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Flüchtlingshilfe mit lukrativer Perspektive?

So soll die von Steffen Lücking geplante Unterkunft aussehen. Neben fünf Häusern soll es auch einen Boltzplatz, Spielflächen und Gemüsegärten geben (Foto: Johann Tipke)
 
Die BI-Gründerinnen Christine Kokartis (li.) und Sigrid Muth-Böse auf der Landschaftsschutzfläche

mi. Vahrendorf. Fünf Häuser im Außenbereich mitten ins Landschaftsschutzgebiet zu bauen, ist das möglich? Eigentlich nicht. Doch genau das plant Investor Steffen Lücking in Vahrendorf. Dass der Coup gelingt, dafür stehen die Karten gar nicht schlecht, denn Lücking will in den Unterkünften Flüchtlinge unterbringen und so als Unternehmer nach eigenen Angaben seinen Beitrag zur Bewältigung einer Notsituation leisten. Ist das soziales Handeln oder nur ein geschickter unternehmerischer Schachzug? Letzteres werfen Anwohner dem Unternehmer vor.

Das potentielle Baugrundstück liegt am Rand des Rosengarten-Ortes Vahrendorf mitten im Grünen. Hier beginnt das Landschaftsschutzgebiet. Steffen Lücking will auf dem Areal nach eigenen Angaben für 1,3 Millionen auf rund 9.000 Quadratmetern vier Häuser à 100 Quadratmeter sowie einen Gemeinschaftstrakt mit Hausmeisterbüro und Gruppenraum bauen. Weiter sind ein Bolz-, ein Spielplatz, Volleyballfeld und Gemüsegärten geplant. Die Häuser will Lücking dem Landkreis zur Unterbringung von 60 Flüchtlingen vermieten. Für das Projekt muss allerdings der Landschaftsschutz aufgehoben werden.
Nach Aussage von Kreissprecher Johannes Freudewald sei man beim Landkreis von der Idee sehr angetan. Möglich wäre eine temporäre Entlassung aus dem Landschaftsschutz für bis zu zehn Jahren. Mit Ablauf dieser Frist müssten die vorhandenen Bauten dann wieder abgerissen werden. Freudewald: „Es wird auf keinen Fall eine dauerhafte Entlassung aus dem Landschaftsschutz geben“.
Genau das befürchtet aber Christine Kokartis (40). Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann und zwei Kindern in direkter Nachbarschaft. Mit anderen Anwohnern hat sie die Bürgerinitiative „Schutzgemeinschaft Schünholz auf dem Kiekeberg“ ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel: jegliche Bebauung der Fläche verhindern und ein intaktes Landschaftschutzgebiet, das vielen geschützten Tieren eine Heimat biete, zu erhalten. Der BI sei bewusst, dass sie in Zeiten, in denen wöchentlich bis zu 70 Flüchtlinge den Landkreis erreichten, ein heißes Eisen anfasse, so die Gründerin. Sie betont: „Uns geht es nicht um die Flüchtlingsunterkunft, sondern darum, dass hier jemand versucht, die Flüchtlingshilfe als Türöffner zu nutzen, um aus billigem Ackerland lukratives Bauland zu machen.“ Nach ihren Informationen wären bei einer späteren Überplanung der Fläche bis zu 14 Einzelhäuser möglich - bei einem Baulandpreis von rund 280 Euro pro Quadratmeter ein gutes Geschäft.
Unternehmer Steffen Lücking weist den Vorwurf, es ginge nur um Baulandspekulation, vehement zurück. „Im Gegensatz zu vielen anderen ducke ich mich nicht einfach weg, ich will meinen Beitrag leisten. Es ärgert mich, dass mein Projekt auf mutmaßliches Spekulantentum reduziert wird.“ Die Anwohnersorge um den Landschaftsschutz sei nur vorgeschoben, um nicht sagen zu müssen: „Wir wollen keine Flüchtinge“. Auf die Frage, warum er 1,3 Millionen in temporäre Bauten investierte, sagte Lücking: „Ich sehe für das Areal durchaus eine Perspektive, schließlich muss Vahrendorf irgendwann wachsen.“ Doch wo, das sei nicht seine Entscheidung, sondern die der Politik des Lankreises und der Gemeinde Rosengarten.
Hierzu betonte Carsten Peters, Verwaltungs-Vize in Rosengarten, dass eine spätere Überplanung der Fläche als Baugebiet nicht vorgesehen sei.
Eine erste Hürde hat das Projekt allerdings schon genommen: Der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Rosengarten einigte sich vergangenen Donnerstag darauf, die Lücking-Pläne nicht generell zu verwerfen. Jedoch sollen erst „alle anderen Alternativen“ geprüft werden, so der Tenor des Gremiums. Ein förmlicher Beschluss erging laut Carsten Peters nicht.