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Wo das Paradies ein Rechteck ist

Gerd Hinck und seine Ehefrau Anja auf der Parzelle

Sommerglück im Stader Schrebergarten: Harte Arbeit für eine gefüllte Speisekammer / Hier zwitschern echte Laubenpieper / Kolonie ist international

tp. Stade. Es duftet nach sonnengereiften Tomaten und fruchtig-süßen Himbeeren. Schafe blöken, ein Hahn kräht, ein Hund bellt, nur ab und zu stört ein Zug, der über die nahen Bahngleise poltert, das Schrebergarten-Idyll im ehemaligen Bauerndorf Campe am Rand von Stade: Auf ihrer Parzelle, die im Licht der Frühsommersonne zu einem grünen Paradies gedieh, haben Gerd Hinck (56) und seine Ehefrau Anja (56) ihr kleines Glück gefunden.

In der warmen Jahreszeit genießt der Lagermitarbeiter einer Baufirma, der Stader Vorsitzender des Gärtnervereins Bahlandwirtschaft Hamburg ist, die gesamte freie Zeit auf seiner Parzelle. Dort trifft er Nachbarn, die sich eines der Rechtecke nach ihren Vorstellungen gestalteten - mit deutscher Korrektheit im Rahmen der Satzung, die Blumen- und Gemüsebeete vorschreibt und ausufernde Bautätigkeit unterbindet. Die Lauben sollen nicht zum Wohnsitz werden. Die Hincks züchten in ihrem Gartenhaus Nymphen- und Wellensittiche, die hier echte Laubenpieper sind.

Die Kolonie ist international. Jenseits der Gleise - wo einige Parzellen in Privatbesitz sind, haben sich die Russlanddeutschen Ewald (85) und Valentina Schreiner (80) in zwei Jahrzehnten harter Arbeit ein Kleinod geschaffen, mit einer hölzernen Datscha als Meisterstück. „Wenn er nur seine Bretter hat, ist er gesund und glücklich“, sagt Valentina über ihren Mann, der von Beruf Tischler war und das Domizil selbst zimmerte. Ewald führt stolz durch die Räume: Herzstück ist eine beige gekachelte Sauna. Unter der Decke hängen ätherisch duftende Birkenquaste, mit denen sich Gäste nach dem Schwitzbad zur Entspannung den Rücken peitschen.

Valentina, erfahrene Gärtnerin, ist Herrin über den Gemüseacker, zieht Zwiebeln, Möhren, Erdbeeren, Stangenbohnen und Kartoffeln, mit denen sie die Speisekammer füllt: „Wir haben doch nur eine kleine Rente.“

Nach verrichtetem Tagwerk genießen die beiden Rentner warme Sommerabende in der Uralt-Hollywoodschaukel, deren uriges Quietschen sich harmonisch in den Gesang der Abendvögel fügt, und sind sich selbst genug.