Landkreis Harburg
Warum so viele noch auf Glasfaser warten

Im Landkreis verläuft der Glasfaserausbau schleppend  | Foto: Fotos: AdobeStock/ThomBal, Calado Fotomontage: MSR
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  • Im Landkreis verläuft der Glasfaserausbau schleppend
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Der Glasfaserausbau ist eine Katastrophe. Nicht nur die privatwirtschaftlichen Unternehmen, auch der Landkreis Harburg selbst kommen trotz staatlicher Förderung nicht hinterher. Ein feierlicher Spatenstich für schnelles Internet wurde bereits 2016 in Appel (Samtgemeinde Hollenstedt) vorgenommen. Doch noch immer quälen sich Privat- wie Geschäftsleute mit lahmen Verbindungen herum.

Das WOCHENBLATT fragte erneut beim Landkreis nach den Ursachen. Als Gründe für den schleppenden Glasfaserausbau nennt der Landkreis Harburg:

Eklatanten Fachkräftemangel in der Branche, insbesondere im Bereich der Tiefbau- und Glasfasermontagetechnik. Das schlage sich teilweise auch auf die Qualität der Arbeiten nieder. So habe es im Projektverlauf mehrfach aufgrund mangelnder Leistungserbringung oder Qualitätsproblemen einen Austausch von Subunternehmern gegeben.

Herausforderungen bei der Materialbeschaffung, die durch die globale Lage in den zurückliegenden Jahren und auch aktuell erschwert wurde, zum Beispiel die Beschaffung bestimmter Tiefbaumaterialien (z. B. Leerrohre, Glasfaserkabel, Muffen, Schächte) aufgrund von Engpässen bei Herstellern und Lieferanten.

Aufwendige Genehmigungsverfahren bei Querungen von Straßen und Gewässern. Das betreffe u.a. den Bereich der Ilmenau-Kanalquerung, wo u.a. die Deichbehörde, das Wasserschutz- und Schifffahrtsamt sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes eingebunden waren und zudem Gestattungsverträge von diversen Grundstückseigentümern eingeholt werden mussten. Grundsätzlich haben Rückfragen und behördliche Auflagen die Bauausführung an verschiedenen Stellen immer wieder verlängert.

Zerstörung bzw. Beschädigung von Netzverteilerpunkten durch Dritte, z.B. durch Vandalismus oder unsachgemäße Erdarbeiten Dritter sowie Unfallschäden.

Versorgung mit Glasfaser ist Aufgabe
der Telekommunikationsunternehmen

Die Aufgabe der Versorgung mit Glasfaser liege aber eigentlich nicht beim Landkreis bzw. bei den Kommunen in Deutschland, sondern bei den Telekommunikationsunternehmen. "Für diese ist es wirtschaftlich aber nicht immer darstellbar, einen flächendeckenden Ausbau voranzutreiben, da der Anschluss abgelegener Haushalte hohe Investitionen bedingt, die sich durch die geringe Anschlusszahl nicht über Vertragsentgelte refinanzieren lassen", erläutert Kreissprecherin Katja Bendig auf WOCHENBLATT-Nachfrage.

Nach Beschluss durch den Kreistag hat der Landkreis Harburg 2015 aber die Chance wahrgenommen, über Fördermittel zumindest eng definierte Ortsbereiche im sogenannten eigenwirtschaftlichen Ausbau mit Glasfaser zu versorgen, soweit die Förderung des Bundes hierzu genutzt werden kann.

Für den Förderantrag wurden die Kosten auf der Grundlage einer Markterkundungsstudie auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Zuwendung des Bundes betrage knapp 16 Millionen Euro (50 Prozent). Zudem habe das Land eine pauschale Förderung in Höhe von sieben Millionen Euro zugesagt, wenn die Bundesförderung abgerechnet ist. "Die Eigenmittel teilen wir uns mit den am Projekt beteiligten Gemeinden", so Bendig.


25 Gemeinden haben einen
Kooperationsvertrag mit dem Landkreis

Zu Beginn des Projekts wurden die 42 Gemeinden des Landkreises Harburg kontaktiert und über die Möglichkeit der Teilnahme am geförderten Ausbau anhand der Ergebnisse der Markterkundung informiert. 25 Gemeinden sind einen Kooperationsvertrag mit dem Landkreis eingegangen, um einzelne Ortsbereiche, in denen die Markterkundung eine Unterversorgung von weniger als 30 Mbit/s festgestellt hat, in das Projekt einzuschließen. Insgesamt ging man von gut 6.500 Haushalten aus.

