Therapiebegleithunde in Winsen
Wie SupportDogs Menschen zum Lachen bringen

Faye liegt entspannt im Gras und wartet auf ihren Arbeitseinsatz | Foto: Sabine Neumann-Heinen
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  • Faye liegt entspannt im Gras und wartet auf ihren Arbeitseinsatz
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Faye liegt entspannt auf dem Rasen, die Ohren halb nach hinten gelegt, die Augen halb geschlossen. Kaum zu glauben, dass aus dieser Ruhe in wenigen Sekunden gespannte Aufmerksamkeit werden kann. Doch als Sabine Neumann-Heinen ihr das Arbeitsgeschirr zeigt, springt Faye auf, wedelt heftig mit der Rute und kann es kaum erwarten, loszulegen. Ein Signal von Sabine und Faye ist ganz bei der Sache. Zielstrebig, freudig, konzentriert.

Faye ist eine reinrassige Bracke, ein Gonczy-Polski, ein Hund mit feiner Nase und einem offenen Wesen. Sie ist das beste Beispiel dafür, was Sabine in ihrer Hundeschule DOGSCODE in Winsen vermittelt: Vertrauen zwischen Mensch und Tier, das auf gemeinsamer Arbeit und echter Verbindung beruht. Hier lernen Hunde nicht nur „Sitz“ und „Platz“. Sie lernen, Menschen zu helfen.

Sabine Neumann-Heinen ist zertifizierte Assistenzhundetrainerin, doch ihr Herz schlägt vor allem für die Ausbildung von Therapiebegleithunden. Die ausgebildeten Hunde nennt sie „SupportDogs“. Diese Hunde besuchen später Altenheime, Kindergärten oder Schulen und bringen dort Freude, Ruhe und Nähe. „Unsere Teams arbeiten vornehmlich ehrenamtlich“, sagt Sabine. „Sie wünschen sich nur eine kleine Aufwandsentschädigung, etwa 30 Euro pro Einsatz.“

In der Hundeschule DOGSCODE lernen Mensch-Hund-Teams, was echte Zusammenarbeit bedeutet. Die Tiere werden zu SupportDogs ausgebildet, also geprüften Therapiebegleithunden, die ehrenamtlich Menschen besuchen und Momente schaffen, die bewegen. „Es ist jedes Mal etwas Besonderes, wenn ein Hund einen Raum betritt“, sagt Sabine. „Egal ob in der Schule oder im Altenheim – plötzlich ist da ein Lächeln, wo vorher keins war.“

Die Hunde arbeiten ganz unterschiedlich. Manche besuchen Kinder, die beim Vorlesen üben. Diese sogenannten Vorlesehunde sitzen einfach still daneben, hören zu, sind geduldig. Kinder verlieren die Angst vorm Fehler, weil der Hund sie nie korrigiert. Andere SupportDogs kommen in Pflegeheime oder arbeiten in der Sonderpädagogik. Auch Hospize und ergotherapeutische Einrichtungen soll ab dem kommenden Jahr mit betreut werden. Dort spielen sie mit Bewohnern, unterstützen durch Mit- oder Vormachen kognitive oder motorische Fähigkeiten oder lassen sich von Bewohnern einfach nur gern über ihr Fell streichen.

Alle Hunde lernen bestimmte Hilfen, um Menschen zu animieren oder ihnen Mut zu machen. Faye kann zum Beispiel würfeln: sie stupst den großen Schaumstoffwürfel mit der Nase an und beobachtet, was fällt. Oder sie zieht eine Karte aus einem Stapel, als würde sie beim Spielen mitmachen. „Das bringt die Leute zurück zu ihren Erinnerungen, zum Verstehen oder auch nur zum Lachen“, erzählt Sabine. „Und plötzlich sind sie wieder mitten im Moment, vergessen Schmerzen oder Sorgen.“

Doch nicht jeder SupportDog ist ein Showtalent. Manche Hunde arbeiten leise. Sie legen ihren Kopf auf den Schoß eines Menschen, der traurig ist, oder legen sich einfach daneben. Sie vermitteln Ruhe, Nähe, Vertrauen. Auch diese Hilfen werden erlernt.

Wer mitmachen möchte, braucht kein Therapeut zu sein. Jeder, der einen freundlichen, offenen Hund hat und Lust auf Begegnungen mit Menschen, kann Teil eines SupportDog-Teams werden. Die Ausbildung übernimmt immer der Halter selbst, Sabine begleitet ihn dabei Schritt für Schritt. „Es muss zwischen Mensch und Hund funktionieren“, sagt sie. „Eine Fernausbildung bringt da gar nichts. Es geht ums Miteinander, nicht ums Abhaken von Übungen.“

Die Ausbildung läuft in Theorie und Praxis, mit Unterrichtseinheiten in Winsen und Einsätzen in echten Einrichtungen. Hunde lernen, auf Menschen zuzugehen, ohne zu bedrängen, und auch in trubeligen Momenten gelassen zu bleiben. Sabine beobachtet jedes Team genau. „Ich will sehen, ob ein Hund Freude daran hat. Die meisten gehen wahnsinnig gern zur Arbeit.“
Assistenzhunde bildet Sabine ebenfalls aus, etwa für Menschen mit Epilespie, Mobilitätseinschränkungen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Ausbildung läuft nach der Assistenzhundeverordnung und ist deutlich umfangreicher. Aber die Grundidee bleibt dieselbe: Hunde helfen Menschen, den Alltag leichter zu machen.

Die SupportDog-Teams treffen sich regelmäßig zum Austausch, zu Praxisübungen und Fortbildungen. Dabei geht es nicht nur ums Training, sondern auch um Gemeinschaft. Viele der Teilnehmenden sind mit ihren Hunden seit Jahren aktiv und besuchen immer wieder dieselben Einrichtungen. „Die Leute freuen sich, wenn die Hunde kommen“, erzählt Sabine.

Faye steht inzwischen wieder neben Sabine, das Geschirr ist ab, der Arbeitstag vorbei. Sie streckt sich, gähnt und legt sich wieder ins Gras. Ein ganz normaler Hund und doch einer, der Menschen bewegt.
Sabine sucht ständig neue Orte, an denen die Hunde trainieren können oder auch einmal ein Tagesseminar an einem Samstag stattfinden könnte. Mal ist es ein Kino, mal ein Autohaus oder ein Küchenstudio. Hauptsache, die Umgebung ist anders, spannend und voller Eindrücke. „Je vielfältiger die Erfahrungen, desto sicherer werden die Hunde“, sagt sie. Wer also seine Räume einmal für ein Training zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne melden. Auch wer seinen Hund ausbilden möchte oder sich Besuch von den SupportDogs wünscht, kann sich an Sabine Neumann-Heinen wenden.

Mehr Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es auf der Internetseite:
www.dogscode.de (Ausbildung Therapiebegleithunde) oder
www.supportdog.de (Therapiebegleithund zum Einsatz anfragen)

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Redakteur:

Anika Werner aus Winsen

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