Wahlkampf in Buchholz
Fragen an die Bürgermeister-Kandidaten
- Dirk Hirsch
- Foto: Markus Schwarze
- hochgeladen von Stefanie Hansen
Gleich sechs Kandidaten stehen in Buchholz für den Bürgermeister / die Bürgermeisterin zur Wahl. Das WOCHENBLATT stellte ihnen Fragen, die die Bürger in Buchholz derzeit sehr beschäftigen. Die Reihenfolge der Antworten der Kandidaten ist alphabetisch sortiert und ist keine Wertung.
Frage 1: Verkehr ist seit Jahren das Problem, sehen Sie Alternativen zum Ostring und zum Mühlentunnel?
Dirk Hirsch (CDU): "Nein, es gibt keine echten Alternativen, um das Verkehrsproblem in Buchholz zu lösen.
Buchholz braucht dringend eine Lösung für den Dauerstau auf der wichtigen Nord-Süd-Achse von der Soltauer Str, der Canteleubrücke, der Kirchenstraße und der Hamburger Straße. Die täglichen Rückstaus an der völlig überlasteten Kreuzung 'Bendestorfer Straße/Hamburger Straße/Schützenstraße' müssen ein Ende haben. Wichtig dabei zu betonen ist, dass die östliche Umfahrung keine Erschließungsstraße für Buchholz ist, sondern einen Entlastungsstraße für Buchholz und die umliegenden Ortschaften.
Bisher ist die Canteleubrücke die einzige leistungsfähige Überquerung der Bahntrasse für Kfz und Rettungsfahrzeuge zwischen den Süden und dem Norden von Buchholz. Die östliche Umfahrung sowie ein möglicher Ausbau des Mühlentunnels sind daher für alle Mobilitätsformen ein wichtiger Baustein in der Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur.
Mit Blick auf das weitere Wachstum von Buchholz (Wohnen, Gewerbe, usw.) ist die laufende Anpassung und Ertüchtigung der Infrastruktur ein wichtiger Baustein für eine funktionierende Stadt. Die Lösung des Verkehrsproblems ist Voraussetzung für die weitere Entwicklung und Attraktivitätssteigerung der Innenstadt.
Max Ostermeier (AfD): "Buchholz hat beim Verkehr kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Insbesondere die Ostumgehung löst ein langfristig wichtiges Infrastrukturproblem. Wir fordern dieses Projekt seit Langem, ebenso wie eine klare Mehrheit von 61,8 Prozent beim Bürgerentscheid 2013. Auch beim Mühlentunnel gilt für mich: Besteht die realistische Möglichkeit, einen Neubau mit Unterstützung von Bund, Land und Bahn zu finanzieren, werden wir diese Chance nützen. Aber die Buchholzerinnen und Buchholzer können nicht noch zehn oder 20 Jahre auf Entlastung warten.
Deshalb will ich parallel kurzfristig wirksame Lösungen umsetzen: vorhandene Verkehrsdaten nutzen, das Buchholzer Verkehrsnetz intelligent steuern, statt nur einzelne Ampeln zu betrachten, konkrete Engpässe pragmatisch beseitigen und den ÖPNV flexibel am tatsächlichen Bedarf ausrichten. Andere Städte wie Regensburg zeigen längst, dass digitale Verkehrssteuerung messbare Verbesserungen bringt.
Mein Anspruch ist klar: Wir wollen Buchholz wieder in Bewegung bringen, langfristig die notwendige Infrastruktur bauen und schon heute jede sinnvolle Möglichkeit nutzen, um den Verkehr in unserer Stadt spürbar zu verbessern."
Michael Riedel: "Bei Großprojekten ist Buchholz oft von Entscheidungen Dritter wie der Deutschen Bahn oder dem Landkreis abhängig. Deshalb müssen wir dort handeln, wo wir selbst Verantwortung tragen können: mit der Rückkehr zum bewährten „Buchholz Bus“, mehr Investitionen in sichere Rad- und Fußwege sowie konsequenten Sanierung unserer Straßen. Autonom fahrende Kleinbusse werden in Zukunft auch in Buchholz fahren.
Die Entlastung des Verkehrs rund um den Mühlentunnel und die Bremer Straße hat für mich höchste Priorität. Ich möchte kurzfristig prüfen lassen, ob der geplante Kreisel an der Bremer Straße/Steinbecker Mühlenweg zusammen mit weiteren Maßnahmen bereits spürbare Verbesserungen bringen kann. Gleichzeitig müssen die Gespräche mit der Deutschen Bahn über einen Ersatzneubau des Mühlentunnels intensiviert werden.
Auch die Planungen für eine Ostumfahrung müssen angesichts veränderter Rahmenbedingungen wie Demografie, Mobilitätsverhalten und deutlich gestiegener Kosten kritisch neu bewertet werden."
