukas ergänzt: „Wir haben zu Hause ein altes Haus renoviert. Da lernt man einiges.“ Für beide steht fest: Nach der Schule soll eine Ausbildung folgen.
Seit fünf Jahren besteht die Kooperation zwischen der Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen und dem Betrieb. Alle fünf bis sechs Wochen findet hier ein Werkstatttag statt. Zwei Azubis übernehmen die Anleitung, ein Meister schaut mit drüber. Geschäftsführer Sönke Neubauer sieht darin einen echten Gewinn: „Die Schüler bekommen einen realistischen Einblick ins Handwerk. Sie können ausprobieren, ob das was für sie ist. Und wir lernen mögliche Auszubildende früh kennen.“ Denn: „Viele Jugendliche haben sonst kaum Kontakt zum Handwerk und eine ganz falsche Vorstellung davon.“
Auch Junos Blasch (15) und Joshua Scheffczyk (16) greifen an diesem Tag zu Fräse und Spachtel. Sie arbeiten an einer beschädigten Stoßstange. Junos kann sich gut vorstellen, einmal Kfz-Mechatroniker zu werden. Joshua dagegen möchte sein Abitur machen. Dass beide vom praktischen Unterricht profitieren, steht außer Frage. Die Aufgaben fordern, machen Spaß, zeigen, was möglich ist.
Möglich macht das Ganze ein Lehrer mit Benzin im Blut: Arndt von Diepenbroick. Vor seiner Laufbahn als Pädagoge hat er Kfz-Mechatroniker gelernt. Als Schulleiter Andreas Neises ihn fragte, wofür er privat brennt, war schnell klar, wohin die Reise geht. Heute unterrichtet von Diepenbroick den Wahlpflichtkurs mit großer Begeisterung: „Ich habe noch nie so gern gearbeitet wie jetzt.“ Der regelmäßige Austausch mit Betrieben, das Lernen mit den Händen, das echte Erleben – das motiviert auch ihn.
„In jedem steckt irgendeine Leidenschaft“, sagt Schulleiter Neises. „Unsere Aufgabe ist es, diese bei Lehrern und Schülern zu entdecken.“ Die Wahlpflichtkurse der Schule setzen genau dort an. Ob Fahrzeugtechnik, Landwirtschaft, Sozialberufe oder Schulimkerei – überall geht es darum, das Klassenzimmer zu öffnen und das Leben hereinzulassen. Möglich wird das durch zahlreiche Kooperationspartner aus der Region: Feldbinder, Bike Park Timm, das Deutsche Rote Kreuz, Amazon und weitere Betriebe unterstützen die Schule mit Praxisphasen, Einblicken und echtem Erfahrungswissen.
An diesem Tag erlebt Arndt von Diepenbroick übrigens noch etwas Besonderes. In der Werkstatt trifft er zwei ehemalige Schüler aus seinem WPK-Kurs im vergangenen Schuljahr. Sie haben nach ihrem Abschluss hier ihre Ausbildung begonnen. Das zeigt, wie gut das Konzept funktioniert. Und wie viel mehr Schule sein kann, wenn sie den Mut hat, neue Wege zu gehen.
Redakteur:Anika Werner aus Winsen |
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