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So'n Schiet: Gülle ja - aber Abwasser nein?

Die Bever kurz hinter der Gemeinde Brest. Die Idylle trügt: Der Bach ist mit Nitrat und Stickstoff belastest
jd. Brest. Wegen Überdüngung: Die Gemeinde Brest darf keine Klein-Kläranlage bauen. Wer ländliche Idylle nicht mit Langeweile gleichsetzt, motorisiert ist und für einen Bauplatz nicht so viele Scheinchen wie in Buxtehude oder Harsefeld hinblättern möchte, ist dort goldrichtig: Die Gemeinde Brest, mit nicht einmal 800 Einwohnern eine der kleinsten Kommunen im Landkreis, will etwas gegen den Bevölkerungsschwund unternehmen und hat vor, ein neues Baugebiet auszuweisen. Entlang des Doosthofer Weges sollen rund 20 Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen. Die Pläne liegen auf dem Tisch, doch nun gibt es Probleme wegen des Schmutzwassers. Gegen die vorgesehene Klein-Kläranlage erhebt der Landkreis Bedenken.

"Auf die Felder wird ein halber Meter hoch Gülle gefahren, ohne dass eine Behörde protestiert, und wenn 5.000 Wildgänse auf eine Weide scheißen, ist das Natur - aber wir dürfen unser geklärtes Abwasser nicht ableiten", empört sich Brests Bürgermeister Dieter Tomforde (SPD). Er ist auf Zinne, weil nach seiner Ansicht mal wieder mit zweierlei Maß gemessen wird. Nach dem ursprünglichen Bebauungsplan sollte das sorgfältig geklärte Brauchwasser in der Bever landen, einem 29 Kilometer langen Bächlein, das bei Frankenmoor entspringt und südlich von Bremervörde in die Oste mündet.

Doch die Bever ist bereits so belastet, dass nach Auffassung des Landkreises eine zusätzliche Einleitung selbst von stark gereinigtem Abwasser nicht zulässig wäre. Das erhöhte Algenwachstum in der Bever lasse auf einen zu hohen Nährstoffeintrag schließen, heißt es in einem Schreiben des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) an das Kreisumweltamt. Wasserproben im April hätten unter anderem zu hohe Werte für Nitrat und Stickstoff ergeben. Das heiße im Klartext doch, dass die Äcker ringsum mit Gülle überdüngt werden, meint Tomforde.

Die Bürgermeister ärgert sich, dass die Gemeinde sich nun weiter mit dem "Schiet" herumschlagen muss, statt den B-Plan endlich in trockenen Tüchern zu haben. Als einzige Alternative kommt der Bau einer Druckrohrleitung in Betracht. Die soll nach Bargstedt führen, wo es bereits Rohre gibt, die zum Klärwerk in Harsefeld führen. Die Brester haben nun bei den Samtgemeindewerken beantragt, dass diese als Klärwerks-Betreiber die Leitung auf ihre Kosten verlegen. "Kommt von dort kein grünes Licht, ist das Neubaugebiet gestorben", meint Tomforde. Das kleine Brest könne sich die Finanzierung nicht leisten.

Der zuständige Betriebsausschuss hat das Thema Ende September auf der Tagesordnung. Tomforde hofft, dass es dann weitergeht mit dem B-Plan. "Als völligen Quatsch" bezeichnet er im Dorf kursierende Gerüchte, dass auch alle anderen Brester Häuser an die künftige Druckrohrleitung angeschlossen werden müssen. Für die jetzigen Hauskläranlagen gelte weiterhin der Bestandsschutz, so Tomforde. Erst wenn dieser ablaufe, müsse man sich Gedanken machen.