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Ein königliches Lebenszeichen

Bei der Proklamation: Schützenkönig Uwe Käppler (h. li.) mit seinem Hofstaat (Foto: sum)
 
Arbeitet wieder in seiner Firma: Uwe Käppler mit seiner Ehefrau Sabine (Foto: tp)

Wenige Wochen nach Schockdiagnose Schlaganfall: Handwerker und Schützenmajestät steckt voller Tatendrang

tp. Stade. "Ich bin unkaputtbar", sagt Uwe Käppler (51) mit einem gewinnenden Lächeln. Nach allem, was dem Handwerksunternehmer aus Stade-Wiepenkathen passiert ist, möchten Freunde und Familienangehörige das gerne glauben. Vor wenigen Wochen erlitt Käppler einen schweren beidseitigen Schlaganfall. Was für viele an ein Wunder grenzt: Der Techniker steht in seiner Firma schon wieder seinen Mann. Die Freude über die rasche Genesung feierte die Frohnatur am vergangenen Wochenende beim Schützenfest: Käppler wurde Schützenkönig.

Einzig Sprachschwierigkeiten geben Außenstehen heute noch eine Anmutung von dem schlimmen Geschehnis, das am Mittwoch, 11. März, über ihn hereinbrach wie ein plötzliches Gewitter. Gegen Mitternacht verspürte Käppler ein extremes Schwindelgefühl: "Etwas stimmt nicht, ruf einen Arzt!", bat der bis dahin kerngesunde und sportlich begeisterte Handwerker seine Ehefrau Sabine (48). Nach Drei Minuten trafen Notarzt und Rettungsassistenten ein und brachten ihn ins Elbe-Klinikum. Als er morgens in der Schlaganfall-Spezialbteilung (Stroke Unit) aufwachte, konfrontieren ihn Ärzte mit der Diagnose: beidseitiger Schlaganfall. "Meine linke Körperseite war komplett taub, in der rechten war noch Gefühl vorhanden", sagt Käppler. Die Bewegung beider Arme und Beine war stark eingeschränkt. Pfleger brachten ihn mit dem Rollstuhl zur Toilette und zum Duschen. Überdies machte ihm ein Sprachausfall zu schaffen, der sich erst zwei Tage nach dem Hirninfarkt einstellte. "Ich gab nur noch Kauderwelsch von mir."

Doch schon während des anderthalbwöchigen Krankenhausaufenthaltes in Stade machte der Kämpfer große Fortschritte, verließ gestützt durch eine Gehilfe das Krankenbett. "Und ich flirtete mit den Krankenschwestern, ließ mir von ihnen Autogramme auf den Rollator schreiben", schmunzelt die Frohnatur.
Nach kurzem Aufenthalt zu Hause verbrachte Käppler drei Wochen in einer Reha-Klinik, wo ihn schon wieder der Tatendrang packte: Angesichts des altmodischen Ambientes hätte der versierte Fachmann dort "am liebsten angefangen zu renovieren".

Am Montag, 20. April, kehrte er nach Hause zurück - und ist zufrieden: "Das Laufen klappt ohne Einschränkung, bei Sprache und Motorik sind noch Übungen nötig." Käppler ist in therapeutischer Behandlung.

Zwischenzeitlich hat der Selbstständige die Tätigkeit in seiner Bautischlerei wieder aufgenommen, arbeitet halbtags, und ist überwältigt von der Unterstützung, die ihm seine zehn Mitarbeiter zuteil werden lassen. Auch Lieferanten, Kunden und Partnerfirmen hielten zu ihm, so dass sich die Befürchtungen seiner Ehefrau vor größeren wirtschaftlichen Einbußen und Auftragsrückgängen als unbegründet erwiesen.

"Ich bin wieder hier in meinem Revier", sagt Uwe Käppler, der alltags wieder stolz die Handwerkerkluft trägt - und in der Freizeit den Schützen-Joppen: Beim ersten Schützenfest der Saison im Kreis Stade, das traditionell in Käpplers Heimatort Wiepenkathen stattfindet, hielt der begeisterte Schießsportler - entgegen gut gemeinter Ratschläge von Freunden, er solle sich lieber schonen - auf die Königsscheibe. Der Glückspilz "schoss den Vogel ab". Mit seinem öffentlichen Amt als Schützenmajestät will der Optimist auch ein Zeichen setzen: "Ich lebe noch!", sagt der Mutmacher, "denn für viele war ich schon weg vom Fenster."

• Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade berät Firmeninhaber zu Vorsorgemaßnahmen, damit im Fall eines längeren Ausfalls der Betrieb reibungslos weiterläuft. Dabei geht es um Dinge wie Vertretung und Kontovollmacht. Die Kammer hat dafür einen speziellen Notfallordner mit Checklisten zusammengestellt. Einen Topf, aus dem die Organisation ihre Mitglieder bei Krankheit finanziell unterstützt, gibt es nicht.