Immer mehr Bürokratielast
Niedersächsische Krankenhausgesellschaft fordert Entlastung für Kliniken
- Rainer Rempe, Vorstandsvorsitzender der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft und Landrat des Landkreises Harburg
- Foto: U. Pucknat/NKG
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Die Krankenhäuser in Niedersachsen stehen unter enormem Druck. Das geht aus einer aktuell veröffentlichten Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) hervor, deren Vorstandsvorsitzender Rainer Rempe, Landrat des Landkreises Harburg, ist. Drei von vier Krankenhäusern (75,2 Prozent) rechnen demnach mit einem negativen Jahresabschluss 2025. Rund drei Viertel (74 Prozent) der Kliniken sind nicht imstande, steigende Personal- und Sachkosten aus den regulären Erlösen der Patientenbehandlung zu finanzieren. Jedes dritte Krankenhaus (34 Prozent) erwartet 2026 eine noch schlechtere wirtschaftliche Entwicklung, während mehr als jedes zweite Haus (56 Prozent) von einer gleichbleibenden Situation ausgeht. Nur jede zehnte Klinik (zehn Prozent) erwartet in diesem Jahr eine bessere wirtschaftliche Entwicklung.
„Es besteht kein Grund zur Entwarnung. Die wirtschaftliche Schieflage besteht für die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser in unverminderter Schärfe fort", ordnet Rainer Rempe das Umfrageergebnis ein. "Seit Jahren gelingt es dem Großteil der Kliniken nicht mehr, ein positives Ergebnis zu erzielen. Das Problem der strukturell unzureichenden Finanzierung der Kliniken ist nach wie vor ungelöst. Vor diesem Hintergrund sind Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen zulasten der Krankenhäuser nicht nachvollziehbar."
Eine erhebliche Belastung für die Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter ergibt sich zudem aus der kontinuierlich steigenden Bürokratielast. Nahezu alle befragten Kliniken berichten von deutlich zunehmenden Dokumentations- und Nachweispflichten, die personelle Ressourcen binden und sich negativ auf die Versorgung der Patienten auswirken. 98 Prozent der befragten Krankenhäuser bewerten den Bürokratieaufwand aktuell als hoch bis sehr hoch. 47 Prozent der Kliniken beklagen, dass der bestehende Aufwand häufig zulasten der Patientenversorgung gehe.
„Der ökonomische und regulatorische Druck auf die Krankenhäuser nimmt entgegen allen politischen Versprechen weiter zu. In der Folge sind die Stabilität und Qualität der stationären Versorgung in Niedersachsen zunehmend gefährdet“, unterstreicht NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. „Neben einer auskömmlichen Finanzierung müssen die Kliniken in die Lage versetzt werden, mit knappen Ressourcen effizient umzugehen. Durch den Abbau überzogener Bürokratie sowie kostenintensiver Personal- und Strukturanforderungen ließen sich Mitarbeitende entlasten, die Patientenversorgung verbessern und zugleich die Ausgaben in den Kliniken senken.“
Zunehmende Gewalt gegenüber den Mitarbeitern in den Krankenhäusern stellt ebenfalls ein schwerwiegendes Problem dar. Der aktuellen Erhebung zufolge ist in Niedersachsen ein Anstieg der Gewalt gegen Klinikpersonal zu verzeichnen. 72 Prozent der befragten Krankenhäuser berichten von einem "mäßigen" (46 Prozent) bis „deutlichen“ (26 Prozent) Anstieg der verbalen oder körperlichen Übergriffe gegen ihre Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren. Kein einziges Krankenhaus verzeichnet einen Rückgang der Gewalt. Auf deren Zunahme reagieren die Kliniken mit zahlreichen Präventionsmaßnahmen wie etwa Deeskalationstrainings für Mitarbeiter. Von der Politik fordern die Krankenhäuser unterstützende Maßnahmen, die von der Finanzierung von Trainings- und Schulungsangeboten über Sicherheits- und Überwachungstechnik bis hin zu härteren rechtlichen Konsequenzen für Gewalttäter reichen.
„Gewalt gegen Krankenhauspersonal darf nicht toleriert werden. Betroffene und Kliniken dürfen mit dem Problem zunehmender Übergriffe nicht allein gelassen werden", erklärt Helge Engelke. "Die Umfrageergebnisse zeigen, wie wichtig die von Niedersachsen angestoßene Bundesratsinitiative zum Schutz des medizinischen und pflegerischen Personals ist. Nun ist der Bund gefordert, zeitnah einen Gesetzentwurf vorzulegen.“
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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