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Friedwald Rosengarten: Pilze suchen und Rad fahren verboten - was die Landesforsten verschweigen

Zurück zur ursprünglichen Nutzung: Geht es nach den Niedersächsischen Landesforsten entsteht rund um das historische Hünengrab ein Friedwald (Foto: archiv)
mi. Rosengarten. Eine Franchaise-Begräbnisanlage auf bis zu 70 Hektar mitten im Naherholungsgebiet Kleckerwald rund um Fösterhuus und Hünengrab. Dieses Projekt planen die Niedersächsischen Landesforsten und das private Unternehmen Friedwald GmbH. Um ihre Pläne umzusetzen, brauchen sie allerdings die Zustimmung der Politik in Rosengarten. Mit einem sogenannten „Faktencheck“ sollen Kritiker überzeugt werden. Unterstützt wird die Lobbyarbeit des Landesbetriebs dabei von der Gemeinde Rosengarten, die das Werbe-Papier im Rahmen der offiziellen Ratsunterlagen verteilt.

Startschuss soll beim Finanzausschuss fallen

Am Montag, 21. Dezember, um 19 Uhr sollen beim Wirtschaftsausschuss im Rathaussitzungssaal in Nenndorf die Weichen für das Projekt Friedwald gestellt werden.

Gemeinde erhält die Brosamen

Hintergrund: Betrieben werden soll der Friedwald vom gleichnamigen Unternehmen aus Hessen. Das Areal gehört den Niedersächsischen Landesforsten. Die Gemeinde wird nur gebraucht, um die Fläche zum Friedhof umzuwidmen. Sie soll mit einen kleinen Entgelt an jeder Beerdigung beteiligt werden. Mit ähnlichen Geschäftsmodellen sind GmbH und Landesforsten an elf Standorten in Niedersachsen erfolgreich.

Zustimmung der Politik nicht sicher

In Rosengarten steht es allerdings auf Messers Schneide, ob die Politik grünes Licht gibt. So hat sich der Ortsrat der betroffenen Ortschaft Klecken bereits gegen das Projekt ausgesprochen. Ortsbürgermeister Jürgen Grützmacher (CDU) will es mit „allen legalen Mitteln verhindern.“ Auch in der CDU-Fraktion steht man einem Friedwald laut Grützmacher kritisch gegenüber.

"Faktenscheck" Pilze suchen und Rad fahren verboten

Die Landesforsten haben wohl auch deshalb eine „Entscheidungshilfe“ für die Politik zusammengestellt. Mit den offiziellen Unterlagen der Verwaltung erhalten die Politiker einen „Faktencheck“. Das Papier räumt in sechs Thesen mit den gängisten Kritiken am Friedwald-Projekt auf. Delikat: Die Darstellung widerspricht teilweise bei entscheidungsrelevanten Punkten den offiziellen Verwaltungsunterlagen.
So heißt es im „Faktencheck“: „Alle Erholungssuchenden können den Wald wie bisher nutzen“. Die Verwaltung schreibt dagegen „Pilze sammeln“ und „Beeren suchen“ seien später nicht mehr möglich. Auch Radwege, die durch das Gebiet führen, müssten „verlegt“ werden.
Im Punkt Kosten und Risiken bleibt darüber hinaus unerwähnt, dass der Betreibervertrag zwischen Friedwald und Gemeinde nur für 20 Jahre gilt, das Gebiet aber für 99 Jahre diesem Zweck gewidmet werden soll. Auch die These, dass der Friedwald keinen Einfluss auf die kommunalen Friedhöfe habe, sehen Kritiker in Anbetracht der Tatsache, dass viele Kommunen ihre Friedhöfe für ähnliche Bestattungsformen öffnen (das WOCHENBLATT berichtete), kritisch.

Verwaltungschef als Friedwaldbeführworter

Es ist kein Geheimnis, dass Bürgermeister Dirk Seidler hinter dem Projekt steht. Der Verwaltungschef sieht demnach auch kein Problem darin, das Papier mit den offiziellen Unterlagen zu verteilen. Seidler: „Ich traue jedem Politiker zu, sich zu informieren und die Fakten zu hinterfragen.“ Nur könnte das gar nicht so einfach werden, denn auf dem „Faktenscheck“ findet sich kein Hinweis auf den Verfasser. Einzig im Kleingedruckten der Verwaltungsvorlage erfährt man, dass es sich nicht um eine neutrale Einschätzung, sondern um Lobbyarbeit der Landesforsten - einer im Verfahren involvierten Partei - handelt.
Friedwald im Kleckerwald
http://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/rosengarten...
Friedwald als Totengräber für kommunale Friedhöfe
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Ortsrat Klecken gegen Friedwald
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