Bernhard Unger: "Nein, eine wirkliche Alternative she ich zur Zeit nicht. Wir müssen endlich in die Umsetzung kommen und den Beschluss vom Stadtrat Buchholz und vom Kreistag umsetzen. Dazu bedarf es deutlich mehr Druck auf den Kreis.
Und für den Tunnel gilt, dass hier Bahn und Bund stärker in die Pflicht genommen werden müssen, als das in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Aus meiner Sicht enthält das Eisenbahnkreuzungsgesetz hierzu eindeutige Regelungen."
Grit Weiland (WfB): "Mobilität in Buchholz ist mehr als Stau. Es gibt gute Entwicklungen, die wir gezielt verstärken sollten. Das Auto spielt im Alltag eine geringere Rolle als noch vor einigen Jahren. Der Anteil der Wege mit dem Auto ist seit 2012 von 59 auf 44 Prozent gesunken. Gleichzeitig hat sich der Radverkehr verdoppelt. E-Bikes und Homeoffice tragen wesentlich dazu bei. Die meisten Autofahrten beginnen und enden innerhalb von Buchholz und sind im Durchschnitt nur etwa drei Kilometer lang. Gerade für diese vielen kurzen Wege brauchen wir Verbesserungen für alle Verkehrsarten: gut erhaltene Straßen, sichere Schulwege, einen starken Buchholz-Bus, intelligente Ampelschaltungen, attraktive Radwege, komfortable Fußwege und Carsharing. Ein Ostring würde auf Jahre viele Millionen Euro binden. Für andere Maßnahmen bliebe dann weitaus weniger Geld übrig. Ich möchte die knappen Mittel dort investieren, wo sie breiten Nutzen für möglichst viele Menschen in Buchholz bringen. Dazu gehört für mich auch ein zweispuriger Mühlentunnel als zweite innerstädtische Bahnquerung – mit großen Vorteilen für Schulverkehr, Feuerwehr, Buchholz-Bus und die Erschließung der Rütgersfläche."
Heike Werner (SPD): "Da Buchholz in Zukunft durch die Bebauung der Rütgersfläche und der Entwicklung von Wohnraum unter dem Projekt Buchholz 2025+ hinter dem Finanzamt wächst und mehr Verkehr entstehen wird, braucht es neben einer östlichen Umfahrung zur Erschließung und dem Ausbau/Neubau des Mühlentunnels, einen starken, zuverlässigen und bequemen ÖPNV, sichere Fuß- und Radwege, sowie eine Verkehrsführung, die durch kluge, KI-gestützte Ampelschaltungen, Spitzen im Verkehr abfängt."
Frage 2: Die Nachfrage nach (bezahlbarem) Wohnraum ist groß: Soll Buchholz durch mehr Wohnraum und / oder mehr Gewerbe wachsen?
Dirk Hirsch (CDU): "Buchholz als Mittelzentrum im Landkreis Harburg soll weiter wachsen. Dafür stehe ich! Die verkehrliche Anbindung und vorhandene Infrastruktur (Krankenhaus, Polizei, Schulen, Bahnhof, usw.) bietet dafür wesentliche Voraussetzungen. Ohne die Schaffung von neuem Wohnraum werden die Miet- und Wohneigentumspreise in Buchholz weiter stark ansteigen. Als Steuerungsinstrument für Politik und Verwaltung ist die Schaffung von mehr (bezahlbaren) Wohnraum eine wichitge Aufgabe. Mit der Schaffung von Wohnraum soll auch die Schaffung von Arbeitsplätzen und die weitere Entwicklung von Gewerbeflächen einhergehen. Menschen, die hier leben sollen auch hier arbeiten können und nicht pendeln müssen, in einer Stadt der kurzen Wege. Beides geht allerdings nur in moderaten und angemessenen Schritten, damit die erforderliche Infrastruktur der Stadt gleichzeitig mitwachsen und angepasst werden kann."
Max Ostermeier (AfD): "Eine starke Wirtschaft und ausreichend Wohnraum gehören zusammen. Wer Unternehmen ansiedelt, braucht Fachkräfte, die sich das Leben in Buchholz leisten können. Deshalb müssen Wohnen, Infrastruktur und Gewerbe gemeinsam gedacht werden.
Kurzfristig möchte ich vorhandene Potenziale besser nutzen. Während bezahlbarer Wohnraum fehlt, stehen Handels-, Büro- und Gewerbeflächen leer. Wo eine wirtschaftliche Nutzung dauerhaft nicht mehr sinnvoll ist, sollte Wohnraum entstehen. Unterstützt die Stadt solche Projekte, muss dabei auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden – insbesondere für Menschen, die bereits in Buchholz leben und arbeiten.
