Der Trauer Raum geben

Dietmar Koop (vorn) mit Therapiehündin "Filou" und seinen Mitstreitern von "traudich" (v. li.) Wilfried Bolte, Karin Neubert, Rita Hlewka, Harry Krenz, Gesa Deresch, Helga Fiedler und Wolf Küster
  • Dietmar Koop (vorn) mit Therapiehündin "Filou" und seinen Mitstreitern von "traudich" (v. li.) Wilfried Bolte, Karin Neubert, Rita Hlewka, Harry Krenz, Gesa Deresch, Helga Fiedler und Wolf Küster
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kb. Buchholz.Trauer hat im Alltag oft nur wenig Raum. Nach dem Verlust eines nahen Angehörigen regieren nicht selten Sprachlosigkeit und Ohnmacht. Für Kinder und Jugendliche ist diese Zeit besonders schwer. Neben der Lücke, die der Verstorbene hinterlassen hat, haben sie große Verlustängste. Sie wollen ihren trauernden Müttern oder Vätern nicht zusätzlich zur Last fallen und schlucken ihre Trauer runter. In dieser Situation bietet der Verein "traudich" in Buchholz einen geschützten Raum, in dem Kinder und Jugendliche, aber auch ihre erwachsenen Begleitpersonen, offen über Sorgen und Nöte sprechen können. Hier begegnen sie Gleichaltrigen, die in derselben Situation stecken, können Trauer offen leben.
"Traudich" gibt es seit 2009. "Die Idee zu einer Trauergruppe hatte ich allerdings schon länger", erzählt Gründer Dietmar Koop, dessen Frau 1990 starb und ihn und einen Sohn hinterließ. Koop hatte Jahre zuvor davon gehört, dass in Bremen ein Kindertrauerzentrum eröffnet wurde und fand die Idee großartig. "Nach meiner Pensionierung habe ich dann den Verein gegründet", so Koop. Der elfjährige Maximilian-Leon ist das inzwischen 100. Kind, das bei "traudich" Hilfe und Zuspruch findet. "Mein Vater ist gestorben und hier kann ich von meinem Kummer erzählen, ohne dass sich jemand lustig macht. Hier geht es nämlich allen gleich", sagt Maximilian-Leon.
Bei "traudich" gibt es zwei Gruppen, die sich jeweils im zweiwöchigen Rhythmus im Familienzentrum Kaleidoskop in Buchholz treffen. In der Gruppe der Jüngeren werden Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren betreut, bei den Älteren sind die Teilnehmer zwischen elf und 16 Jahren alt, parallel treffen sich die Begleitpersonen. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus dem gesamten Landkreis, denn bis vor Kurzem war "traudich" der einzige Anlaufpunkt für trauernde Kinder und Jugendliche im Kreis. Seit November bietet auch der Ambulante Hospizdienst des Kirchenkreises Winsen zwei Trauergruppen für Kinder und Jugendliche an.
Die 20 Ehrenamtlichen von "traudich" haben sich in Fortbildungen professionell mit dem Thema Trauer beschäftigt. Wenn sich Kinder oder Jugendliche für die Trauergruppe interessieren, werden sie zuerst zu Hause besucht. "Anfangs haben wir das nicht gemacht und festgestellt, dass die Kinder oft sehr schüchtern waren, wenn sie das erste Mal zu uns kamen", erzählt Dietmar Koop. Die Treffen im Kaleidoskop laufen nach einem festen Ritual ab. Zuerst kommt die Gruppe zusammen, alle setzen sich in einen Kreis, für jeden Verstorbenen wird eine Kerze angezündet. "Dann erzählen die Kinder und Jugendlichen was in den vergangenen zwei Wochen passiert ist, was sie bewegt", erzählt Dietmar Koop. Dabei sprechen sie längst nicht nur vom Trauerfall. "Es geht wirklich um alles mögliche - Schule, aber auch Fußball oder Hobbys sind Thema", sagt Koop. Im Anschluss folgt die Kreativ-Runde, in der gebastelt und gemalt wird, Bücher gelesen oder Filme geschaut. Zum Abschluss der Treffen kommen Erwachsene und Kinder dann noch einmal in einer Runde zusammen. Auch Ausflüge stehen auf dem Programm. "Wir waren zum Beispiel schon einmal beim Bestatter, da merkt man dann, dass die Kinder weit weniger Berührungsängste mit dem Tod haben, als viele Erwachsene denken", berichtet Dietmar Koop.
Gegenüber Kindern offen über den Tod zu sprechen - das ist überhaupt sehr wichtig, wissen die Ehrenamtlichen von "traudich". "Es ist gut, die Dinge klar zu benennen, zu sagen 'jemand ist gestorben' und nicht 'eingeschlafen'", so Koop. Wichtig sei auch, die Kinder nicht aus vorauseilender Rücksichtnahme von Trauerfeiern oder dem Gang zur Aufbahrung auszuschließen. "Kinder sollten das selber entscheiden", sagt Koop.
Weil das "traudich"-Angebot bis auf einen geringen Beitrag an das Kaleidoskop für Getränke und Raumnutzung kostenlos ist, sind Koop und seine Mitstreiter auf Spenden angewiesen. Auch neue Vereinsmitglieder sind immer willkommen. Alle Informationen finden Interessierte online auff http://traudich-buchholz.de oder direkt bei Dietmar Koop unter Tel. 04181 - 292516 bzw. E-Mail an info@traudich-buchholz.de.

Autor:

Katja Bendig aus Seevetal

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