"Gedenken ist aktuell wie nie"

Richteten den Gedenktag aus: (v. li.) Rolf Müller, Bernd Düsing und Norbert Vietheer von der AG Buchholzer Sportvereine
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Holocaust-Gedenktag: Redner appellieren, sich gegen jede Form des Radikalismus zu wehren

os. Buchholz. „Dieser Tag des Gedenkens, das Gedenken an sich, hat an Aktualität nichts verloren. Im Gegenteil: Er war nie so aktuell und wichtig. Wir erleben, dass Politiker, Abgeordnete aus Landtagen und des Europäischen Parlaments mit ihren Äußerungen offen und unverblümt Fremdenhass verbreiten, die Menschen aufstacheln und eine Symbolik verwenden, die den Methoden des Naziregimes in nichts nachstehen.“
Das sagte Buchholz‘ Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse am Freitagabend beim Holocaust-Gedenktag. Mehr als 100 Gäste aus Politik und Gesellschaft kamen ins Sportzentrum des TSV Buchholz 08.
Wie berichtet, richtet in der Nordheidestadt jedes Jahr ein anderer Verein oder Institution den Gedenktag an die Befreiung des KZ-Vernichtsungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 aus. In diesem Jahr thematisierte die Arbeitsgemeinschaft (AG) Buchholzer Sportvereine die verschiedenen Facetten des Sports während der Naziherrschaft.
Die Turner des TSV Buchholz 08 sowie die Hip-Hop-Gruppe von Blau-Weiss Buchholz stellten den Sport der 1930er Jahre dem Vereinssport in der Gegenwart gegenüber. Verdeutlicht wurde der militärische Drill und der Schwerpunkt der körperlichen Ertüchtigung in den Vereinen in der Nazi-Zeit auf der einen Seite und der ungezwungene Spaß heutzutage. Die Vorführungen wurden ergänzt durch Dia-Shows u.a. zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und durch eine Schautafel zur Rolle verschiedener Vereine während der Nazi-Herrschaft, die durch die IGS-Schüler Niclas Fink, Finn Bünnemann, Conrad Richter, Finn Mahnken sowie Tim Viercke erstellt wurde.
Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke verdeutlichte an den HSV-Spielern Asbjörn Halvorsen und Otto „Tull“ Harder, wie aus Mannschaftskameraden Todfeinde werden können. Der Norweger Halvorsen überlebte nur knapp die Folter der Nazis, während Harder zu einem strammen NSDAP-Funktionär wurde. Schulke betonte die Wichtigkeit von Vereinen in einer Demokratie. Mit bundesweit 90.200 Vereinen sei der Sport die größte organisierte Bürgerbewegung.
Norbert Vietheer, Vorsitzender der AG Buchholzer Sportvereine, betonte wie wichtig das Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors ist. Er zitierte den CDU-Politiker Heiner Geißler: „Information und Wissen sind die besten Waffen gegen jeden Radikalismus.“
Vize-Landrat Uwe Harden mahnte an, sich deutlich den Stimmen entgegenzustellen, die eine Abkehr von der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus fordern. Er meinte damit vor allem den thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“ bezeichnet hatte.
Im kommenden Jahr wird der Holocaust-Gedenktag von Gerhard Klußmeier ausgerichtet, der im vergangenen Jahr ein vielbeachtetes Buch über die ehemalige Nazi-Ehrenhalle an der Bremer Straße in Buchholz herausgebracht hat.
• WOCHENBLATT-Leser Dr. Karl Manthei kritisiert, dass die Stadt am 27. Januar keine Blumen am Holocaust-Mahnmal in der Buchholzer Innenstadt niederlegte. „Wir haben das nicht gemacht, weil wir zwei Mal im Jahr bei zentralen Veranstaltungen der Opfer gedenken, und zwar beim Holocaust-Gedenktag und beim Volkstrauertag“, erklärt dazu Stadtsprecher Heinrich Helms.

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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