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Lange Leitung beim Mobil-Ticket? Herunterladen der digitalen HVV-Fahrkarte dauert bis zu 30 Minuten

Beim HVV gibt es offenbar Probleme mit dem Mobil-Ticket
 
Ärgerlich: Das Mobilticket wird nicht heruntergeladen und der Zug fährt ab
(jd). Der Begriff des "ehrbaren Kaufmanns" hat eine lange Tradition in Hamburg. Zu den wichtigsten Tugenden eines hanseatischen Unternehmers zählt die Verlässlichkeit. Doch gerade in diesem Punkt scheint der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ein Problem zu haben: Wer seine Fahrkarte als Mobil-Ticket auf das Handy geschickt bekommen möchte, kann sich nicht darauf verlassen, dass das Ticket vor Fahrtantritt auf dem Display erscheint - obwohl es bezahlt ist. Wer trotzdem in den Zug oder Bus einsteigt, gilt laut den Tarifbestimmungen als Schwarzfahrer. Das WOCHENBLATT hat nach dem Hinweis eines Kunden die Sache selbst mehrfach ausprobiert: Tatsächlich dauerte es bis zu einer halben Stunde, bis die Mobil-Tickets auf dem Smartphone geladen waren - trotz schnellem W-LAN.

Dabei gilt das Mobil-Ticket als die Fahrkarte der Zukunft: Immer mehr Nutzer von Bussen und Bahnen greifen zum digitalen Fahrschein. Sie müssen sich nicht mit dem Fahrkarten-Automaten herumärgern oder dem genervten Busfahrer erklären, kein passendes Kleingeld dabei zu haben. So weit die Theorie: Im WOCHENBLATT-Test erwies sich das Handy-Ticket nämlich als wenig innovativ, auch wenn es so einfach klingt: Wer ein Smartphone besitzt, kann sich dafür einen digitalen Fahrschein ordern. Nach einer einmaligen Registrierung, bei der die persönlichen Daten und die Zahlungsinformationen hinterlegt werden, kann jederzeit ein Ticket bestellt werden - entweder per App oder Handybrowser.

Doch beim Herunterladen des mobilen Fahrscheins "hakelt" es manchmal. Mal klappt es ruckzuck, mal dauert es bis einer halben Stunde. "Was nützt also das Mobil-Ticket, wenn es sich trotz schnellen Internet-Zugangs nicht zügig herunterladen lässt?", fragt sich WOCHENBLATT-Redakteur Jörg Dammann.

Ein Beispiel: Der WOCHENBLATT-Redakteur steht rechtzeitig am Bahnsteig und auch der Zug trifft fahrplanmäßig ein. Nicht pünktlich da ist jedoch die Fahrkarte: Mal wieder hat es mit dem Download des HHV-Mobil-Tickets nicht funktioniert. Das ist kein Einzelfall: Wir testeten wiederholt zu unterschiedlichen Zeiten und mit verschiedenen Internet-Zugängen - per W-LAN und über das Mobilfunknetz. Das Ergebnis: Oftmals erschien das Mobil-Ticket nach wenigen Sekunden auf dem Display, etliche Male dauerte es wesentlich länger. Ein paar Mal verstrich so viel Zeit, dass der Zug im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren war.

Wäre unser Redakteur eingestiegen, hätte der Schaffner von ihm 60 Euro Strafe verlangen können. In den Benutzungsbedingungen für das Mobil-Ticket steht nämlich klipp und klar: "Kann der Nutzer den Nachweis des mobilTicket bei der Fahrkartenkontrolle nicht erbringen (z.B infolge technischer Störungen...), wird dies als Fahrt ohne gültiges Ticket geahndet." Zwar heißt es seitens der HVV-Pressestelle, diese Fahrgäste würden nicht als Schwarzfahrer gelten, dennoch müsse der Zugbegleiter "einen Beleg über ein erhöhtes Beförderungsentgelt" ausstellen, um den Vorgang zu erfassen. Man werde die Sache dann "kulant behandeln".

Doch der HVV sieht die Schuld nicht bei sich: "Grundsätzlich sind uns keine Probleme beim Download bekannt", antwortet das Verkehrsunternehmen auf eine WOCHENBLATT-Anfrage. Es schiebt dem Kunden den Schwarzen Peter zu: Die hätten wohl das falsche Betriebssystem oder zu wenig Datenvolumen.


Frage an die Leser

Nun fragt das WOCHENBLATT seine Leser: Haben auch Sie schon mal Probleme mit dem Mobil-Ticket gehabt? Schreiben Sie an red-bux@kreiszeitung.net


KOMMENTAR: Das Geld wird sofort abgebucht
Es ist unglaublich: Ein HVV-Kunde, der brav sein E-Ticket bezahlt hat, dieses aber nicht vorweisen kann, muss sich vor den Augen der anderen Fahrgäste wie ein Schwarzfahrer behandeln lassen. Obwohl die technischen Probleme offenbar beim HVV-Server liegen, bekommt ein Fahrgast, der eigentlich alles richtig gemacht hat, den Schwarzen Peter zugeschoben. Er hat den ganzen Ärger und darf dann auf die "großzügige" Kulanz hoffen. Der HVV muss sich fragen lassen: Warum klappt es oft nicht mit dem Download des Handy-Tickets, dafür aber immer sofort mit dem Abbuchen des Fahrpreises? Wir warten auf eine plausible Antwort.
Jörg Dammann