Langfristig braucht Buchholz eine klare Wachstumsstrategie. Neue Wohnungen, Infrastruktur und Gewerbeflächen müssen sich am tatsächlichen Bedarf orientieren und den Charakter der Stadt im Grünen bewahren. Mein Ziel ist eine Stadtentwicklung, bei der Wirtschaft, Wohnen und Infrastruktur sinnvoll zusammenwachsen."
Michael Riedel: "Für mich gibt es hier kein „Entweder-oder“, sondern nur ein ausgewogenes „Sowohl-als-auch“ mit klarem Augenmaß - insbesondere auch unter Berücksichtigung der zukünftigen demografischen Entwicklung. Unsere Priorität muss beim bezahlbaren Wohnraum liegen, vorrangig im Geschosswohnungsbau und mit einer klaren Priorisierung der Innen- vor der Außenentwicklung. Steigende Mieten betreffen in Buchholz längst die breite Mittelschicht und auch Rentnerinnen und Rentner. Ich setze daher konsequent auf den kommunalen Wohnungsbau sowie eine verbindliche Quote für preisgedämpften Wohnraum bei privaten Investorenprojekten. Wenn wir städtische Flächen für Einfamilienhäuser entwickeln, werden wir diese zu attraktiven Preisen gezielt an ortsansässige Familien vergeben – gesteuert über ein faires Einheimischen-Modell mit klaren Kriterien wie Wohnsitz oder Arbeitsplatz in der Kommune. Klar ist aber auch: Neuer Wohnraum braucht eine funktionierende Infrastruktur inkl. guter Anbindung durch ÖPNV und Radwege. Um Kitas, Schulen, Spiel- und Sportplätze zu finanzieren sowie unsere vielfältigen Vereine tatkräftig zu unterstützen, benötigt Buchholz auch ein nachhaltiges Gewerbewachstum. Hier setze ich auf die gezielte Weiterentwicklung bestehender Gewerbegebiete und die Reaktivierung von Brachflächen, mit einem klaren Fokus auf das lokale Handwerk und innovative Unternehmen."
Bernhard Unger: "Es ist alles miteinander verwoben und voneinander abhängig.
Wir benötigen dringend neue Gewerbeflächen, in den sich gewerbesteuerintensive Unternehmen ansiedeln können. Dadurch sichert sich die Stadt ihren finanziellen Handlungsspielraum, um die Zukunft im Sinne der Bürgerinnen und Bürger gestalten zu können.
Durch neuen und bezahlbaren Wohnraum schaffen wir gegenüber anderen Kommunen einen Standortvorteil für bestehende und zukünftige Gewerbebetriebe. Benötigt werden Wohnmöglichkeiten für alle Bedarfe, insbesondere der bezahlbare und geförderte Wohnraum ist knapp. Auber auch die Nachfrage nach Ein- oder Zweifamilienhäusern hält an und sollte bedient werden können."
Grit Weiland (WfB): "Buchholz braucht neuen Wohnraum – allerdings bedarfsgerecht. Entscheidend sind die richtigen Wohnungen am richtigen Ort. Durch den demografischen Wandel wächst die Zahl kleiner Haushalte, obwohl die Einwohnerzahl langfristig voraussichtlich eher stagniert. Deshalb setze ich auf Innenentwicklung statt neuer Baugebiete am Stadtrand. Mit der Sanierung der seit über 40 Jahren brachliegenden Rütgersfläche bietet sich dafür eine einmalige Chance: Dort kann ein lebendiges Quartier mit einem ausgewogenen Drittelmix aus geförderten Mietwohnungen, frei finanzierten Wohnungen und Eigentum entstehen. Die Nähe zur Innenstadt, zum Bahnhof und die geplante Radanbindung über die blaue Järvenpää-Brücke machen den Standort besonders attraktiv. Dieses Potenzial sollten wir nutzen, bevor am Stadtrand neue Baugebiete erschlossen werden und damit zusätzliche Straßen und weitere Infrastruktur dauerhaft kostspielig zu unterhalten sind. Für Gewerbeflächen gilt derselbe Grundsatz: Neue Flächen nur bei nachgewiesenem Bedarf, nach transparenten Kriterien und mit Vorrang für regionale, nachhaltige und zukunftsweisende Betriebe."
Heike Werner (SPD): "Buchholz wird wachsen und wir sollten aktiv dies mitgestalten. Mit Augenmaß und nur mit einer Weiterentwicklung der Infrastruktur und der Behebung der Verkehrsprobleme. Ich werde mich für Wohnraum in allen Preiskategorien (sozialer, bezahlbarer, moderaterer und höherpreisigem) und in allen Wohnformen (Miete, Eigentum - Singles, Paare, Familien usw) einsetzen. Eine Weiterentwicklung von Gewerbeflächen und Gebieten stehe ich positiv gegenüber, solange auch hier Infrastruktur, Umweltschutz und Wohnraum mit bedacht wird."
Redakteur:Stefanie Hansen aus Tostedt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.