"Haben keine natürlichen Feinde"

Nach der Jagd wurde die Strecke gelegt
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Das WOCHENBLATT begleitete eine Drückjagd auf Wildschweine rund um Salzhausen / Muffelwild durch den Wolf vom Aussterben bedroht?

thl. Garlstorf. Es ist kurz nach 10.30 Uhr an diesem wolkenverhangenen Morgen, als auf dem Meierhof in Garlstorf so langsam der Betrieb beginnt. "Wir führen heute eine Drückjagd durch, vorwiegend auf Schwarzwild", erläutert "Hausherr" Horst Günter Jagau. Grund: Man wolle die Population der Wildschweine eindämmen. "Es gibt zu viele davon. Sie verursachen einen erheblichen Schaden in der Landwirtschaft. Außerdem können die die afrikanische Schweinepest verbreiten, die sich derzeit vom Osten ausweitet", so Jagau weiter.
Gegen 11 Uhr sind alle elf Jäger vor Ort. Jagau gibt eine kurze Einweisung, wer sich wo auf welchem Ansitzbock postieren soll und erteilt Sicherheitsanweisungen. Anschließend werden die Jagdscheine kontrolliert. "Nur wer einen gültigen Jagdschein hat, darf auch mitmachen", so Horst Günter Jagau. Rund eine Stunde später sind alle Formalitäten erledigt - die Jagd kann beginnen. Mittlerweile hat sich der Frost, der morgens noch herrschte, verzogen. Das Thermometer zeigt fünf Grad Plus, der vorhergesagte Regen setzt erst später ein.
Vier Treiber streifen mit zwei Hunden durch den Wald, wollen die Wildschweine und Rehe aufscheuchen und sie in Richtung der Aufsitzböcke jagen, wo die anderen Jäger schießbereít sitzen. Einer von ihnen ist Wilhelm Holsten. Er wird an diesem Tag kein Tier erlegen. "Mir ist nur ein flüchtendes Reh vor die Flinte gelaufen. Aber wir schießen nicht von hinten auf flüchtende Tiere", so der passionierte Jäger.
"Die Jagd ist revierübergreifend", erklärt Jagau. In insgesamt sieben Revieren rund um Salzhausen sind heute um die 120 Jäger unterwegs. Deshalb ist auch traditionell die L234 zwischen Garstedt und Salzhausen gesperrt und das Betreten der dortigen Wälder verboten. "Wir können weder die Wildschweine noch die Suchhunde lenken. Deswegen wollen wir kein Risiko eingehen und mit der Sperrung eine Gefährung Unbeteiligter verhindern", so der Waidmann weiter.
Wir stapfen durch den Wald. Durch die Nässe der vergangenen Tage ist der Boden teilweise sehr aufgeweicht und matschig. Hinzu kommt, dass die Kälte so langsam aber sicher ihren Weg in die Kleidung gefunden hat. Gut, dass ich einen Taschenwärmer dabei habe. Den haben einige Jäger übrigens auch, obwohl sie das Wetter eher gewohnt sind als so ein "Drehstuhlpilot" wie ich.
Kurze Zeit später entdeckt Jagau eine Rotte Wildschweine in einem Brombeerbusch. Erst als er einen Keiler darin erlegt hat, treten sie anderen Tiere die Flucht an. Ein weiteres Wildschwein wird noch geschossen, die anderen entkommen. Warum ist der Tierbestand überhaupt so hoch? "Wildschweine haben keine natürlichen Feinde. Selbst der Wolf wagt sich nicht an sie heran. Denn ein einzelner hat gegen eine Rotte keine Chance", weiß Jagau. Und doch spielt der Wolf auch bei dieser Jagd eine Rolle. "Wir haben kein Muffelwild gesehen, nur eine alte Hornschnecke gefunden. Man muss sehen, ob das Zufall war", sagt Horst Günter Jagau nachdenklich. Grund: In der Göhrde gibt es durch den Wolf schon kein Muffelwild mehr.
Um 14.30 Uhr ist die Jagd beendet. Mittlerweile hat auch Nieselregen eingesetzt. Es geht zurück zum Meierhof, wo die geschossenen Tiere aufgebrochen (ausgenommen) werden. Sechs Wildschweine und zwei Rehe wurden erlegt. Ein weiterer Keiler, der vermutlich getroffen wurde, aber flüchten konnte, wird noch im Wald gesucht. Dafür wird ein Schweißhund eingesetzt. Anschließend wird die Strecke gelegt. Jagau verteilt kleine Tannenzweige an die erfolgreichen Jäger. "Das ist der sogenannte Bruch, ein altes Jagdritual." Anschließend geben die Jagdhornbläser Katharina Jagau und Hans-Georg Stolte die Signale "Wildschwein tot", "Reh tot" und "Halali". Damit ist die Jagd beendet.
Die geschossenen Tiere kommen in die Kühlung und werden für den Eigenbedarf genutzt oder an den Wildhandel verkauft. Die entnommenen Innereien werden vom Abdecker abgeholt und entsorgt. thl. Garlstorf. Im Revier "Jagau" wurden sechs Wildschweine und zwei Rehe erlegt. Die gesamte Strecke aller sieben Reviere beläuft sich auf 20 Wildschweine und 17 Rehe. Gesamtstrecke

Nach der Jagd wurde die Strecke gelegt
Katharina Jagau und Hans-Georg Stolte gaben das Signal für das Jagd-Ende
Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

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