"Halb Buchholz kennt mich!"
Chefarzt Dr. Friedemann Schulz geht in den Ruhestand

Afrika-Fan Dr. Friedemann Schulz mit einem Porträt des
ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela und einer Vogelskulptur aus Simbabwe
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    ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela und einer Vogelskulptur aus Simbabwe
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os. Buchholz. Wenn Dr. Friedemann Schulz (62) sagt: “Halb Buchholz kennt mich!”, dann ist das keine Untertreibung. Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist seit dem 1. Januar 2005 Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Buchholzer Krankenhaus, in dieser Zeit sind dort mehr als 10.000 Kinder zur Welt gekommen. Exakt 10.349 waren es zum Jahresende 2020. Und der Kinderboom ist ungebrochen. “Ich bin optimistisch, dass in diesem Jahr erstmals mehr als 1.000 Kinder im Buchholzer Krankenhaus zur Welt kommen werden”, betont Dr. Schulz. Er selbst wird das nicht mehr miterleben: Friedemann Schulz geht in den Ruhestand, am 19. Februar ist sein letzter Arbeitstag.
“Ich habe meinen Job immer gern gemacht, aber ich möchte nicht wie ein ausgelutschter Bonbon enden”, sagt der Mediziner. Vor allem die Nachtdienste und die Rufbereitschaft – sieben bis zehn pro Monat – machten ihm zuletzt immer mehr zu schaffen. “Ständig das Telefon in der Nähe zu haben und auf dem Sprung zu sein, das war wie ein Klotz am Bein”, berichtet er. Deshalb zieht sich der sechsfache Vater – seine Kinder sind zwischen 14 und 35 Jahre alt - zurück, etwas mehr als eine Woche vor seinem 63. Geburtstag.
Schulz hat in seinem Arbeitsleben viel erlebt und bewegt. Er studierte Medizin in Marburg, seit 1983 ist er approbiert. Zunächst arbeitete er parallel in den Disziplinen Chirurgie und Gynäkologie. Die zweieinhalb Jahre, in denen er zwischen 1986 und 1988 für die Deutsche Entwicklungshilfe als Arzt im afrikanischen Staat Simbabwe tätig war, prägten den Mediziner nachhaltig. "Die Geburtshilfe dort hatte wenig mit der in Deutschland zu tun. Gerade sicherheitstechnisch war das manchmal sehr wild", erinnert sich Schulz. Die Erfahrungen in Afrika halfen ihm später, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu behalten. "Darum geht es in der Geburtshilfe: Ruhig bleiben, professionell sein und dann zuschlagen. Rumgeeiere darf es im Kreißsaal nicht geben", betont Schulz.
Zurück in Deutschland, musste sich der Mediziner entscheiden, in welcher Disziplin er sich zum Facharzt ausbilden lassen wollte. Da ihm die Chirurgie zu stressig erschien, entschied sich Schulz für die Gynäkologie und Geburtshilfe.
Nach zweieinhalbjähriger Ausbildung in Peine nahm Schulz 1991 seine erste Oberarzt-Stelle in Geesthacht an. Dort etablierte er die Klinik zu einer vielbeachteten Anlaufstelle für schwierige Beckenendlagen. 1996 entschied sich Schulz, parallel zu seiner Arzttätigkeit eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen. "Das war viel Aufwand, aber wahnsinnig interessant", erinnert sich Schulz.
2001 schloss der Arzt die Zusatzausbildung ab. Da war er bereits Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus in Winsen - diese Stelle hatte er zum 1. Oktober 2000 angetreten. Mit seinem Team trieb Schulz vor allem die Mammachirurgie und die Rekonstruktion nach Brustkrebs voran. Parallel bildete er den Arztnachwuchs aus, ein Faktor, der später wichtig werden sollte. Als Schulz gefragt wurde, ob er die Nachfolge von Volker Müller als Chefarzt am Krankenhaus Buchholz antreten wolle, sagte er unter der Voraussetzung zu, dass sein ehemaliger Oberarzt Johannes Klemm seinen Chefarztposten in Winsen übernahm. So kam es: Schulz wechselte zum 1. Januar 2005 nach Buchholz und blieb fünf Monate parallel Chefarzt in Winsen, ehe dort Klemm einstieg.
Zusammen brachten die Chefärzte die medizinische Versorgung weiter voran. 2009 wurde auf ihre Initiative das erste Krebszentrum in den Krankenhäusern Buchholz und Winsen zertifiziert. "Wir haben in all den Jahren vielen Menschen geholfen, denen es richtig schlecht ging. Es ist sehr positiv, wenn man gute Intensivmediziner hat", erinnert sich Schulz. Positiv sei auch die interdisziplinäre Arbeit gewesen. Dass sich mittlerweile mehrere Fachärzte regelmäßig in Videokonferenzen austauschen, hält Schulz für einen wichtigen Schritt. Eine gute flächendeckende medizinische Versorgung für die Bürger sei immens wichtig. Und der Mut der Verantwortlichen, etwa zur Geburtshilfe zu stehen. Denn eines sei klar: "Die Geburtshilfe trägt sich kostenmäßig nie selbst, sie muss immer quersubventioniert werden", betont Schulz.
Er ist froh, dass mit Julia Weidner eine Ärztin aus dem eigenen Haus seine Nachfolge übernimmt. Sie habe sich über viele Jahre bewährt und ticke ähnlich wie er. "Meine medizinische Schule wird hier fortgesetzt", freut sich Schulz.
Er selbst freut sich auf das deutliche Mehr an Freizeit. Er will in Zukunft u. a. seine handwerklichen Hobbys intensivieren. Zudem hat er viele Gitarren im Keller, "die mal richtig rauf- und runtergespielt werden müssen".

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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