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Ist der Islam eine Bedrohung? - Buxtehuder Ahmadiyya-Gemeinde lud zur Diskussionsrunde ein

Auf dem Abend wurde unter anderem diskutiert, ob muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen (Foto: Fotolia / Photographee.eu)
 
(Foto: jd)
jd. Buxtehude. Terror und Gewalt - das verbinden derzeit viele Bundesbürger mit dem Stichwort Islam. Doch stellt die Weltreligion tatsächlich eine Bedrohung dar? Antworten auf diese Frage wollte jetzt die Buxtehuder Ahmadiyya-Gemeinde auf einem Info-Abend im örtlichen Kulturforum geben. Gemeinde-Sprecher Ata Shakoor hatte Politiker zur Diskussionsrunde gebeten. Auf dem Podium nahmen außerdem ein Imam und ein junger Muslim aus der Gemeinde Platz. Die Runde war sich einig: Zwischen dem Islam als Religion und den Anschlägen, die im Namen des Islam verübt werden, besteht keinerlei Zusammenhang.

"Wir dürfen die Deutungshoheit über den Islam nicht den Terroristen überlassen" - mit diesem Satz leitete Shakoor den Abend ein. Gleichzeitig warnte er davor, die jüngsten Terrorakte für antidemokratische Forderungen zu missbrauchen - wie es jetzt Politiker der AfD taten. Ein Vertreter der rechtspopulistischen Partei war bei der Veranstaltung nicht dabei - trotz Einladung: "Eine Teilnahme wurde von der AfD strikt abgelehnt", so Shakoor. Er hätte die AfD ohnehin nicht eingeladen, meinte der linke Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens: Aufgrund der jüngsten Hasstiraden gegen den Islam verbiete sich jeglicher Dialog mit der AfD.

Das sah der CDU-Politiker Helmut Dammann-Tamke anders: Die AfD könne nicht dadurch bekämpft werden, indem man ihre Existenz ignoriere. Vielmehr müsse man die abstrusen Argumente dieser Partei entlarven, so der Christdemokrat. Allerdings gab er zu Bedenken, dass die Ängste in der Bevölkerung, die jetzt von der AfD für deren ideologische Zwecke missbraucht werden, ernst zu nehmen seien: "Wir alle wollen größtmögliche Sicherheit. Dafür benötigen wir einen schlagkräftigen Verfassungsschutz." Es sei wichtig, die wachsende salafistische Szene in Niedersachsen zu überwachen.

Dass der Islam eine vom Grundsatz her friedliebende Religion ist, machte Imam Laeeq Munir Ahmad deutlich: Der Islam sei die jüngste Religion, die Gott den Menschen gegeben habe, sozusagen das "letzte Update". Politisch motivierte Mullahs würden den Islam, der für Gerechtigkeit und Frieden stehe, falsch deuten, so der Imam. Alle Menschen seien gleich und jeder habe die Kultur und Religion des anderen zu respektieren. Das gelte auch für die Kleidung.

An einem Kleidungsstück entzündete sich die weitere Diskussion: das Kopftuch, das für viele muslimische Frauen Ausdruck einer moralischen Haltung ist. Dammann-Tamke bezeichnete es als problematisch, wenn muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch tragen. Geschehe dies im Rahmen des Islam-Unterrichts, halte er es nicht für bedenklich, ansonsten sehe er dadurch aber die religiöse Neutralität der staatlichen Schulen beeinträchtigt.

Der CDU-Politiker warnte davor, die Errungenschaften, die sich die Frauen im Zuge der Gleichberechtigung erkämpft haben, aus falsch verstandener Toleranz zu opfern. Der Vorschlag von Bundesjustizminister Heiko Maas, unter anderem vor dem Hintergrund der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht sexistische Werbung zu verbieten, hält Dammann-Tamke für den falschen Weg: Die körperliche Freizügigkeit sei einer der Werte unserer Gesellschaft. Als nächster Schritt würden dann Songtexte mit sexuellen Anspielungen verboten werden.