Die 25 beteiligten Gemeinden sind: Brackel, Egestorf, Hanstedt, Marxen, Undeloh, Appel, Drestedt, Halvesbostel, Hollenstedt, Regesbostel, Wenzendorf, Jesteburg, Neu Wulmstorf, Rosengarten, Gödenstorf, Salzhausen, Seevetal, Stelle, Dohren, Handeloh, Kakenstorf, Tostedt, Welle, Wistedt und Winsen (Stadt).

Warum es in 
einigen Kommunen hakt

In mehreren Kommunen hakt es noch beim Ausbau. Als Gründe nennt der Landkreis: "In vielen Ausbaugebieten handelt es sich um völlig neue Trassenverlegungen und schwer erschließbare Orte, was die Arbeiten zeitlich und logistisch anspruchsvoll macht. Besonders in Winsen-Hoopte und Laßrönne bestehen sehr strenge Auflagen durch Natur- und Deichschutz. Die Querung der Ilmenau war mit hohem technischen und genehmigungsrechtlichem Aufwand verbunden. Ein anderes Beispiel ist der Ortsteil Rübke in Neu Wulmstorf, wo es ebenfalls das Problem mit technisch anspruchsvollen Gewässerquerungen gab."

Hinzu komme als Auflage für die Förderung eine aufwendige Erstellung einer Dokumentation und deren Überprüfung, die erst erfolgen könne, wenn alle Arbeiten abgeschlossen wurden und eine Testmessung aller einzelnen Hausanschlüsse für den Kopplungspunkt stattgefunden habe. Auch hier komme es immer wieder zu Verzögerungen.

Nach aktueller Planung und in enger Zusammenarbeit mit dem Tiefbau- und Planungsunternehmen sowie dem Netzbetreiber solle der Ausbau in den geförderten Gebieten voraussichtlich im Sommer 2026 abgeschlossen sein.

Im Sommer 2025 beginnt laut Landkreis eine intensivere Übergabephase der einzelnen sogenannten Kopplungspunkte, die sich mit zweiwöchentlicher Terminplanung über ein ganzes Jahr hinziehen werde. Nach den Übergaben benötige die EWE jeweils noch Zeit zur Inbetriebnahme. Sei die erfolgreich erfolgt, werde sich die EWE TEL GmbH mit den Kundinnen und Kunden in Verbindung setzen, um die Glasfaseranschlüsse freizuschalten.

Der Tiefbau sei bereits in weiten Teilen abgeschlossen: In vielen Bereichen seien Leerrohrtrassen verlegt und Hausanschlüsse bis an oder in die Gebäude geführt worden. Die Netztechnik, insbesondere das Einblasen der Glasfaserkabel sowie die Installation der Hausübergabepunkte (HÜP), werde derzeit sukzessive durchgeführt. Viele Haushalte im Ausbaugebiet würden bereits als technisch erschlossen gelten.
"In zahlreichen Gebäuden wurde der HÜP bereits installiert. Auch an weiteren Adressen wurde vorausschauend gehandelt: Dort wurde zumindest ein Glasfaseranschluss bis zur Grundstücksgrenze gelegt, selbst wenn keine sofortige Nutzung vorgesehen war. Auf diese Weise können spätere Erschließungskosten reduziert und möglichst viele Haushalte langfristig an das Netz angebunden werden", so die Kreissprecherin.

Im Landkreis verläuft der Glasfaserausbau schleppend  | Foto: Fotos: AdobeStock/ThomBal, Calado Fotomontage: MSR
Am Schaltkasten (v. li.): Yannes Gaedke (Landkreis), Dirk Johannmeyer (Kuhlmann-Leitungsbau), Jasper Strauß (Kirchner Ingenieure), Dr. Alexander Stark (Landkreis), Carsten Weiss (Geschäftsführer Firma Kuhlmann-Leitungsbau), Frank Pippel (EWE Tel), Landrat Rainer Rempe       
und Ulrich Meißner (Landkreis) | Foto: Landkreis Harburg
Redakteur:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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